Österreichischer Start-Up Uboot kommt im Oktober nach Deutschland
Online-Community will von Handy-Manie profitieren

Ein Start-Up aus Österreich will von Oktober an deutsche Jugendliche für eine SMS-Community im Internet gewinnen. Bis Jahresende will die ucp AG 200 000 deutsche Nutzer auf ihre Seite uboot.com locken. Das Unternehmen setzt auf die Trendhörigkeit der Teens: Wer kein Handy hat, kann vom Internet aus SMS-Nachrichten verschicken und neuerdings auch umgekehrt auf Kurznachrichten aus dem Web antworten.

LUGANO. "Ein U-Boot wird kommen". Mit diesem Slogan will die Universal Communication Platform (ucp) in Kürze auch in Deutschland für ihre Internet-Community uboot.com werben. Im Februar dieses Jahres ging Uboot.com in Österreich an den Start. Im Oktober sollen Dienste in Deutschland und England hinzukommen. Uboot.com ist ein Portal, bei dem die Kommunikation von Handy zu Internet und umgekehrt im Zentrum steht. Zielgruppe ist nach Firmenangaben die "Generation SMS".

Keiner versendet so gerne und oft Nachrichten via SMS wie die kommunikationsfreudigen Jugendlichen im Alter von 14 bis 25 Jahren. Das bestätigt eine Studie mit dem Titel "Jugendliche und SMS", die Joachim Höflich und Patrick Rössler von der Universität Erfurt erarbeiteten: "Mit knapp sechs SMS-Nachrichten, die im Schnitt pro Tag geschickt und empfangen werden, spielt der Service rein zahlenmäßig eine größere Rolle als Handy-Telefonate oder E-Mail-Kontakte", heißt es dort.

Free-SMS als Alternative zum Handy

Wie eine am Donnerstag veröffentlichte Untersuchung des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest ergab, besitzt unter den 12- bis 19-Jährigen inzwischen jeder zweite (49 Prozent) ein Mobiltelefon. Da geraten Jugendliche im Freundeskreis leicht ins Hintertreffen, wenn sie kein Handy zum Versenden der Kurznachrichten besitzen. Hier setzen die kostenlosen SMS-Dienste im Internet an. Wer kein Handy hat, kann vom Internet aus wahlweise E-Mails oder SMS-Nachrichten versenden. Alle größeren Internet-Provider offerieren inzwischen Free-SMS-Dienste. T-Online bietet auf seinen Seiten einen kostenlosen SMS-Versand für Kunden, der sich laut Karin Lay von T-Online International reger Nutzung erfreut. Auch Compuserve-Kunden können Kurznachrichten vom Web aufs Handy verschicken. Daneben gibt es zahllose kleine Anbieter, die kostenlose SMS-Dienste im Internet anbieten.

SMS-Nachrichten aus dem Web bleiben nicht länger unbeantwortet

Trotz der Vielzahl der Anbieter sind die Uboot-Macher optimistisch und verweisen auf eine nach ihren Angaben einzigartige Technologie. "SMS kann man zwar überall vom Web aus senden", sagt ucp-Geschäftsführerin Claudia Pöpperl. Bisher konnte der Empfänger einer solchen Nachricht aber nicht auf eine SMS antworten, die aus dem Internet kam. Der Grund: Als Absender einer Internet-SMS wird bisher lediglich die Einwahlnummer des Providers angegeben.

"Über Uboot.com können die Nutzer hingegen erstmals auch umgekehrt SMS-Nachrichten an das Internet senden." Der Empfänger einer SMS, die über Uboot.com gesendet wird, kenne nur den Nickname des Absenders und dessen interne Kenn-Nummer, erläutert Pöpperl. Wolle er antworten, werde die neue Nachricht wiederum an Uboot gesendet. Über die jeweilige Kenn-Nummer könne dann der Empfänger identifiziert und die Nachricht übermittelt werden.

Mobilfunkbetreiber müssen mitspielen

Den umgekehrten Weg vom Handy ins Internet können die Nachrichten jedoch nur gehen, wenn die Mobilfunkbetreiber mit Uboot.com zusammenarbeiten. Über die Höhe der Gebühr, die die Netzbetreiber an ucp pro gesendeter SMS zahlen müssen, schweigt sich das Management indes aus und verweist auf laufende Verhandlungen in Deutschland. Als einen Partner habe das Unternehmen bereits die Telekom gewonnnen, sagt Thomas Lang, ebenfalls ucp-Geschäftsführer.

Mit dem neuen Angebot will ucp, an der die T International-Mobile über ihre österreichische Tochter Max Mobil seit Donnerstag 50 % hält, bis Jahresende 200 000 deutsche Teenager dazu bewegen, sich auf den Uboot.com-Seiten zu registrieren.

Mit Online-Werbung in die Gewinnzone

Von der Zahl registrierter Nutzer hängt letztendlich auch ab, wie rentabel das Internet-Geschäft mit SMS tatsächlich ist. Denn während T-Online-Sprecherin Karin Lay kostenlose SMS-Dienste eher als Zusatznutzen für ihre Kunden bezeichnet, sind SMS-Portale auf Werbe-Einnahmen angewiesen. ucp erhält zusätzlich einen Teil der Einnahmen, die die Mobilfunkbetreiber an den Uboot-Kurznachrichten verdienen. Online-Werber will ucp mit der Zahl der Visits auf ihren Seiten zu Investitionen bewegen. Im September verbuchte Uboot.com Österreich 2,6 Mill. Visits.

Die Austrian Wireless Community, die Vermarktungsplattform, der Uboot.com und anderen SMS-Dienste angehören, belegte im August Platz Eins in Österreich. Trotz präsentabler Zahlen bei der Webanalyse schreibt ucp bisher noch keine schwarzen Zahlen im SMS-Geschäft. Erst in eineinhalb bis zwei Jahren rechnet Geschäftsführer Thomas Lang mit dem Erreichen der Gewinnzone. Den Börsengang planen die Österreicher für das kommende Jahr. Geldgeber von ucp sind der Telekommunkations Service Max Mobil und die Unternehmens-Beteiligungsgesellschaft March Fifteen.

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