Öl-Manager Roman Abramowitsch übernimmt die Macht von Chairman Ken Bates
Russischer Milliardär kauft FC Chelsea

Ein Neuzugang ganz besonderer Art erschüttert die britische Fußballwelt: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion ist der Londoner Fußballklub FC Chelsea an den russischen Öl-Milliardär Roman Abramowitsch verkauft worden. Der 36-jährige Geschäftsmann aus Moskau, dessen Vermögen auf 5,5 Milliarden Euro geschätzt wird, zahlt für die Aktienmehrheit an dem börsennotierten Verein 110 Millionen £ (160 Millionen Euro).

LONDON. Erstmals übernimmt ein Ausländer einen Klub der höchsten britischen Spielklasse. Entsprechend geschockt reagierten Fans und Politiker. Zumal gestern auch noch Chelsea-Superstar Gianfranco Zola bekannt gab, dass er den Verein verlassen wird. Die Börse in London beklatschte dagegen den Coup: Die Aktie des hoch verschuldeten FC Chelsea legte um mehr als 20 Prozent zu.

Gewinner an der bislang größten Übernahme im englischen Fußball ist vor allem Chelsea-Chairman Ben Kates. Der eher durch ruppiges Auftreten bekannt gewordene Manager hatte den Klub 1982 für 1 £ erworben - inklusive 1,5 Millionen £ Schulden. Mehrheitsaktionär Bates macht nun Kasse: Er soll allein 18 Millionen £ aus dem Verkauf erhalten.

Abramowitsch zahlt für 51 Prozent am Klub 30 Millionen £ in bar und übernimmt alle Vereinsschulden in Höhe von rund 80 Millionen £. Seine Offerte von 35 Pence pro Aktie bedeutet einen Aufschlag von 15 Prozent auf den Kurs von Montag. Bates, der seit mehr als 20 Jahren die Macht bei dem Verein in der Hand hält (Spitzname: "Mr. Chelsea"), bleibt auch unter russischer Führung im Amt.

Dabei war unter ihm der FC mit Stars wie Desailly, Petit oder Zola nie so erfolgreich wie etwa der Londoner Rivale Arsenal. Zudem trieb Bates den Klub mit Hotel- Großprojekten in die Schuldenzone. Der Verkauf sorgt für Unruhe, denn die gesamte Insel-Liga steht durch teure Spieler und sinkende TV-Einnahmen unter Finanzdruck. Einige Vereine wie Manchester United oder Leeds United haben spektakuläre Verkäufe vollzogen.

Nach dem Einstieg von Abramowitsch fürchtet die Liga nun den Verkauf weiterer Vereine an Ausländer. Das jedoch ist nicht neu: Harrods-Eigentümer El Fayed besitzt bereits den benachbarten FC Fulham, der allerdings nur zweitklassig spielt. Und vor Jahren scheiterte der australische Medienzar Rupert Murdoch beim Versuch, bei Manchester United die Macht zu übernehmen.

Für Chelsea, so Analysten, sei Abramowitsch der "rettende Engel aus Russland". Sie halten weitere Klub- Verkäufe für unwahrscheinlich. Zwar seien die börsennotierten Vereine mit Blick auf den Aktienkurs billig. Doch die Schuldenberge würden abschrecken. "Nicht jeder hat so tiefe Taschen wie Abramowitsch", meint ein Analyst.

Was er mit dem Verein vorhat, ist unklar. Murdoch war bei ManU an der Kartellbehörde wegen der TV- Rechte und dem Einfluss beim Pay- TV-Sender BSkyB gescheitert. Auch Abramowitsch ist nicht nur Fußballfan. Der Manager hat TV-Interessen in Moskau, besitzt einen Eishockey- Klub. Die TV-Rechte seien bei Chelsea sehr wichtig gewesen, heißt es.

Schon wird Kritik aus der Politik laut. Ex-Sportminister Tony Banks fordert eine Untersuchung des Deals. Der Traditionsklub könne nicht an eine Person verkauft werden, "über die wir nichts wissen".

Abramowitsch hat ein Netz von Beteiligungen und Macht aufgebaut, das keiner wirklich kennt. Er ist größter Anteilseigner am russischen Ölkonzern Sibneft, soll viel Geld im Aluminiumgeschäft gemacht haben und gilt als guter Freund im Kreml. Erst kürzlich hat er seinen Anteil an der Fluglinie Aeroflot verkauft - was dem Chelsea-Kauf gedient haben könnte.

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