Öl, Gold und Anleihen sind gefragt
Börsiäner zweifeln an "Erleichterungsrally"

Die Aktienmärkte in Europa und Asien sind zu Beginn der von vielen Beobachtern als entscheidend für die Zukunft des Irak eingeschätzten Woche auf neue Tiefstände gefallen. Vor allem Gold und Anleihen waren am Montag in Erwartung eines Irak-Krieges gefragt.

Reuters FRANKFURT/LONDON. "Jeder wartet darauf, dass ein Krieg in Irak beginnt", sagte ein Rentenhändler in Helsinki. In Asien fiel der japanische Nikkei-Index zeitweise unter die wichtige 8000er-Marke und damit auf den tiefsten Stand seit zwei Jahrzehnten. In Europa gab der Stoxx50-Index der wichtigsten Unternehmen des Kontinents ein Prozent auf 2016 Punkte nach, der Deutsche Aktienindex (Dax) notierte bei 2392 Punkten auf dem Niveau von März 1996. Gefragt waren am Montag als sicher geltende Anlagen wie Gold und Anleihen. Die Feinunze Gold verteuerte sich auf 353,00/354,00 Dollar nach 350,20/350,21 Dollar zum Handelsschluss in New York am Freitag. Der Bund-Future lag gegen Mittag 26 Ticks im Plus bei 116,68 Punkten auf einem neuen Kontrakthoch. Die USA, Großbritannien und Spanien wollen Irak in einer neuen Resolution der Vereinten Nationen eine Abrüstungsfrist bis zum 17. März setzen.

Unter Börsianern macht sich angesichts der seit Monaten andauern Irakkrise, die wie Mehltau über dem Aktienmarkt liegt, Frust breit. "Die Umsätze sind dünn und die Kurse oft nur Zufallsprodukte. Unternehmensnachrichten spielen kaum mehr eine Rolle. Es wird Zeit, dass das zu Ende geht", sagte ein Frankfurter Aktienhändler. Angesichts der wirtschaftlichen Probleme in Europa und den USA würden einige Anleger jedoch schon nicht mehr richtig an die vielen erwartete Erholungsrally nach Ausbruch eines Krieges glauben, fügte er hinzu. Trotz der Bemühungen Frankreichs und Deutschlands um eine friedliche Lösung der Krise rechnen Marktteilnehmer nach wie vor mit einem Krieg. Die USA hatten zuletzt mehrfach betont, im Notfall auch im Alleingang gegen den Irak vorzugehen.

Öl und Euro teuerer

Rohöl, seit Monaten im Steigflug auf Grund der Sorgen vor einem Krieg in der wichtigsten Ölförderregion der Erde, verteuerte sich weiter. An der Londoner Warenterminbörse International Petroleum Exchange (IPE) lag der der führende Terminkontrakt der europäischen Marke Brent am Mittag um 0,31 Dollar höher bei 34,41 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Der US-Dollar gab zum Euro weiter an Wert nach. Der Euro notierte am Mittag mit 1,1038/41 Dollar deutlich fester als zum Handelsschluss am Freitag in New York (1,1010/14 Dollar). "In der aktuellen Situation bezüglich Irak sieht es so aus, als seien die USA und Großbritannien ziemlich isoliert. Das setzt den Dollar im allgemeinen unter Druck", sagte Devisenanalyst Rob Hayward von ABN Amro.

An den Aktienmärkten herrscht angesichts der Erfahrung im vergangenen Golfkrieg seit langem die Erwartung vor, dass bei Beginn eines Krieges die Aktienkurse steigen werden und der Ölpreis fällt. "Wir rechnen nach wie vor mit steigenden Aktienkursen bei Kriegsbeginn und einem fallenden Ölpreis. Der Beginn der Auseinandersetzung dürfte als Befreiung von der lähmenden Unsicherheit der vergangenen Monate empfunden werden. Grundbedingung ist jedoch, dass es nicht zu einem Flächenbrand im Nahen Osten kommt", sagte Ralf Zimmermann, Stratege beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Allerdings zweifeln einige bereits an der Nachhaltigkeit einer solchen Bewegung. "Wir sind soweit unten im Moment, da wäre ein Anstieg um zehn oder 20 Prozent möglich. Aber ich zweifele an der Beständigkeit der Bewegung, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind immer noch so schwach", sagte Beate Merdes, Fondsmanagerin bei Invesco Asset Management. Es gibt sogar Stimmen, die noch einen Schritt weiter gehen: "Die Märkte sind so verunsichert und es gibt so viele Unwägbarkeiten bei einem Krieg, dass eventuell gar nichts aus der Rally wird. Möglicherweise verlegen sich die Anleger bei Kriegsbeginn zunächst darauf, die ersten Kriegstage abzuwarten. Wenn dann etwas Unvorhergesehenes im Nahen Osten passiert, kann die Rally vorbei sein, bevor sie richtig eingesetzt hat", sagte Giuseppe Amato, Marktanalyst beim Broker Lang & Schwarz.

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