Ökonomen sehen Leistungsbilanz-Defizit in den USA als Problem
Verfall des US-Dollars ist Risiko für Weltwirtschaft

Die Aufregung ist groß: Der Euro, einst als Schwächling gescholten, gewinnt an Stärke.

pbs DÜSSELDORF. Gestern war er fast 96 US-Cent wert und hat damit beinahe ein Zwei-Jahres-Hoch erreicht. Unter Ökonomen werden nun Krisen-Szenarien für den Fall eines Verfall des Dollarkurses erörtert.

Als Hauptrisiko für eine Dollar-Abwertung gilt das nunmehr seit 15 Jahren existierende Leistungsbilanzdefizit. Guido Zimmermann, Volkswirt bei der DGZ Bank-Deka rechnet deswegen mit einer "schleichenden" Abwertung des Greenbacks in den kommenden Jahren.

Gefahr der "importierten Inflation"

Grundsätzlich wirkt eine Abwertung in zwei Richtungen: Die Güter des Landes werden auf dem Weltmarkt preiswerter, gleichzeitig steigen die Preise für Importe und damit die Gefahr einer "importierten Inflation". Für Zimmermann erhöht deswegen eine Dollar-Abwertung den Druck auf die US-Notenbank, die Leitzinsen zu erhöhen. Das wiederum würde die Konjunktur belasten. Zimmermann kommt daher zu dem Ergebnis: Eine Abwertung des Dollars würde auf die Weltwirtschaft "eher rezessiv" wirken. Einzige Lösung aus seiner Sicht: Die Nachfrage nach US-Produkten stiege stark - das führt in der Regel zu einer Aufwertung.

Grundsätzlich seien die USA für das Phänomen der "importierten Inflation" aber nicht so anfällig wie beispielsweise die Euro-Zone, meint Elga Bartsch von Morgan Stanley. "Die Preise vieler Güter, beispielsweise für Öl, lauten bereits auf US-Dollar," erklärt sie. Außerdem sei die Arbeitsproduktivität in den USA stark gestiegen und die Lohnstückkosten befänden sich auf moderatem Niveau.

Auswirkungen auf die globale Konjunktur

Aber auch Morgan Stanley rechnet mit negativen Auswirkungen auf die globale Konjunktur - 0,5 bis ein Prozentpunkt könnten verloren gehen, sollte der Euro sich bis auf 1,15 US-Dollar verteuern. Dann könnte eine Kette negativer Ereignisse ins Rollen kommen, meint Bartsch: Die Aktienkurse brechen ein, Anleger verlieren Vermögen und schränken daraufhin ihren Konsum deutlich ein - und damit würde eine entscheidende Stütze des US-Wachstums wegbrechen.

Für die deutsche Wirtschaft stellt die Euro-Aufwertung aus Sicht des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel aber noch keine ernsthafte Gefahr dar. Zwar sei der Export bisher der alleinige Konjunktur-Motor. Die Export-Aussichten blieben bis zum Jahresende positiv, erst 2003 werde die Dynamik wegen der schwächeren Wachstumsdynamik der Weltwirtschaft etwas nachlassen. Die Ökonomen der Commerzbank schätzen den Einfluss der Konjunktur im Ausland als drei Mal so stark ein wie die Auswirkungen von Wechselkurseffekten. Zudem dauert es mindestens ein Jahr, bis sich Wechselkurseffekte auswirken.

Quelle: Handelsblatt

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