Ölpreis auf Zehnjahreshoch in New York
Commerzbank: Steigender Ölpreis wirkt nicht zinstreibend

Der hohe Ölpreis wird sich nach Erwartungen von Volkswirten nicht nennenswert auf die Zinsen in Deutschland auswirken.

dpa FRANKFURT/MAIN/NEW YORK. Der hohe Ölpreis wird sich nach den Erwartungen der Commerzbank-Volkswirte nicht nennenswert auf die Zinsen in Deutschland auswirken. "Selbst wenn der Ölpreis weiter auf 40 $ je Barrel steigen sollte, wäre nicht mit wesentlich stärkeren Zinserhöhungen zu rechnen", sagte Ralph Solveen von der Forschungsabteilung der Commerzbank der dpa in Frankfurt. Zwar würde sich in einem solchen Fall einerseits die Inflation auf deutlich über drei Prozent erhöhen, andererseits wäre jedoch mit einer gedämpften Konjunktur zu rechnen, so dass kein Spielraum für Zinserhöhungen bleibe.

Unterdessen ist der Rohölpreis am vergangenen Freitag in den USA um mehr als fünf Prozent gestiegen und hat damit zum zweiten Mal in der vergangenen Woche ein Zehnjahreshoch erreicht. An der New York Mercantile Exchange verteuerte sich das Barrel (159 Liter) Öl um 1,85 $ oder 5,4 % auf 35,92 $. Zwischenzeitlich war der Preis erstmals seit Oktober 1990 auf 36 $ gestiegen. Händler begründeten dies mit den wachsenden Spannungen am Persischen Golf, nachdem der Irak den Nachbarstaat Kuwait des Diebstahls von Öl bezichtigt hat. Die Spannungen am Golf waren auch bei den Vereinten Nationen ein Hauptthema. Nach dem irakischen Einmarsch in Kuwait am 2. August 1990 hatte der UN-Sicherheitsrat gegen Bagdad ein Ölembargo verhängt.

OPEC hat kein Interesse an zu teuerem Rohöl

Solveen rechnet damit, dass sich der Rohölpreis in den kommenden Monaten zurückbildet und zum Beginn des kommenden Jahres 23 $ je Barrel betragen wird. "Dafür spricht, dass die OPEC nicht an einem dauerhaft hohen Ölpreis interessiert ist", sagte er. "Der würde sich negativ auf die Weltkonjunktur und damit die Nachfrage nach Rohöl auswirken." Allerdings hätten die vergangenen Monate gezeigt, dass sich die Entwicklung der Ölpreise kaum verlässlich prognostizieren lasse. Wenn der Ölpreis bei 30 $ je Barrel bleibe, sei in Euroland mit einer Inflation von mehr als 2,5 % zu rechnen.

"Die Abhängigkeit der Industrieländer vom Rohöl hat sich in den vergangenen 30 Jahren merklich verringert", sagte Solveen. "Der Anteil des Rohölverbrauchs am Bruttoinlandsprodukt hat sich seit Anfang der siebziger Jahre fast halbiert." Dennoch bedeute der kräftige Anstieg der Rohölnotierungen mit seinen Auswirkungen auf das inländische Preisniveau noch immer einen beträchtlichen Verlust an Kaufkraft der privaten Haushalte. Zudem steige die Kostenbelastung der Unternehmen, was sich negativ auf ihre Investitionen auswirke.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%