Ölwerte gehörten zu den Tagesgewinnern
„Steuermann“ Bush führt US-Märkte ins Plus

"Thank you, Mr. President", sagte ein Händler, als die Schlussglocke tönte. Nach einem erwartungsgemäß schwachen Handelstag mit zeitweiligen Verlusten von mehr als 1 Prozent für den Dow Jones, schafften es am Freitag bis zum Handelsschluss an der Walll Street beide US-Indizes ins grüne Terrain.

NEW YORK. Das Börsenbarometer der dreißig US-Standardwerte, der Dow Jones, kletterte in den letzten beiden Handelsstunden auf ein Plus von fast 59 Punkten oder 0,5 Prozent. Der Index ging bei einem Stand von 9 119,77 ins Wochenende. Der technologielastige Nasdaq Index legte genau 8 Punkte oder 0,6 Prozent zu und schloss auf 1 605 Punkten.

In der Tat war es US-Präsident George W. Bush, dessen Rede den Handel auf dem New Yorker Parkett beflügelte. Bush hatte in einer Rede im Rosengarten des Weißen Haus Steuersenkungen gefordert, die sich in den nächsten Jahren positiv auf die Erholung der amerikansichen Konjunktur auswirken könnten. "Um die Wirtschaft anzukurbeln, muss der Kongress kein Geld ausgeben. Er muss Steuersenkungen durchführen", sagte Bush nach einem Treffen mit Finanzminister Paul O'Neill. Nur Steuervergünstigen würden Unternehmen noch zu Investitionen ermutigen, sagte der Präsident. Gleichzeitig sprach er sich für die Abschaffung der Mindestbesteuerung aus, die verhindern soll, dass Unternehmen Ertragssteuern durch hohe Abschreibungen umgehen können. "Wir glauben, dass dies der beste Weg ist, die Erholung Amerikas nach den Terrorangriffen sicher zu stellen", erklärte Bush.

Ausverkauf am Morgen

Dass man den letzten Handelstag der Woche im Plus beschließen könnte, schien am Morgen völlig unmöglich. Ausreichend schlechte News hatten den Händlern genügend Gründe zu massiven Verkäufen geliefert. Am Morgen waren die neuesten Arbeitsmarktdaten veröffentlicht worden, und die fielen schlechter aus als befürchtet. Die Zahl der Arbeitslosen ist im September noch stärker gestiegen als die Marktbeobachter erwartet hatten. 199 000 Amerikaner verloren im Ermittlungszeitraum ihren Job. Das ist der größte monatliche Einbruch seit zehn Jahren. Ökonomen rechnen mit einem weiteren Einbruch im Oktober. Noch am Vormittag ging erneut die Angst vor einem Terror-Angriff mit biologischen Waffen um. In Florida war ein zweiter Fall von Milzbrand aufgetreten. Der Erreger, der die in den meisten Fällen tödliche Krankheit auslöst, wird unter anderem in dem Kampfstoff Anthrax verwendet. Die Behörden erklärten jedoch, dass die beiden Fälle isolierte Einzelfälle seien und nicht mit Terror-Attacken in Verbindung gebracht werden könnten.

Auch von Unternehmensseite hatten schlechte Nachrichten klar dominiert, vor allem aus dem Tech-Sektor. Die Chiphersteller Sun Microsystems und Advanced Micro Devices hatten vor Handelsbeginn Ertragswarnungen ausgesprochen. Beide Titel mussten zwischenzeitlich Verluste von bis zu sieben Prozent hinehmen, und sie zogen den ganzen Tech-Sektor mit in die Tiefe. Doch AMD notierte zuletzt als einziger Chiphersteller in den Miesen, die Big Caps standen indes allesamt auf der Gewinnerseite: Sun konnte ganze 6,2 Prozent ins Plus klettern und ging auf einem Wochenhoch von 9,87 Dollar aus dem Handel. Microsoft, Dell Oracle und Cisco verbuchten bis zur Schlussglocke Kursgewinne zwischen ein und drei Prozent.

Finanztitel litten unter schlechten Unternehmensmeldungen

Neben den Tech-Titeln hatten am Morgen die Finanz- und Versicherungstitel mit Kursverlusten zu kämpfen. Allein, die Branche konnte sich nicht erholen. Die Assekuranz-Titel leiden unter schlechten Unternehmensmeldungen vor allem von Aflac. Der Versicherer wird zwar die Prognosen für das laufende dritte Quartal einhalten, erwartet aber einen dramatischen Ergebnisrückgang im Folge-Vierteljahr. Die Aktie verliert über sechs Prozent. Die US Bancorp, das achtgrößte Finanzinstitut der USA, hatte wenige Stunden vor Börsenschluss gewarnt, dass im dritten Quartal Rückstellungen für mögliche Kreditausfälle in Höhe von einer Milliarde Dollar vor Steuern vorgenommen werden müssen. Das Ergebnis im dritten Quartal werde bei 41 Cents pro Aktie liegen, drei Cents unter den durchschnittlichen Gewinnschätzungen. Die US Bancorp verliert 16 Prozent, die Papiere von Citigroup, JP Morgan Chase sowie die Titel der Bank of America und der Bank of New York rutschen um bis zu 4,7 Prozent ab.

Zu den Tagesgewinnern hatte man bereits in den Morgenstunden die Ölwerte gerechnet. Nach den Kursverlusten der vergangenen Tage notieren Förderunternehmen und Vertreiber auf niedrigen Einstiegskursen, und die Händler reagierten zum Wochenende mit einer erhöhten Nachfrage nach den Papieren des Sektors. Chevron, Exxon und Texaco nahmen Gewinne zwischen 1,5 und zwei Prozent mit ins Wochenende.

Zu den größten Gewinnern gehörte am Freitag das Papier von Starbucks. Der Kaffeeröster wird die Geschäfterwartungen für das Fiskaljahr 2001 einhalten und ist zudem auf Expansionskurs: Starbucks will den europäischen Markt aufrollen und plant Filialen unter anderem im Kaffeetrinkerland Deutschland. Die Starbucks-Aktie legt im Handel mehr als zwölf Prozent zu und schloss auf einem Wochenhoch von fast 17 Dollar.

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