Ökonomische Eingreiftruppe
Japan greift in Kreditvergabe ein

In Japan übernimmt eine staatliche Institution Kredite sanierungsfähiger Firmen, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Absurde Idee oder gelungener Coup?

WiWo TOKIO. "Höllenhunde", "Scharfrichter", "Zombie-Klinik", "Viagra-Fonds" - mit diesen aufgeregten Prädikaten diskutieren Japans Medien, was von der neuen "Gesellschaft zur Wiederbelebung der Industrie" (Industrial Revitalisation Corp. - kurz IRC) zu halten ist. Hauptfrage ist dabei, ob die IRC nach über einem Jahrzehnt der Rat- und Tatenlosigkeit nun mit Brachialgewalt durchgreifen wird.

Was in Deutschland bislang nur Gedankenspiel war, ist in Japan bereits Realität: eine staatliche Institution übernimmt schlechte Darlehen sanierungsfähiger Firmen und macht sie damit kreditwürdig - oder schickt sie in die Pleite. Keine leichte Aufgabe: 77 Experten der IRC müssen nun beurteilen, ob ein Unternehmen sanierbar ist oder nicht. Sie entscheiden damit über das Schicksal tausender Betriebe und deren Belegschaft.

Premierminister Junichiro Koizumi erhofft sich von dieser Agentur sogar die "Wiedergeburt" der japanischen Wirtschaft. Auch ausländischen Bankern gefällt die neue Konstellation. "Die Erwartungen sind hoch", konstatiert Harald Eisenach von der Deutschen Bank in Tokio. Wie die Deutsche Bank sehen fremde Finanzhäuser die Chance, durch die IRC profitträchtig zum Zuge zu kommen.

Goldman Sachs ist bereits bei Sumitomo/Mitsui eingestiegen, Merrill Lynch verhandelt mit UFJ, die Deutsche Bank erwägt ein Engagement bei Mizuho. Ob die IRC tatsächlich erfolgreich arbeiten kann, bleibt abzuwarten. Nippons Politiker haben ihrer Eingreiftruppe harte Verpflichtungen aufgebürdet. Ein fast nicht zu lösendes Problem dürfte die Auflage sein, auf eine "stabile Beschäftigungslage" zu achten und möglichst wenig Steuermittel zu riskieren. Kein Stellenabbau also, kaum Kosten für die Öffentlichkeit und als Ergebnis ein baldiger Aufschwung für überschuldete Unternehmen: diese Vorgaben laufen eigentlich auf eine "mission impossible" hinaus. IRC-Präsident Saito flüchtet sich deshalb gern ins Religiöse: "Wir wollen keine Höllenhunde sein, sondern lieber ein weichherziger Buddha".

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