Offenbar Bereitschaft für Gespräche
Streit um Petersilien-Insel hält an

Auch nach dem spanischen Überraschungsvorstoß auf die vor Marokkos Küste liegende unbewohnte Felseninsel Perejil hält die Spannung weiter an.

Reuters BEL YOUNECH. Zwar haben beide Länder, Spanien und Marokko, inzwischen versichert, den Streit um die von beiden beanspruchte kleine Insel friedlich und im Dialog lösen zu wollen. Doch zeichnete sich bis zum Donnerstag noch keine abschließende Lösung ab. Spanien argwöhnt, statt auf die 300 mal 500 Meter große Petersilien-Insel könnten es die Marokkaner in Wirklichkeit auf Ceuta und Melilla abgesehen haben, etwas bedeutsamere spanische Territorien an der Küste von Nordafrika.

Vor Einbruch der Dunkelheit am Mittwoch wurden spanische Soldaten auf der Insel, die bei den Marokkanern Leila und bei den Spaniern Petersilien-Insel heißt, beim Aufschichten von Steinwällen beobachtet. Unterstützt von Hubschraubern von einem ihrer Kriegsschiffe stellten sie außerdem auf der Insel einen Funkmast auf, anscheinend aber auch ein Flugabwehrgeschütz.

Spanische Soldaten hatten die winzige Insel in der Nacht zum Mittwoch im Handstreich geentert und die dort angeblich zur Bekämpfung des Schlepper-Unwesens und des internationalen Terrorismus postierten sechs marokkanischen Soldaten festgenommen und abgeführt. Die Regierung in Rabat hatte nach dem Vorstoß der Spanier erklärt, das Vorgehen komme einer Kriegserklärung gleich. Zugleich hatte Marokko aber versichert, die Tür für Verhandlungen bleibe weiter offen.

Spaniens Außenministerin Ana Palacio erklärte in Madrid, es sei aus Selbstverteidigung gehandelt worden. Die Streitkräfte würden erst wieder von Perejil abziehen, wenn eine klare Garantie aus Marokko vorliege, dass dessen Regierung den Status der Insel respektiere, so wie er vor dem Übersetzen von ursprünglich zwölf marokkanischen Soldaten am vergangenen Donnerstag gegolten habe.

Geschossen wurde in dem Konflikt bisher nicht. Die einzige Kampfhandlung begingen am Mittwoch rund 300 marokkanische Demonstranten, die mit Steinen und allerlei Unrat nach den spanischen Fregatten warfen, die in unmittelbarer Nähe der Insel ankerten. Vor Einbruch der Dunkelheit knickten dann spanische Soldaten auf dem Eiland die dort von der marokkanischen Truppe aufgesteckten Fahnen von Marokko um.

Die Arabische Liga rief Spanien zum Truppenabzug auf. Die USA forderten Wiederherstellung des früheren Zustands. Die EU hielt sich mit Unterstützung des Mitglieds Spanien am Mittwoch deutlich zurück. EU-Kommissionspräsident Romano Prodi äußerte sich besorgt über die Ereignisse um Perejil und rief zur Rückkehr zum Dialog auf.

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