Offenbar Änderung im Vorstand geplant
Saban-Angebot für Pro-Sieben-Aktionäre läuft

Ab Donnerstag gilt das Pflichtangebot des neuen Pro-Sieben-Sat1-Eigners Haim Saban an die freien Aktionäre. Wie erwartet wird nur der gesetzliche Mindestpreis gezahlt. Der US-Milliardär will zudem den Vorstand von Deutschlands größtem TV-Konzern überprüfen und wahrscheinlich ändern.

HB FRANKFURT. In der am Donnerstag im Internet veröffentlichten Unterlage zum Pflichtangebot an die Pro Sieben Sat1-Aktionäre heißt es: "Der Bieter prüft derzeit die Größe und die Zusammensetzung des Vorstands vor dem Hintergrund des Geschäftsplans der Pro Sieben Sat1 und hält Änderungen für wahrscheinlich." Vorstandschef Urs Rohner und Finanzvorstand Lothar Lanz sind damit aber wohl nicht gemeint. An anderer Stelle heißt es nämlich in der Unterlage, um sich die Mitwirkung Rohners als Vorstandschef zu sichern, sei sein Vertrag bis Ende 2006 verlängert und seine Grundvergütung um ein Drittel erhöht worden. Die Vergütung von Lanz soll um ein Fünftel steigen.

Weitere Vorstandsmitglieder sind TV-Vorstand Ludwig Bauer, Jürgen Doetz, zuständig für Medienpolitik und Regulierung, Nachrichten-Vorstand Claus Larass und der erst im September von Saban in das Gremium berufene Guillaume De Posch, zuvor Manager des französischen PayTV-Anbieters TPS. Eine Sprecherin Sabans wollte sich zu möglichen Änderungen im Vorstand nicht äußern.

Wie erwartet bietet Saban den Vorzugsaktionären von Pro Sieben Sat1 nur den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreis von 6,00 ? je Aktie. Das Abfindungsangebot, zu dem Saban nach der Übernahme der Kontrolle bei Pro Sieben Sat1 im Sommer gesetzlich verpflichtet ist, ist damit praktisch irrelevant. Am Donnerstagmorgen notierten die im MDax gelisteten Vorzugsaktien zwar mehr als zwei Prozent im Minus, aber immer noch bei 11,58 ?, so dass die Aktionäre keinen Anreiz haben, Sabans Angebot anzunehmen. Die Angebotsfrist läuft bis zum 14. November.

Für die restlichen stimmberechtigten Stammaktien, die sich in Besitz der insolventen Mediengesellschaft KirchMedia und dem Verlag Axel Springer befinden, bietet Saban 8,00 ?. Für den Erwerb von 72 % der Stammaktien, mit dem der in Ägypten geborene Medienunternehmer im Sommer die Kontrolle über die Senderfamilie übernahm, hatte Saban 7,50 ? je Aktie gezahlt, im Rahmen einer Call-Option aber einen Preis von 8,00 ? angeboten.

Aus kartellrechtlichen Gründen hatte Saban zunächst alleine die Kontrolle über Pro Sieben Sat1 übernommen, unterstützt durch Darlehen von sechs US-Beteiligungshäusern. Diese Darlehen werden nun wie angekündigt in Eigenkapital umgewandelt. An der Gesellschaft P7S1 Holding LP, die die 72 % der Pro Sieben Sat1-Stammaktien hält, wird Saban den Angaben zufolge damit zukünftig nur mit 24,9 % beteiligt sein. Jeweils 18,87 % halten dann die Private-Equity-Häuser Bain Capital, Hellman & Friedman und Thomas H. Lee, 11,32 % die Investmentfonds von Providence Equity Partners und 1,13 % Alpine Equity Partners. Die Umwandlung erfolge in den nächsten Wochen, sagte eine Sprecherin. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hatte die Anteilsänderung am Dienstag bereits genehmigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%