Ökonomen sehen den Dollar unter die Marke von 100 Yen fallen
Der Yen bleibt stark

Der Euro hat es von zwei Seiten auszuhalten. Nicht nur zur US- Währung klettert er auf immer neue Höhen, auch zum japanischen Yen legt der Euro stetig an Wert zu. Mit über 140 Yen steht er nahe des höchsten Stands seit seiner Einführung.

HB TOKIO. Deutsche Exporteure sind so doppelt betroffen, weil viele ihrer härtesten Konkurrenten in Japan sitzen. Doch 2005 erwarten Währungsstrategen eine Umkehr des Trends: Asiens Währungen werden von nun an einen größeren Anteil der Dollar-Schwäche tragen. Zur wichtigsten Währung der Region, dem Yen, werde der Dollar klar die Marke von 100 Yen durchbrechen.

Laut Tohru Sasaki von JP Morgan in Tokio wird der Yen bis Sommer oder Herbst an Wert gewinnen - und zwar zum Dollar wie zum Euro. Bis Herbst prognostiziert Sasaki einen Dollar-Kurs von nur noch 94 Yen. Aktuell schwankt der Dollar um 103 Yen "Ich schließe auch nicht aus, dass der Dollar bis 88 Yen durchrutscht", sagt Sasaki. Der Euro werde sich auf 130 Yen abschwächen. Damit würde die japanische Währung die Hauptlast der strukturellen Dollar-Schwäche übernehmen. Sasakis Begründung: "Bisher hat der Euro einfach ungerechtfertigt viel der Last getragen." Der Yen sei trotz der Aufwertung zum Dollar immer noch günstig. Der reale effektive Wechselkurs ist auf einem 15-Jahrestief. Da in anderen Ländern Inflation herrscht, wäre es angesichts der Deflation in Japan nur natürlich, dass der Yen an Wert zulegt.

Auch die Investmentbank Lehman Brothers rechnet für 2005 damit, dass der Yen gemeinsam mit anderen asiatischen Währungen den Hauptteil der Dollar-Schwäche tragen wird. Ende 2005 sehen die Experten den Dollar bei gerade noch 90 Yen. Weitere Anzeichen für eine langsam weichende Deflation würden dem Yen vor allem in der zweiten Jahreshälfte einen Schub geben. Dagegen rechnet Sasaki mit dem größten Anstieg bis zum Sommer; zum Jahresende werde der Yen dann wieder etwas nachgeben.

Mit einem stärkeren Yen wird 2005 auch die Interventionspolitik des japanischen Finanzministeriums geprüft werden. Vor einem Jahr hatte das Ministerium noch für Rekordsummen Dollar aufgekauft, ab April aber nicht mehr interveniert. "Sie werden nicht noch einmal versuchen, so viele Dollar-Reserven zu akkumulieren", meint Toyoo Gyohten. Der Präsident des Instituts für Internationale Geldpolitik erwartet eine allmähliche Schwächung des Dollars auf bis etwa 95 Yen. Bis vor kurzem war die Interventionsschwelle des Finanzministeriums noch bei 103 Yen vermutet worden. Doch der Deflationsdruck ist gesunken. Zudem fällt es angesichts von Rekordschulden des Staates zunehmend schwer, beim Wähler Verständnis für Dollar-Käufe zu finden. An koordinierte Interventionen mit der Europäischen Zentralbank glaubt in Tokio indes fast niemand. Dafür seien die Ansichten in Frankfurt und Tokio zu verschieden.

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Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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