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ÖTV-Chef Mai kritisiert andere Verdi-Gewerkschaften

ÖTV-Chef Herbert Mai hat die Pläne mehrerer Gewerkschaften kritisiert, die Gründung der Großgewerkschaft Verdi notfalls auch ohne die ÖTV durchzusetzen.

Reuters STUTTGART. Diese Vorschläge seien kontraproduktiv und verfestigten die Fronten innerhalb der ÖTV, sagte Mai bereits am Freitagabend in Stuttgart. Eine Zustimmung der ÖTV als größte Gewerkschaft unter den Verdi-Partnern hänge von der Klärung einiger Streitpunkte ab. So seien die Frauenquote und eine demokratisch aufgebaute Flächenpräsenz der künftigen Gewerkschaft für die ÖTV-Mitglieder unverzichtbar. Von einer Mehrheit für Verdi sei die Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) noch ein ganzes Stück entfernt.



Vier-plus-Eins-Modell



Die vier übrigen Gewerkschaften der Verdi-Gründungsorganisation hatten die Idee eines so genannten Vier-plus-Eins-Modells ins Spiel gebracht. Damit wollen sie auf einen Ausstieg der ÖTV aus dem Gründungsprozess vorbereitet sein. DAG-Chef Roland Issen hatte ein Modell vorgeschlagen, das die Kooperation der vier dann fusionierten Gewerkschaften mit der ÖTV erlauben sollte. "Ich kann verstehen, dass die anderen Gewerkschaften so kurz vor Torschluss nervös werden", sagte Mai. Diese Debatte werde aber eher die Verdi-Gegner innerhalb der ÖTV stärken, warnte er.

ÖTV und HBV lägen bei ihren Vorstellungen zur Flächenpräsenz von Verdi noch weit auseinander. Während die HBV auf bundesweit 80 Bezirken beharre, seien für die ÖTV 123 Bezirke die Untergrenze. Zudem gebe es noch Differenzen bei der Einsetzung der Bezirksvorstände in der Startphase von Verdi. Die ÖTV lehne es ab, alle Führungspositionen zentral zu vergeben und dringe auf demokratische Strukturen. Außerdem lege die Gewerkschaft "größten Wert" auf eine Frauenquote in der neuen Dienstleistungsgewerkschaft.



Gründungskongress im März 2001



Die mit 1,5 Millionen Mitgliedern rund die Hälfte der Mitglieder und Beitragseinnahmen beisteuernde ÖTV müsse noch ein ganzes Stück arbeiten, bevor die beim Gründungskongress im März 2001 notwendige Mehrheit von 80 % der Delegiertenstimmen erreicht werden könne, sagte Mai. Er warnte zugleich vor einem Scheitern der Fusion, da dann die Gewerkschaften als nicht reformfähig angesehen werden würden.

Die ÖTV, die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV), IG Medien, Postgewerkschaft sowie die Deutsche Angestellten Gewerkschaft (DAG) planen seit mehr als drei Jahren die Fusion zur Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Der ÖTV-Hauptvorstand will Ende September über die Fortsetzung des Verdi-Gründungsprozesses entscheiden. Ende November stimmen die ÖTV-Mitglieder auf einem Gewerkschaftstag über Verdi ab.

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