Ölverschmierte Vögel gesichtet
Neuer Öl-Teppich erreicht spanische Küste

Schwerer Rückschlag im Kampf gegen die Ölpest im Nordwesten Spaniens: Zwei Tage nach dem Untergang des Großtankers "Prestige" im Atlantik hat ein Sturm am Donnerstag einen neuen großen Ölteppich an bislang verschont gebliebene Teile der galicischen "Todesküste" getrieben, wie die Behörden mitteilten.

HB/dpa LA CORUñA/LISSABON. Zwischen Corcubión und Muros am Kap Finisterre verseuchte die schwarze Flut mehrere Strände und drohte in die ökologisch hochsensiblen Flussmündungen ("rías") der Region zu gelangen. Das bestehende Fischfangverbot wurde ausgeweitet. Zugleich wurde die Kritik am Krisenmanagement der Regierung in Madrid immer lauter.

Wegen des Sturms mit Windgeschwindigkeiten bis zu 100 Kilometern in der Stunde mussten zudem die Aufräumarbeiten eingestellt werden, die Spezialschiffe konnten nicht auslaufen. Vor der Küste trieben überdies gleich mehrere Ölteppiche, der größte von ihnen mit einer Ausdehnung von etwa 32 Quadratkilometern. Umweltschützer äußerten die Befürchtung, die Ölpest könne auch die Cíes-Inseln vor Vigo erreichen, ein Naturpark und Vogelschutzgebiet. Hunderte ölverschmierte Seevögel sind bereits verendet. Bedroht sei auch das Binnenmeer bei Arousa, wo sich die wichtigsten Muschelbänke Europas befinden. Die galicischen Behörden schlossen dies zwar aus, die Fischer arbeiteten aber fieberhaft daran, die Muscheln vorzeitig zu ernten.

Die Nordwestküste Spaniens ist bereits auf einer Länge von 300 Kilometern mit dem giftigen und extrem schwefelhaltigen Schweröl verseucht. Eine Fläche von 6,5 Mill. Quadratmetern ist betroffen, darunter 90 Strände. Es wird mindestens ein halbes Jahr dauern, die Gegend zu säubern. Die Schäden werden mittlerweile auf fast 150 Mill. Euro geschätzt. An die tausenden betroffenen Fischer will Madrid eine Soforthilfe von 600 000 Euro zahlen. Helfer in Galicien kritisierten, die Regierung habe im Kampf gegen die Ölpest versagt. Überall fehle es an Ölbarrieren und anderer Ausrüstung.

Portugal ist bislang verschont geblieben, befürchtet aber für das Wochenende ebenfalls eine Ölpest, sollte sich der Wind drehen. Inzwischen wurde bekannt, dass Fregatten der portugiesischen Marine die "Prestige" am Montag daran gehindert hatten, in Portugals Gewässer vorzudringen. Am Tag darauf sank der altersschwache Tanker.

Weiteres Öl sei seit dem Untergang der "Prestige" aus dem in etwa 4 000 Metern Tiefe liegenden Wrack aber nicht ausgetreten, betonten die Behörden. Es sei zu hoffen, dass sich das Öl in dem kalten Wasser verfestige und nicht mehr an die Oberfläche gelange. Experten bezweifelten dies und meinten, der große Druck in dieser Tiefe werde die Tanks bersten lassen. In ihnen sind noch mehr als 60 000 Tonnen giftiges Schweröl. Etwa 10 000 bis 15 000 Tonnen sind bislang ausgetreten.

Glimpflich ging am Donnerstag auch ein weiters Schiffsunglück vor der "Todesküste" aus. Vor dem Kap Touriñan geriet ein mit Natron beladener französischer Frachter in Seenot. Ein Schlepper eilte zur Hilfe und konnte ihn in den Hafen von La Coruña ziehen. Das Schiff war wegen eines Maschinenschadens im Sturm manövrierunfähig auf dem Meer getrieben, teilte der Seenot-Rettungsdienst mit.

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