Österreichische Pressestimmen
Haider hat die FPÖ wieder fest im Griff

Dass die Basis beim Parteitag am 21. September Haider mit überwältigender Mehrheit zum Nachfolger seiner Nachfolgerin wählen wird, daran zweifelt niemand: "Denn die FPÖ ist wieder eine Führerpartei", formuliert es der Wiener "Kurier".

HB/dpa WIEN. "Susi, geh' Du voran!" Mit Tränen in den Augen hatte Jörg Haider am 1. Mai 2000 sein Amt als Vorsitzender seiner Freiheitlichen Partei (FPÖ) an Susanne Riess-Passer übergeben. Zweieinhalb Jahre hatte er, der sich kokettierend fortan nur noch "einfaches Parteimitglied" nannte, der FPÖ-Regierungsriege "gute Ratschläge" erteilt, um sich mehrmals bei Nichtbefolgung beleidigt aus der österreichischen Bundespolitik zurückzuziehen.

Am Mittwochabend kehrte er auch offiziell dahin zurück, wo ihn die Kommentatoren immer schon sahen: An die FPÖ-Spitze. Dass die Basis beim Parteitag am 21. September dem Vorschlag der Gremien folgen und Haider mit überwältigender Mehrheit zum Nachfolger seiner Nachfolgerin wählen wird, daran zweifelt niemand: "Denn die FPÖ ist wieder eine Führerpartei", formuliert es der Wiener "Kurier" drastisch. Er habe die Partei wieder fest im Griff, ihm gelang die "totale Machtübernahme - Freiheitliche völlig verhaidert", schrieben die überregionalen "Salzburger Nachrichten".

Eigentlich hatte er sich ja geziert, an die Parteispitze zurückzukehren. Zu groß schien die Gefahr, dass die FPÖ bei den anstehenden Neuwahlen abstürzt. Von den 27 Prozent Wähleranteil bei den Wahlen 1999 sind nach jüngsten Umfragen nur noch 17 geblieben. Doch ein nach Einschätzung der Medien geschickter Schachzug könnte Haider den Weg aus diesem Dilemma aufzeigen: "Mit Sozialminister Herbert Haupt wurde ein Anti-Strahlemann als Spitzenkandidat positioniert, dem wohl nur eine Funktion zukommt: Als Regierungsmitglied die Verantwortung für allfällige Verluste zu übernehmen", analysiert "Der Standard".

Auf der anderen Seite signalisiert Haupt, der maßgeblich am Zustandekommen der rechtskonservativen Koalition mit der Volkspartei (ÖVP) beteiligt war, dass die FPÖ weiterhin an einer Regierungsbeteiligung interessiert ist. Dies ist nach den Worten Haupts auch sein oberstes Wahlziel. "Was Haider damit bezweckt, ist nach den bisherigen Erfahrungen unschwer zu erkennen", mutmaßt "Die Presse". "Je nach tagespolitischer Themenlage im Wahlkampf kann die FPÖ mehr die seriöse Regierungsambition oder die rabiate Fundamentalopposition betonen."

Dass Haider dieses Spiel virtuos beherrscht, hatte er schon in den letzten Monaten bewiesen: egal ob mit seinem Händedruck mit dem irakischen Staatschef Saddam Hussein oder seinem genauso heftig umstrittenen Treffen mit hochrangigen Vertretern des rechtsgerichteten belgischen Vlaams Blok. Haider war es ja schließlich auch, der schon mit der Veto-Drohung im Falle eines tschechischen EU-Beitritts gegen die eigene Regierung opponierte und sie am Ende durch den bewusst herbeigeführten Rücktritt Riess-Passer zu Fall brachte.

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