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Ökonomen uneins über Gründe für schwachen US-Arbeitsmarkt

Über die Ursachen für die anhaltende Schwäche am US-Arbeitsmarkt besteht bei Volkswirten Uneinigkeit. Die Arbeitsmarktentwicklung stellt den Experten zufolge aber neben dem hohen Ölpreis eine weitere Gefahr für die Konjunkturentwicklung dar.

dpa-afx FRANKFURT. Über die Ursachen für die anhaltende Schwäche am US-Arbeitsmarkt besteht bei Volkswirten Uneinigkeit. Die Arbeitsmarktentwicklung stellt den Experten zufolge aber neben dem hohen Ölpreis eine weitere Gefahr für die Konjunkturentwicklung dar. In den USA war die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im September um 96 000 zum Vormonat geklettert. Von CBS Marketwatch befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Anstieg um 138 000 erwartet.

Folker Hellmeyer, Devisenexperte bei der Bremer Landesbank, sieht in der Auslagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland die wichtigste Ursache für die schwache Arbeitsmarktentwicklung. Zudem habe die Konjunktur seit dem zweiten Quartal deutlich an Dynamik verloren. In den kommenden Monaten erwartet Hellmeyer noch schwächere Arbeitsmarkdaten. Er distanziere sich damit in "aller Schärfe" vom Konjunkturoptimismus der US-Notenbank, des IWF und der US-Regierung. Der Konsum dürfte als Stütze für den Arbeitsmarkt wegfallen. Nicht nur der schwache Arbeitsmarkt, sondern auch der hohe Ölpreis wird in den kommenden Monaten den Verbrauch drücken.

Produktivitätswachstum

Der Grund für die deutliche Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen sei durch die wirtschaftliche Rahmenbedingung nicht völlig zu erklären, sagt Patrick Franke, USA-Experte der Commerzbank. Offensichtlich liege das Produktivitätswachstum höher als bisher gedacht und verhindere Neueinstellungen. Zudem seien die Unternehmen offensichtlich pessimistischer als dies die robuste Gewinn- und Investitionsentwicklung vermuten lasse.

Hellmeyer hält das Produktivitätswachstum in den USA hingegen für unterdurchschnittlich. Auf Grund unterschiedlicher Messmethoden seien die US-Daten im Vergleich zu europäischen Daten systematisch höher ausgewiesen. Für die Wachstumsprognose der Commerzbank stelle der schwache Arbeitsmarkt kaum eine Gefahr dar, sagte Franke. Der hohe Ölpreis stelle eine wesentlich größere Gefahr für den privaten Konsum dar. Dieser könne sich insbesondere bei einem kalten Winter Konsum bremsend auswirken.

'Fader Beigeschmack'

Die US-Notenbank dürfte laut Franke im laufenden Jahr nur noch einmal um 0,25 Prozentpunkte auf 2,00 Prozent erhöhen. Die Teuerung habe sich verhalten entwickelt. "Die Fed kann daher abwarten, wie sich die hohen Rohölpreise auf die Lohnstückkosten auswirkten", sagte der Commerzbank-Experte. Bis zum Ende des Jahres 2005 könne der Leitzins bis auf rund 4,00 Prozent steigen. Hellmeyer erwartet hingegen bis zum Ende des ersten Quartals 2005 einen Anstieg um 0,50 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. Danach sei aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung überhaupt keine Leitzinserhöhung zu erwarten.

Die nur verhaltene Reaktion der Finanzmärkte auf die schwache Arbeitsmarktentwicklung hat nach Einschätzung von Hellmeyer einen "faden Beigeschmack". Er vermute hier verdeckte Interventionen zu Gunsten des Dollar. Die wirtschaftliche Realität dürfte jedoch spätestens nach den US-Präsidentschaftswahlen den Dollar und die Aktienmärkte unter Druck bringen. Die realwirtschaftlichen Gründe dürften sich am Ende auch an den Finanzmärkten durchsetzen.

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