Ölfirmen treten verstärkt in Moskau an
Ölmultis wollen Milliarden in Russland investieren

Westliche Ölkonzerne planen Großinvestitionen in Russland. Die Macht, mit der die Multis in den Markt drängen, löst in Moskau nicht nur Freude aus, denn es droht ein Ausverkauf russischer Ölunternehmen.

MOSKAU. So äußerte bereits Michail Chodorkowskij, Chef des zweitgrößten russischen Ölkonzerns Yukos, die Sorge, dass die westlichen Konkurrenten die bisherigen russischen Eigentümer verdrängen könnten: "Der Prozess hat bereits begonnen. Am Ende bleiben uns ein oder zwei Ölfirmen, der Rest wird vom Westen aufgekauft."

Auch wenn ein Ausverkauf russischer Ölunternehmen an Ausländer im politischen Establishment Moskaus keine Zustimmung fände, braucht das marode Riesenreich dringend Milliarden-Investitionen. Die ersten Schritte werden schon realisiert. So hat British Petroleum (BP) seinen 10 %-Anteil an der Ölfirma Sidanco für 375 Mill. $ auf 25 % aufgestockt. BP-Chairman Phil Watts kündigte dem russischen Premier Michail Kasjanow zudem Interesse an weiteren Russland-Projekten an.

Auch Totalfinaelf, bisher schon Europas größter Abnehmer von Russen-Öl, sichert sich gerade einen Großteil an einem sibirischen Ölfeld. Royal Dutch/Shell hat mit dem Gasgiganten Gazprom eine Partnerschaft bei Russland-Investitionen von 8 bis 10 Mrd. $ vereinbart. Von der niederländisch-britischen Gruppe und dem US-Konzern Exxon-Mobile geführte internationale Konsortien haben Investitionspläne vor der Pazifik-Insel Sachalin in Angriff genommen. Dabei geht es zusammen um Kosten von 20 Mrd. $ binnen acht Jahren.

Yukos hat zudem angekündigt, 10 % des Konzerns an einen strategischen Investor aus dem Westen abgeben zu wollen und mehr Aktien an West-Börsen handeln zu lassen. 5,9 % von Lukoil, der bisherigen Nummer 1 im russischen Ölmarkt, sollen noch in diesem Sommer über die New Yorker Börse privatisiert werden. Westliche Fonds und Portfolio-Investoren haben sich bereits in den letzten Monaten mit russischen Ölaktien eingedeckt.

Moskaus Energieministerium rechnet damit, 80 Mrd. $ an West-Investitionen binnen zehn Jahren in seine Ölindustrie locken zu können - wenn das System so genannter Production Sharing Agreements (PSA) zuverlässig funktioniere - mit einen hohen Anteil von Zulieferverträgen mit russischen Firmen und kräftigen Steuervorteilen. Mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin ist nach Meinung von westlichen Russland-Beobachtern das Vertrauen potenzieller Investoren in die Funktionsfähigkeit von PSA sowie in die politische und wirtschaftliche Stabilität des Landes zurückgekehrt. Branchenkreise verspüren inzwischen auch ein verstärktes US-Interesse an russischem Öl. Hintergrund dafür sei, dass Washington nach den Terroranschlägen am 11.September seine bisher sehr einseitig aus den Golf-Staaten erfolgende Erdölversorgung diversifizieren wolle.

Zwei große Chancen, sich bei Unternehmen in Russland zu engagieren, gäbe es für westliche Öl-Multis außerdem: Mit Slawneft und Rosneft sind zwei Ölfirmen noch in staatlicher, russischer Hand. 19,7 % von Slawneft sollen in diesem Jahr veräussert werden, Rosneft stand schon einmal auf der Privatisierungsliste. Allerdings werden die russischen Konzerne nach Ansicht von Analysten im Bietergefecht um die letzten verbliebenen Rosinen alles auffahren, um westliche Unternehmen nicht über Privatisierungen in den russischen Ölmarkt einsteigen zu lassen.

Quelle: Handelsblatt

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