Ölmultis wollen alle Beteiligungen abgeben
Eon hat Chance auf volle Ruhrgas-Übernahme

Während das Bundeswirtschaftsministerium prüft, ob es die Mehrheitsübernahme der Ruhrgas durch Eon genehmigen soll, ist der Energiekonzern schon weiter. Er hat die Chance auf völlige Übernahme des Gasversorgers. Denn die Ölmultis wollen aus Ruhrgas aussteigen und ihr eigenes Gasgeschäft aufziehen.

DÜSSELDORF. Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon AG steht offenbar bereit, um den Essener Gashändler Ruhrgas komplett zu übernehmen. Das erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der Ölindustrie. Danach wollen die Ölmultis Shell und ExxonMobil ihre Ruhrgas-Anteile verkaufen und statt dessen ein eigenes Gasgeschäft in Deutschland aufbauen. Eon steht dafür als Käufer bereit, heißt es. Weil auch BP bereits angekündigt hat, sich eigenständig im Gasgeschäft zu engagieren, ist auf dem hiesigen Gasmarkt erheblich mehr Bewegung absehbar.

Davon ist Karlheinz Bozem, Geschäftsführer der Beratergesellschaft Booz Allen & Hamilton in München, überzeugt. Dem Handelsblatt sagte er: "Wenn die bisherigen Ruhrgas-Eigner BP, Shell und Esso/Mobil ihre Gasaktivitäten bei der Versorgung von Stadtwerken und Industriekunden ausbauen, werden intensive Konkurrenzprozesse zu Gunsten der Verbraucher ausgelöst."

Genau deshalb hofft Eon jetzt auch auf Pluspunkte im Bundeswirtschaftsministerium. Dies prüft derzeit, ob es die Übernahme von 60 % an der Ruhrgas durch Eon mit einer Ministerlaubnis durchwinken soll, obwohl das Bundeskartellamt gegen die Gasfusion ein Veto eingelegt hat.

Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche hat Exxon-Chef Lee Raymond Bundeskanzler Gerhard Schröder bestätigt, dass Exxon und Shell ihr Gemeinschaftsunternehmen zur Gas- und Ölproduktion in Niedersachen, die BEB Erdgas und Erdöl GmbH, zerschlagen wollen. Damit wäre die 25-prozentige Beteiligung der BEB an der Ruhrgas frei. Außerdem will Exxon auch seine weiteren 7,5 % Ruhrgas-Anteile abgegeben. Eon stehe hierfür bereit.

Experten wie Bozem erwarten, dass mit der völligen Übernahme der Ruhrgas durch Eon nicht weniger, sondern mehr Wettbewerb auf dem Gasmarkt einzieht. Denn auch die Zerschlagung der bisher verschachtelten Aktionärsstruktur der Ruhrgas setze Wettbewerbskräfte frei. Das Gasverteilungssystem werde straffer und effektiver. Es komme dann zu einer Bereinigung der im internationalen Vergleich viel zu vielen Marktstufen.

Wegen der absehbaren Vorstöße der Ölmultis ins heimische Gasgeschäft hält Bozem eine Ministererlaubnis für Eons Ruhrgas-Geschäft daher insgesamt für verantwortbar. Voraussetzung sei allerdings, dass Deutschlands Gasnetze keine Zugangbarrieren mehr darstellten.

Branchenbeobachter empfehlen im Zusammenhang mit der Ministererlaubnis seit Längerem eine weit gefasste Perspektive: Gas sei weltweit ein Wachstumsmarkt mit einem Volumen von 300 Mrd. $, davon entfielen mehr als 100 Mrd. $ auf Europa. Wenn ein Energiedienstleister international erfolgreich sein wolle, müsse er sich gleichermaßen auf Strom und Gas stützen - und zwar möglichst in ganz Europa. Für ein solches Engagement aber benötigen die Energiekonzerne finanzielle Reserven in zweistelliger Milliardenhöhe. Eine Studie im Auftrag der EU-Kommission unterstellt für die Sicherung allein der europäischen Erdgasversorgung in den nächsten zwei Jahrzehnten einen Investitionsbedarf von mehr als 200 Mrd. $. Der Essener Professor Dieter Schmitt sagte dem Handelsblatt, der Einstieg finanzstarker Konzerne aus der Strom- und Ölwirtschaft erleichtere die Finanzierung dieser gigantischen Investitionen.

Im 72-seitigen Antrag auf Erteilung der Ministererlaubnis stellt Eon auf den dynamischen Wettbewerbsaspekt der europäischen Gasbeschaffungsmärkte ab. In der Zusammenfassung ihres Antrags hebt die Düsseldorfer Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer ebenfalls hervor, dass sich mit der Übernahme die Wettbewerbsfähigkeit der Ruhrgas klar verbessern werde.

Denn konkret verspreche Eon, Ruhrgas mit Kapitalerhöhungen oder Gesellschafterdarlehen finanziell potenter zu machen. Hierdurch könne die Ruhrgas etwa ihre Anteile beim größten Erdgasproduzenten der Welt, der finanziell Not leidenden russischen Gazprom, erhöhen. Aus konzernnahen Kreisen in Düsseldorf und Essen ist zugleich zu hören, dass auch eine Kooperation mit Norwegens Statoil denkbar sei.

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