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Ölmultis werden trotz Milliardengewinnen Benzinpreis nicht senken

(dpa-AFX) Hamburg - Die hohen Ölpreise auf dem Weltmarkt haben sich in den vergangenen Monaten verfestigt und mittlerweile rechnet kaum noch ein Experte mit einer Trendwende. "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei", sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Bei den großen multinationalen Ölkonzernen lassen Barrel- Preise von mehr als 40 Dollar die Kassen klingeln: Exxon Mobil < XOM.NYS > < Xona.ETR > , Shell < Shel.ISE > < She1.FSE > und Co. verdienen schon Geld, wenn der Ölpreis halb so hoch ist.

(dpa-AFX) Hamburg - Die hohen Ölpreise auf dem Weltmarkt haben sich in den vergangenen Monaten verfestigt und mittlerweile rechnet kaum noch ein Experte mit einer Trendwende. "Die Zeit des billigen Öls ist vorbei", sagt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel. Bei den großen multinationalen Ölkonzernen lassen Barrel- Preise von mehr als 40 Dollar die Kassen klingeln: Exxon Mobil < XOM.NYS > < Xona.ETR > , Shell < Shel.ISE > < She1.FSE > und Co. verdienen schon Geld, wenn der Ölpreis halb so hoch ist.

So präsentieren die Mineralöl-Multis glänzende Halbjahreszahlen und Quartalsdividenden und erfreuen damit ihre Aktionäre. Der britisch-niederländische Shell-Konzern verdiente im zweiten Quartal dieses Jahres vier Milliarden Dollar, bei Exxonmobil waren es 5,8 und bei BP 3,9 Milliarden Dollar. Die französische Total erwirtschaftete 2,05 Milliarden Euro. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres wuchsen die Gewinne dieser vier Ölkonzerne, die auf dem deutschen Markt den Ton angeben, zwischen 23 und 54 Prozent.

Autoclubs Fordern Preissenkungen

Weniger erfreut als die Aktionäre sind die Autofahrer und Verbraucher, die letztlich die Gewinne der Ölkonzerne bezahlen müssen. So forderten die deutschen Automobilclubs in dieser Woche von den Mineralölfirmen niedrigere Preise, um die geplagten Autofahrer zu entlasten. "Ein paar Cent nach unten sind noch drin", hieß es beim Adac. Realistisch ist das nicht. Die weltweit operierenden Konzerne funktionieren anders und sehen keinen Grund, den deutschen Mineralölmarkt aus Gewinnen in anderen Bereichen und Regionen zu subventionieren.

"Ein Quersubventionierung innerhalb des Konzerns ist weder rechtlich möglich noch wirtschaftlich sinnvoll", sagt Karl-Heinz Schult-Bornemann von Exxonmobil. Das Gewinnwachstum der Mineralöl- Multis stammt wesentlich aus der Förderung von Öl und Gas, zum Beispiel in Norwegen. Würde nun die norwegische Tochter eines Unternehmens Rohöl zum Sonderpreis an das deutsche Schwesterunternehmen abgeben, so hätte das Auswirkungen auf das Ergebnis und damit die Steuern in Norwegen. Der Gewinn würde in Norwegen geringer und in Deutschland höher. Solche Verschiebungen sind verboten. Also verkauft die norwegische Konzerntochter ihr Rohöl und alle anderen Produkte innerhalb des Konzerns zum Weltmarktpreis.

Auch Ölriesen Kommen Gegen DEN Markt Nicht AN

Den Weltmarktpreis bestimmen nicht die Ölmultis. Zwar zählen sie zu den größten Unternehmen der Welt mit Jahresumsätzen, die dem Sozialprodukt kleinerer Staaten entsprechen. Doch die zehn größten privaten Unternehmen fördern nur zwölf Prozent des Rohöls auf der Welt. Sie wirken auf dem Markt zusammen mit staatlichen und halbstaatlichen Förderunternehmen, sowie tausenden von Händlern, Brokern, Kunden und Spekulanten. Gegen den Markt können auch die Ölriesen nicht agieren.

Damit bleibt den deutschen Ölfirmen nur die Rolle eines Händlers: Sie kaufen den Sprit auf dem europäischen Ölmarkt in Rotterdam, schlagen ihre Kosten und eine Gewinnmarge auf und verkaufen das Benzin an den Tankstellen. Die Handelsmarge auf dem deutschen Markt ist im europäischen Vergleich eher am unteren Ende angesiedelt. Deshalb gehören die deutschen Benzinpreise ohne Steuern bei EU- Vergleichen stets zu den günstigsten. Der Chef von Total Deutschland, Thierry Pflimlin, hält Deutschland für den härtesten Markt in Europa. "Hier haben wir die schlechteste Rentabilität", klagte er bereits vor einigen Monaten.

Sollten die Großkonzerne dennoch auf die Idee kommen, die Preise unter ihre Kosten zu senken, so wäre dies strafbar: Mittelständischen Tankstellenbetreibern, die keine Ölquellen haben, würde bei einem ernsthaften Dumping-Angriff schon nach wenigen Wochen die Luft ausgehen. Sie würden vom Markt verschwinden. Als es vor einigen Jahren einen besonders heftigen Preiskampf in der Branche gab, zeigte das Kartellamt den Ölkonzernen schon einmal die Gelbe Karte: Nicht weil die Preise zu hoch waren, sondern zu niedrig.

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