Ölpreis und Irak-Konflikt im Fokus
Dax-Ausblick: Unsichere Zeiten

Ein drohender Krieg der USA gegen den Irak könnte die deutschen Aktienmärkte nach Einschätzung von Börsianern in der kommenden Woche auf neue Tiefstände drücken. Dabei dürften erneut die Technologiewerte am stärksten leiden, sagten Experten.

HB/ddp/vwd/rtr FRANKFURT. "Wegen des Irak-Konfliktes gibt es große Unsicherheit, und Unsicherheit ist nie gut für die Märkte", sagte Aktienstratege Klaus Schlote von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Der Markt habe die jüngste Rede des US-Präsidenten George W. Bush dahin interpretiert, dass ein US-Militärschlag immer wahrscheinlicher werde. Börsianer sagten zudem, die Volatilität am Aktienmarkt werde vor der Bundestagswahl am 22. September hoch bleiben.

Konjunkturaufschwung könnte sich weiter verzögern

Zwar habe sich der Kurs des Deutschen Aktienindex mit der Erleichterung über das Ausbleiben neuer Terrorakte zum Jahrestag der Anschläge in den USA erholt, jedoch bleibe die Entwicklung des Ölpreises ein kritischer Faktor, glauben die Analysten der Frankfurter DZ Bank. Dieser Faktor könnte weltweit die Erholung der Volkswirtschaften verzögern. Die Weltölmärkte präsentierten sich infolge der immer deutlicheren Anzeichen für einen militärischen Konflikt zwischen Irak und den USA weiterhin sehr nervös. Die Ölpreise hätten im Wochenverlauf auf dem hohen Niveau von September 2001, der Zeit unmittelbar nach den Terroranschlägen in den USA, gelegen. Zudem bleibe die Gefahr weiterer Preisaufschläge auf Grund der vergleichsweise geringen Vorräte und der vor dem Winter traditionell höheren Nachfrage bestehen. Die Gefahr, dass sich der Konjunkturaufschwung verzögert, bleibe groß, resümiert die DZ-Bank.

Zugleich zeige die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland nicht die gewünschte Dynamik, betonen ihre Analysten. Die Reduzierung der Prognosen für das Wirtschaftswachstum 2002 und 2003 gebe "zwar sicher keinen Anlass zu übermäßigem Optimismus", doch sei man "ein sicheres Stück von einer Rezession oder einem erneuten Abgleiten dorthin entfernt". Die DZ Bank geht davon aus, dass ein großer Teil dieser Prognose in den Kursen bereits eingepreist ist.

Von den Dax-Werten werden Privatanlegern derzeit Allianz, BASF, Daimler-Chrysler, Eon, Lufthansa, Thyssen-Krupp und Tui zum Kauf empfohlen.

Tech-Werte voraussichtlich weiter unter Druck

Überproportional starke Kursverluste dürften in einem weiter fallenden Markt erneut die deutschen Technologiewerte wie Infineon, Epcos und SAP hinnehmen, sagten Fondsmanager. Die nächsten Wochen könnten wichtig werden, weil sich das dritte Quartal dem Ende nähere und womöglich mit weiteren Prognosereduzierungen zu rechnen sei, wenn sich das Geschäft nicht bessere. Analysten zweifeln unter anderem daran, dass SAP den Umsatz im Gesamtjahr tatsächlich um fünf bis zehn Prozent steigern kann. "Das Umfeld verbessert sich nicht. Viele Experten rechnen nicht mal damit, dass die fünf Prozent erreicht werden", sagte Fondsmanager Torsten Gründel von Commerz Asset Managers.

Auf welchem Niveau kaufen?

Das Stuttgarter Bankhaus Ellwanger & Geiger stellt fest, obwohl der 11. September ohne Anschläge vorübergegangen ist, halte "die Bedrohung an, dass ein weiterer Anschlag erneut schwere Verluste an den Aktienmärkten hervorrufen würde". Auch bleibe das "Konjunkturbarometer unverändert auf tiefem Niveau", da sich das US-Wirtschaftswachstum im Juli/August weiterhin verlangsamt habe. Angesichts der unverändert angespannten Stimmungslage würden an den Börsen kurzfristige Kursgewinne sofort wieder mitgenommen. So stehe der Anleger unverändert vor der schwierigen Frage, auf welchem Niveau er Käufe tätigen sollte, meint das Stuttgarter Privatbankhaus.

Ein Test der alten Dax-Tiefststände sei nach wie vor wahrscheinlich, heißt es. Allerdings sei in den nächsten Handelstagen eher mit einer Seitwärtsbewegung zwischen 3 400 und 3 600 Dax-Punkten zu rechnen.

Für durchaus interessant auf dem derzeitigen Kursniveau halten die Stuttgarter diejenigen Branchen, die zuletzt überproportional verloren haben, wie die Versicherungsbranche. Positiv zeigen sich die Analysten auch unverändert bei nichtzyklischen Konsumwerten, wie L´Oreal und Henkel.

Wichtige Termine

Zu den wenigen Unternehmen, die in der kommenden Woche aktuelle Geschäftszahlen vorlegen, gehören zunächst der Mode-Spezialist Escada sowie die Carl Zeiss AG (Montag, jeweils Neunmonatsergebnisse). Am Dienstag werden Aussagen zu den Ergebnissen des ersten Quartals von Oracle erwartet. Am Mittwoch stehen neue Konjunktrudaten auf dem Programm: Die Statistiker in Brüssel und Washington informieren über die Entwicklung der Verbraucherpreise (Eurozone und USA im August) sowie die Entwicklung der US-Handelsbilanz (für Juli).

In Osaka beraten am Donnerstag die Opec-Minister über Erdölpreise und Fördermengen. Das Ergebnis der Beratungen dürfte vor dem Hintergrund der des jüngsten Rohöl-Preisanstiegs aus Furcht vor einem Irak-Krieg von besonderem Interesse sein. Desweiteren legt Hennes & Mauritz sein Neunmonatsergebnis vor.

Am Freitag lädt Borussia Dortmund zur Bilanzpressekonferenz ein. Obwohl es dem Verein sportlich und finanziell gut geht, befindet sich die Aktie weiterhin auf Talfahrt.

Am Samstag ist Anstich auf der Wies´n: In München beginnt das Oktoberfest. Am Sonntag endet der Wahlkrimi, der seit Wochen die Meinungsforscher in Atem hält, dann wird der 15. Deutsche Bundestag gewählt.

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