Off-Road-Boom ist ungebrochen
Porsche-Geländewagen jagt Mercedes und BMW Kunden ab

In Deutschland werden auch in diesem Jahr weniger Autos verkauft, doch Geländewagen boomen. "Jedes 20. Fahrzeug, das in Deutschland zugelassen wird, ist inzwischen ein Geländewagen", stellt das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg fest. Der Marktanteil stieg laut der Flensburger Zulassungsstatistik von 3,5 auf 4,5 %.

HB STUTTGART. Die Marktforscher von R-L. in Essen rechnen damit, dass der Trend zu höher gelegten Fahrzeugen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Westeuropa und Nordamerika, anhalten wird. "Geländewagen suggerieren mehr Sicherheit und bieten mehr Platz im Innenraum als ein normaler Pkw", begründen die Marktforscher den Trend zum Freizeitfahrzeug.

Trotz der weltweit guten Perspektiven wird für die Hersteller der Geländewagen das Geschäft härter. Immer mehr Konkurrenten drängen drängen in dieses Wachstumssegment. "Der Wettbewerb hat sich verschärft", klagen Mercedes und BMW. Sie verlieren derzeit Kunden vor allem an Porsches neuen Geländewagen Cayenne, an den Touareg von Volkswagen und an den XC 90 von Volvo.

Konkurrenten nehmen die Kunden weg

Die Konkurrenten nehmen der Mercedes M-Klasse, die am Ende ihres Modellzyklus angekommen ist, massiv Kunden weg. Von Januar bis April sind die Verkaufszahlen in Westeuropa und USA um etwa ein Viertel eingebrochen. Der Marktanteil in Deutschland fiel binnen Jahresfrist von 20,4 auf 11,7 %. Bei Daimler-Chrysler wird der Rückgang zurückhaltend kommentiert: "Mercedes hat das Segment der luxuriösen Geländewagen begründet und ist der Marktführer", sagt eine Konzernsprecherin.

Auch der Münchner Konkurrent BMW muss bei seinem Geländewagen X5 Einbrüche einstecken. Bislang hat der Konzern in diesem Jahr 13 % weniger Geländewagen verkauft. Vor allem in den USA verliert BMW Kunden. In Westeuropa und in Deutschland steigen die Verkaufszahlen, allerdings sank der Marktanteil in Deutschland binnen Jahresfrist von 11 auf 9,5 %. Dafür kommt der Touareg von VW schon auf einen Marktanteil von 5 %, Volvo mit dem XC 90 auf 2,4 % und der PS-starke Cayenne von Porsche auf 2,7 %. Das Spitzenmodell, der Cayenne Turbo, kostet rund 100 000 Euro.

Immer mehr Hersteller drängeln sich

Die Autoindustrie wird den Wettbewerb mit weiteren Geländewagen-Modellen einheizen. "Dabei drängen immer mehr Hersteller in den Premiumbereich", heißt es bei BMW. Audi bringt Anfang 2005 den Geländewagen Pikes Peak auf den Markt. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen befürchtet, dass dieses Auto vor allem dem Cayenne gefährlich werden könnte, da der Audi einen leistungsstarken Dieselmotor haben soll.

Doch auch BMW und Mercedes rüsten auf: Schon Anfang 2004 kommt BMW mit dem X3, einer preiswerteren Version zum X5. Eine Modellauffrischung in diesem Herbst soll den schleppenden Verkauf des X5 ankurbeln. Mercedes muss mit der lahmenden M-Klasse noch bis Herbst 2005 durchhalten. Erst dann kommt der Nachfolger, aus dem aber eine richtige Modell-Familie werden soll. Den Cayenne im Blick, will Mercedes an einer luxuriösen Ausstattung nicht sparen, ist bei Daimler zu hören.

Neuling Porsche ohne Dieselmotor

Zwei Modelle des Cayenne hat Porsche zur Zeit auf dem Markt. Der Cayenne S mit 340 PS ist für knapp 60 000 Euro zu haben, der Cayenne Turbo kostet rund 100 000 Euro und schöpft seine Kraft aus einem 450 PS-starken Triebwerk. Diese Varianten zielen vor allem auf US-Kunden.

Verhängnisvoll könnte dem Sportwagenhersteller dennoch in Westeuropa werden, dass ihm im Gegensatz zur Konkurrenz ein Dieselmotor fehlt. Dieselmotoren machen machen Geländewagen attraktiv, weil sie mehr Drehmoment entwickeln und somit Steigungen besser bewältigen.

Gerüchte wollen wissen, dass Porsche sich bei seinem Geländewagen-Partner Volkswagen und dessen Tochter Audi umhört, um dort notfalls einen Dieselmotor zuzukaufen. Ein heikles Unterfangen: Ein VW-Motor könnte dem Image des Cayenne schaden.

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