Ölfelder beflügen die Phantasie: Ölmultis beraten Militärstrategen

Ölfelder beflügen die Phantasie
Ölmultis beraten Militärstrategen

Im Irakkrieg arbeiten die Ölunternehmen eng mit den Militärs vor Ort zusammen. Die Branche spekuliert daher auch, welche Konzerne nach dem Ende des Konflikts mit Förderkonzessionen zum Zuge kommen könnten. Klar ist aber: Die Multis kommen nur, wenn die Lage im Irak politisch stabil ist.

DÜSSELDORF. "Wer in der Geschäftswelt etwas sein will, muss einen Fuß in Nahost haben", hat der Öl-Tycoon Jean Paul Getty gesagt - und ist dort nach dem zweiten Weltkrieg zum Milliardär geworden. Auch das irakische Öl beflügelt die Phantasie der Analysten und internationalen Multis. Ob es nach dem Ende des Krieges zu einem "Ölrausch" im Zweistromland kommt, ist aber fraglich.

Die großen Öl-Konzerne verweigern weiter beharrlich Auskünfte über ihre Strategie für den Irak. Zu groß ist die Gefahr, als Kriegsgewinnler dazustehen. Branchenkenner wie Adam Sieminski von der Deutschen Bank sehen im Irak langfristig jedoch Geschäftspotenziale: "Service-Unternehmen wie Schlumberger und Halliburton können als erste profitieren", sagt Sieminski. Halliburton, bis zum Amtsantritt von US-Vizepräsident Richard Cheney geleitet, hat sich bereits einen Auftrag des Pentagons gesichert.

Schon im Vorfeld des Feldzuges haben Spezialisten aus der Industrie eng mit den militärischen Planern zusammengearbeitet. So informierten BP-Mitarbeiter offenbar die britischen Einheiten, die Ölfeldern im Süden des Iraks besetzen sollten, vor ihrem Einmarsch wie die Förderanlagen funktionieren.

"Diese Verbindung zwischen Öl-Unternehmen und Staaten ist nicht ungewöhnlich", meint der Essener Energieprofessor Dieter Schmitt. In den beiden Weltkriegen und während der Ölkrise in den 70er Jahren arbeitete die Industrie eng mit den Regierungen zusammen. Über die Zukunft der auf mehr als 110 Mrd. Barrel (ein Barrel = 159 Liter) geschätzten Ölreserven des Iraks und darüber, wer von ihnen profitieren könnte, sagt das aber wenig aus.

"Die amerikanischen Firmen drängen nicht mehr als andere auf eine klare Geschäftsgrundlage im Irak", sagt Friedemann Müller, Ölexperte bei der Berliner Stiftung für Wissenschaft und Politik. Die Erschließung des Iraks könne langfristig angesichts eines gesättigten Marktes den Ölpreis senken und andere Engagements wie die in den USA weniger rentabel machen.

Eine Studie der Deutschen Bank belegt genau dieses Szenario: Sollte der Irak nach dem Krieg aus der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) aussteigen, könnte er innerhalb einer Dekade und Investitionen von 40 Mrd. $ rund 5 Mill. Barrel täglich zusätzlich fördern - mit verheerenden Folgen für den Ölpreis und die politische Stabilität in der Region, heißt es in der Studie.

Beobachter wie Sieminski gehen daher davon aus, dass der Irak in der Opec bleibt. Damit würde das Land wie in der Vergangenheit wieder eine Förderquote ähnlich der iranischen zugeteilt bekommen. Als zusätzliche Kapazität bleiben dann aber lediglich eine halben Million Barrel pro Tag: Ein großes Engagement wäre so für die internationaler Multis nicht rentabel.

Wie stark die Konzerne in den Irak drängen werden, hängt vor allem von der politischen Stabilität des Landes ab. "Die Risiken im Nahen Osten sind so gewaltig, dass wir ein Engagement in Russland vorgezogen haben" heißt es im BP-Umfeld. Viele Konzerne haben in der Region zudem schmerzhafte Erfahrungen gesammelt: Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre hatten die meisten Staaten in der Region ihre Ölindustrie verstaatlicht und Konzessionäre wie BP oder Exxon aus dem Geschäft gedrängt.

Bis heute hat sich nichts daran geändert. Die "Nationalisierung" der Ölressourcen ist nach wie vor ein Politikum und obwohl die Branche davon ausgeht, dass der Irak seine Ölwirtschaft schneller als seine Nachbarländer für Ausländer öffnen könnte, rechnen Experten noch lange nicht mit einer Privatisierung der Industrie. Grundsätzlich sei die staatliche Iraqi National Oil Company (INOC) zudem auch nach den Jahren der Sanktionen gut dazu in der Lage, die Ölwirtschaft selbst zu managen, schätzen Beobachter.

So deutet alles darauf hin, dass die INOC der Herr über das irakische Öl bleibt und sich ähnlich wie bei den großen Vorhaben im Kaspischen Meer internationale Konsortien um einzelne Projekte bewerben: Dabei haben auch die Firmen, die wie TotalfinaElf oder Lukoil bereits über Absprachen oder Verträge mit dem Irak verfügen, gute Karten, schätzen Beobachter. Während des Tauziehens im UN-Sicherheitsrat habe US-Präsident Bush seinen Kollegen Chirac und Putin zugesichert, dass es keine Nachteile für französische und russische Unternehmen nach einem Sturz Saddams geben werde, wird in der Branche kolportiert. "Bei großen Investitionen ist es sowieso üblich, zu kooperieren", meint Sieminski. Die Deutsche Bank schätzt, dass die Entwicklung der irakischen Felder bis 2012 mindestens Investitionen von rund 20 Mrd. $ erfordert.

Doch es bleiben besondere Beziehungen des Iraks zu einzelnen Unternehmen: Als das Land das Konsortium aus BP, Shell, Exxon 1972 enteignete, blieben die französischen Partner ausdrücklich davon ausgenommen und wurden zur Besprechung "künftiger Regelungen" eingeladen. Der Grund: Frankreich hatte sich politisch für die Sache der Palästinenser stark gemacht. Saddam wollte das "belohnen".

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