Ökopartei streitet über Außenpolitik
Kampf der grünen Giganten

Persönliche Attacken, pikierte Antworten, Empörung: Seit Beginn diskutieren die Grünen den Afghanistan-Einsatz weit intensiver als jede andere Partei. Doch die erhitzten Gemüter sind nicht nur dem Engagement der Bundeswehr geschuldet. Offener als je zuvor seit dem Abschied aus der Regierung kämpfen die Protagonisten zugleich um ihre Machtbasis.

HAMBURG. Im vornehmen Hamburger Rathaus zeigten die grünen Bundestagsabgeordneten alles andere als dezente Zurückhaltung. Vier Stunden stritten sie, ob Deutschland auch künftig Soldaten an den Hindukusch schicken soll und wie sie das auf dem Sonderparteitag nächste Woche der maulenden Basis erklären.

Am Ende zeichnete sich "eine große Mehrheit" für die Zustimmung zum Isaf-Einsatz ab, berichteten Teilnehmer. Die Partei wolle auf jeden Fall "die Botschaft vermeiden, dass sich die Grünen von Afghanistan verabschieden". Die Diskussion jedoch triefte vor persönlichen Attacken, pikierten Antworten und Empörung.

Die heftigen Emotionen sind nicht nur dem heiklen Afghanistan-Einsatz geschuldet, den Grüne seit Beginn weit intensiver diskutieren als jede andere Partei. Offener als je zuvor seit dem Abschied aus der Regierung kämpfen die Protagonisten zugleich um ihre Machtbasis - und damit um den Startplatz im großen Rennen um die Spitzenkandidatur 2009.

Da sind zunächst die im Amt bestätigten Fraktionschefs Renate Künast und Fritz Kuhn, die beide als Anwärter für einen Spitzenplatz im Wahlkampf gelten, Künast etwas mehr. Beide haben sich festgelegt, beide wollen sowohl dem Mandat für die Schutztruppe Isaf zustimmen als auch dem Einsatz der deutschen Aufklärungstornados. Das hat ihnen den Zorn der linken Basis eingebracht - und einen Rüffel von Jürgen Trittin.

Hielten sie sich vornehm zurück, riskierten sie, in den Ruf des Opportunismus zu kommen - haben die Grünen doch als Regierungspartner den gesamten Afghanistan-Einsatz von Beginn an mitgetragen. Verabschiedet hat sich die Partei bislang lediglich vom Anti-Terror-Kampf der USA.

Einen wortreichen Schlingerkurs fährt der mächtige Außenpolitiker der Grünen, Jürgen Trittin. Noch im Frühjahr hatte der Rädelsführer des linken Flügels, den viele ebenfalls als potenziellen Spitzenkandidaten sehen, für Isaf und gegen Tornados votiert - und schon damals gesagt, er werde im Zweifel Isaf nicht an den Tornados scheitern lassen. Jetzt tritt der Trittin?sche Ernstfall ein, denn die Bundesregierung stellt beides gemeinsam zur Abstimmung - wenn auch nicht, um die Grünen zu ärgern, sondern vermutlich, um die Kritiker in den Reihen der SPD zur Fahnentreue zu zwingen.

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