Offenbar kein akutes Herzleiden diagnostiziert
Milosevic wieder zurück ins Zentralgefängnis

Der ehemalige jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic ist Augenzeugenberichten zufolge nach zweitägigen Klinikaufenthalt am Freitag wieder ins Belgrader Zentralgefängnis zurückgebracht worden. Ein Fernseh-Team beobachtete am Freitag, wie die schwarze, von einer Polizeieskorte begleitete Limousine vor dem Gefängnis vorfuhr.

Reuters BELGRAD. Aus Justizkreisen verlautete später, die "Riegel seien wieder eingeschnappt". Dabei blieb offen, ob Milosevic in seine Zelle, oder ins Gefängniskrankenhaus zurückgebracht wurde.

Mit dem gleichen Auto war Milosevic am Mittwoch wegen angeblicher Herzbeschwerden ins Militär-Krankenhaus der Stadt eingeliefert worden. Aus Kreisen des Krankenhauses verlautete, das Ärzteteam sei nach umfangreichen Untersuchungen zu dem Ergebnis gekommen, dass der Politiker in die Haft zurück könne, denn es kein akutes Herzproblem diagnostiziert worden. Aus dem Militärkrankenhaus sei einiges Gerät ausgeliehen worden, um es für alle Fälle parat zu haben, hieß es weiter. Die jugoslawische Nachrichtenagentur Tanjug zitierte Justizminister Vladan Batic, die Ärzte, die den Herzkranzgefäßtest an Milosevic vorgenommen hätten, hätten lediglich erhöhten Blutdruck festgestellt. Milosevic selbst soll sich über Schmerzen im Brustbereich beklagt haben. Ärzte im Militärkrankenhaus berichteten, die Erledigung des Abschlussberichts habe Stunden gedauert, weil Milosevic verlangt habe, jeder der an der Untersuchung beteiligten Mediziner müsse das Protokoll eigenhändig unterschreiben. Milosevic habe auch angedeutet, er würde lieber im Krankenhaus bleiben.

Einer am Freitag veröffentlichten Umfrage zufolge sind 59 Prozent der Serben der Meinung, dass Milosevic im eigenen Land der Prozess gemacht werden soll. Elf Prozent lehnten eine Auslieferung des Ex-Präsidenten an das Kriegsverbrechertribunal der UNO in Den Haag ab. Das Tribunal wirft Milosevic schwere Menschenrechtsverstöße im Kosovo-Krieg 1999 vor. In Jugoslawien soll ihm nun zunächst der Prozess wegen Amtsmissbrauchs und Korruption gemacht werden. Die jugoslawische Regierung sperrt sich gegen eine Auslieferung nach Den Haag. Milosevic war am 1. April in seiner Residenz in Belgrad festgenommen und danach in Untersuchungshaft genommen worden.

20 Prozent der befragten Serben sind der Umfrage zufolge der Meinung, dass Milosevic nicht ins Gefängnis gehöre. Auf die Frage, welcher Vergehen sich Milosevic schuldig gemacht habe, antworteten 40 Prozent mit "Machtmissbrauch". 18 Prozent gaben den Verlust serbischen Landes in Kroatien und Kosovo an. Weitere 18 Prozent sagten, Milosevic habe sich überhaupt keiner Vergehen schuldig gemacht. Für die Umfrage wurden 896 Personen zwischen dem 5. und 9. April befragt.

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