Ölpreis bleibt entscheidend
Rätselraten um die Inflation in der Euro-Zone

Der Anstieg der Teuerungsrate hat sich im April voraussichtlich verlangsamt. Die Jahresinflation ist nach einer ersten Schätzung der Statistikbehörde Eurostat auf 2,2 % von 2,5 % im März gefallen.

pbs DÜSSELDORF. Ökonomen sind uneins, ob das Inflationsziel der Europäischen Zentralbank von 2 % in diesem Jahr verfehlt wird oder nicht. Eine erste Entwarnung nach dem jüngsten Inflationsalarm der Europäischen Kommission geben die neuen Zahlen für die Euro-Zone.

Die Verbraucherpreise sind im April im Jahresvergleich um 2,2 % gestiegen, teilt die europäische Statistikbehörde Eurostat ihre vorläufigen Berechnungen mit. Im März hatte die Inflationsrate noch bei 2,5 % gelegen. Damit liegt die Teuerungsrate aktuell aber immer noch über dem von der Europäischen Zentralbank (EZB) angestrebten Ziel von 2 %. Nahezu unverändert präsentierte sich dagegen die Lage am Arbeitsmarkt des Euro-Raums. Für eine Überraschung sorgte aber der Einzelhandel mit höheren Umsätzen.

Den verlangsamten Preisanstieg im April führt die Commerzbank auf die wieder gesunkenen Preise für Obst und Gemüse zurück. Noch zu Jahresbeginn waren die Preise für Kiwi & Co. explodiert. Die etwas moderatere Teuerung lässt die Warnungen der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD) und der Europäischen Kommission, dass die Euro-Zone in diesem Jahr erneut das Inflationsziel der EZB in Höhe von 2 % verfehlen wird, für einige Ökonomen in einem anderen Licht erscheinen. Brüssel rechnet mit 2,2 % Inflation im Jahredurchschnitt 2001, die OECD mit 2,1 %. Im kommenden Jahr soll die Teuerungsrate dann auf 1,8 % sinken, sind sich beide Organisationen einig. Auch Jörg Krämer, Chefvolkswirt von Invesco Asset Management ist sicher: Das Inflationsziel von 2 % wird in diesem Jahr verfehlt.

Zuversichtlicher zeigt sich dagegen die Europäische Zentralbank (EZB). In ihrer Inflationsprognose von Dezember 2001 - eine aktuellere gibt es nicht - geht sie von 1,6 % aus. Auch einige Banken-Volkswirte sind bereits wieder optimistisch: Schon im Mai werde die Jahresinflation wieder unter die EZB-Zielmarke von 2 % fallen, schätzen die Volkswirte von HSBC Trinkaus & Burkhardt und von der Commerzbank. Im Jahresdurchschnitt sieht HSBC die Inflation bei 1,9 % und 2003 bei 1,4 %. Die Tarifrunde berge keine Inflationsrisiken - sondern belaste eher die Konjunktur. Der Ölpreis werde erst dann gefährlich, wenn er sich oberhalb der von der OECD genannten Spanne von 22 bis 28 US-Dollar einpendeln würde, analysieren die Ökonomen.

Vorsichtiger ist die Commerzbank: Wenn der Preis für das schwarze Gold nicht wie erwartet in den kommenden Monaten unter 20 US-Dollar sinke, werde die Teuerungsrate zum Jahresende wieder auf über 2 % steigen. Die endgültigen Inflationszahlen für April veröffentlicht Eurostat am 16. April.

Die Arbeitslosenquote in der Euro-Zone ist im März gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben. Wie im Januar und Februar betrug die saisonbereinigte Quote 8,4 %. Im März 2001 lag die Rate noch bei 8,3 %. Die deutsche Arbeitslosenquote verharrte unverändert bei 8,1 %, in Frankreich stieg sie auf 9,1 % von 9,0 %. Damit belegt Deutschland einen der hinteren Plätze.

Absoluter Spitzenreiter bleibt Spanien mit 12,9 %. Der spanische Arbeitsmarkt sei stark reguliert, der Kündigungsschutz besonders rigide, erklärt Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank, die hartnäckig hohe Arbeitslosigkeit. Erst kürzlich hat die spanische Regierung den Druck auf Arbeitslose erhöht. Sie müssen künftig auch Jobs annehmen, die bis zu 50 Kilometer vom Wohnort entfernt liegen. Insgesamt waren im März wie schon im Februar in der Euro-Zone 11,5 Millionen Menschen ohne Job. "Stabilisation", aber kaum Besserung erwartet Edward Teather von UBS Warburg für die Zukunft. Das gelte auch für die Umsätze im Einzelhandel.

Die Branche hat im Februar 0,5 % mehr umgesetzt als im Januar. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist das Absatzvolumen um 1,3 % gestiegen. Analysten hatten im Monatsvergleich einen Rückgang erwartet. Am deutlichsten stiegen die Absatzzahlen mit 7,4 % in Jahresfrist in Spanien. Auch die Einzelhändler in Belgien (6,0 %) und Großbritannien (5,8 %) liegen vorn. Unzufriedene Gesichter dürften es dagegen hinter den Ladentheken in Portugal (-4,1 %), Deutschland (-2,6 %) und den Niederlanden (-1,2 %) geben.

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