Österreichische Firma One zahlt 470 Millionen Euro
Mobilfunker lagert Netz an Alcatel aus

Der österreichische Mobilfunkanbieter One wird im Rahmen eines OutsourcingAuftrages den Betrieb, die Wartung und das Management seines Mobilfunknetzes an den französischen Telekommunikationsausrüster Alcatel auslagern.

One ist der erste Mobilfunk-Anbieter in Europa, der den Netzbetrieb komplett auslagert. Der Vertrag mit einer Laufzeit über die nächsten sieben Jahre hat ein Volumen von 472 Mill. Euro. Er umfasst auch die neue UMTS-Infrastruktur von One. Auch die Siemens AG hatte sich für den Outsourcing- Auftrag beworben.

Der Mobilfunker One, zu 50,1 % im Besitz des deutschen Energieriesen Eon, hat rund 1,4 Millionen Mobilfunk-Kunden und ist damit die Nummer drei in Österreich. One-Chef Jørgen Bang-Jensen wertete den Schritt zum Outsourcing des Netzes "als wesentliche Erleichterung". Das Unternehmen will seine Ressourcen künftig stärker auf den Kundendienst als auf den Betrieb der Technologie richten. Rund 200 Mitarbeiter werden nun von One zu Alcatel wechseln.

Laut Alcatel-Chef Serge Tchuruk müssen zahlreiche Mobilfunkgesellschaften enorm viel in Netzabdeckung und Wartung investieren, um einigermaßen konkurrenzfähig zu bleiben. "Wir können diese Aufgabe billiger und effizienter lösen", sagte Tchuruk in Wien. One sei daher nicht das erste, aber das bisher größte Projekt dieser Art für Alcatel. Die Telekom Neuseeland und der österreichische One-Konkurrent Telering haben bisher die Wartung des Netzes an Alcatel abgegeben.

Trend: Netz-Auslagerung

Die Auslagerung der Netze an externe Dienstleister könnte sich nach Einschätzung von Experten besonders bei kleineren Netzbetreibern zu einem Trend entwickeln. "Wir sind bereits in Gesprächen mit weiteren Netzbetreibern", sagte Alcatel-Deutschland-Chef Andreas Bernhardt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Es gebe einen nachhaltigen Trend zum Outsourcing in der Telekommunikationsindustrie.

"Wir wollen jedoch nicht Netzbetreiber werden", sagte Bernhardt weiter. Es sei nicht das Ziel von Alcatel, in Konkurrenz zu den Kunden zu treten, zu denen auch die großen Telekom-Konzerne wie die Deutsche Telekom und France Télécom gehören. Und es sei auch nicht zu erwarten, dass alle Mobilfunk-Anbieter den Betrieb ihrer Netze auslagern. "Es wird alle Arten von Mischmodellen geben", sagte Bernhardt. Prinzipiell wolle Alcatel jedoch die gesamte Bandbreite des Outsourcings für die Telekommunikationsindustrie anbieten.

Zielkunden seien derzeit vor allem kleinere Anbieter - in Deutschland etwa Stadtnetzbetreiber von der Größe einer Netcologne oder Hansenet. Für den Betrieb großer Netze hätten die Dienstleister noch nicht die notwendigen Ressourcen, räumt Bernhardt ein.

Doch das könnte sich über die Jahre ändern. Denn Ausrüster wie Alcatel müssen neue Geschäftsfelder erschließen. Die rückläufigen Investitionen in Telekommunikationsnetze haben Netzausrüster wie Alcatel, Nortel und Lucent in die schwerste Krise seit Bestehen der Industrie getrieben.

So hat sich der Umsatz von Alcatel von 2000 bis 2002 auf 16 Mrd. Euro fast halbiert. Die Zahl der Mitarbeiter bei dem in 130 Ländern aktiven Konzern wird bis Ende dieses Jahres von ehemals rund 130.000 auf 60.000 sinken. In Deutschland beschäftigt Alcatel/SEL etwa 8 500 Mitarbeiter.

Mittelfristig wolle Alcatel bis zu einem Drittel seiner Umsätze mit Dienstleistungen rund um Telekommunikations- und Datennetze erlösen, sagte Bernhardt. Dabei tritt Alcatel, auch als Generalunternehmer auf und übernimmt für One ebenfalls das Management von Gebäuden und Ladengeschäften. Diese Leistungen werden die Franzosen jedoch von anderen Dienstleistern zukaufen.

Quelle: Handelsblatt Nr. 219 vom 13.11.03, Seite 17

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