Oetker vor Übernahmen der BBAG/Brau-Union-Gruppe
BBAG soll Zusammenschluss mit Binding-Brauerei planen

vwd/apa WIEN/FRANKFURT. Der Machtkampf zwischen den Eigentümerfamilien von BBAG/Brau-Union ist unter anderem an Plänen des Vorstandes der Österreichische Brau-Beteiligungs-AG (BBAG), Linz, für einen Zusammenschluss mit der Binding AG, -Brauerei Frankfurt, entbrannt. Binding gehört zum deutschen Oetker-Konzern. Und Oetker ist 25-Prozent-Aktionär der BBAG-Mutter Schwechat Holding. Eine Aktionärsgruppe in der obersten Eigentümerholding GH (Getränke Holding) um die Tiroler Familien Marsoner/Swarovski befürchtet, eine Hereinnahme der Binding-Brauerei würde praktisch die BBAG-Übernahme durch Oetker bedeuten - und will dies bekämpfen. Die BBAG, Österreichs größter Getränkekonzern, gab am Donnerstag keinen Kommentar ab.

Den in Zentraleuropa starken internationalen Brauereien Heineken, Interbrew und South African (SAB) will die BBAG/Brau-Union-Gruppe offenbar mit einer Bierehe Paroli bieten. In einem der Nachrichtenagentur APA vorliegenden internen Papier zur BBAG-Konzernstrategie 2000 schlägt der Vorstandschef der börsennotierten Brau-Beteiligungs-AG, Karl Büche, die Schaffung einer starken Brauereigruppe durch "Integration der Brau-Union-Gruppe sowie der Binding-Gruppe" vor. Diese "Integration" ist dem Vorstandspapier zufolge ein weiterer Schritt in der Wachstumsstrategie. Zunächst würde die Akquisitionsstrategie in Osteuropa und in Österreichs Nachbarländern fortgesetzt.

Die BBAG verwies auf APA-Anfrage lediglich auf die bisherige Vision, führende Brauereigruppe in Zentraleuropa werden zu wollen. Dies strebe man mit einer "ertrags- und wachstumsorientierten Strategie" an. Zu "irgendwelchen Schriftstücken, die jetzt plötzlich in der Öffentlichkeit auftauchen", gebe es keinerlei Stellungnahme. Vor dem 20. November werde das Konzernmanagement zum Streit in der obersten Eigentümerholding gar keinen Kommentar abgeben, hieß es am Donnerstag.

Die Binding AG-Brauerei wollte zu dem "internen Papier" keine Stellung nehmen mit dem Hinweis, dass dessen Echtheit angezweifelt wird. Zwischen der BBAG und der Binding-Gruppe bestünden schon seit langem gute Beziehungen, eine engere Verflechtung beider Unternehmen sei jedoch nicht vorgesehen, sagte ein Binding-Sprecher am Donnerstag. Wie bekannt, sitzt BBAG-Vorstandschef Karl Büche im Aufsichtsrat von Binding. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende und jetzige Aufsichtsratsvorsitzende von Binding, Klaus Peter Erbrich, ist im Kontrollgremium von BBAG. - Die Oetker-Gruppe wollte zu dem gesamten Themenkomplex keine Stellungnahme abgeben.

Wie berichtet, versuchen derzeit zwei Aktionärsgruppen - eine "Linzer" Gruppe um BBAG-Chef Büche sowie Ludwig Beurle und Fritz Kretz auf der einen Seite und eine "Tiroler Gruppe" um Brau-Union-Aufsichtsratspräsident und BBAG-Vizepräsident Helmut Marsoner sowie die Familien Swarovski und Rainer auf der anderen Seite im Ringen um die Kontrolle in der obersten Eigentümerholding GH die insgesamt 630 GH-Aktionäre (Syndikatsmitglieder) auf ihre Seite zu ziehen.

In Kreisen der "Tiroler" Gruppe wird mit der "Binding"-Integration ein Ausverkauf der österreichischen Braugruppe an die Deutschen befürchtet. Sie glauben, dass im Integrationsfall die Familie Oetker ihre Mehrheitsbeteiligung an Binding wohl in die Schwechat Holding einbringen würde, wo Oetker eben schon jetzt über 25 Prozent halte. Eine Sacheinlage in dieser Größe würde dort dann automatisch die Mehrheit für die Oetker-Gruppe schaffen. Oetker würde damit sein langjähriges Ziel der Übernahme der BBAG/Brau-Union-Gruppe erreichen, heißt es.

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