Offenbar Unfall
Toulouse: Mindestens 18 Tote nach Explosion einer Fabrik

Eine gewaltige Explosion in einer Chemiefabrik des Total-Fina-Elf-Konzerns hat am Freitag in Toulouse 17 Menschen in den Tod gerissen. Das teilten die Behörden am Abend mit. Rund 250 Personen erlitten Verletzungen.

ap TOULOUSE. Rund 200 Personen wurden verletzt, 50 von ihnen schwer. Die Druckwelle war so stark, das noch im vier Kilometer entfernten Stadtzentrum die Scheiben zerbarsten. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac erklärte nach einem Besuch an der Unglücksstelle, alles deute auf einen Unfall hin.

Viele Bewohner hatten zunächst einen Terroranschlag vermutet und versucht, die südwestfranzösische Großstadt fluchtartig zu verlassen. Die von einer Ammoniakwolke aus der Fabrik ausgehende Gefahr war etwa vier Stunden nach dem Unglück, das sich gegen 10.15 Uhr ereignete, unter Kontrolle, wie die Feuerwehr berichtete.

Messungen wiesen keine hochgiftigen Stoffe in der Luft nach. Chirac erklärte am Rande des EU-Sondergipfels in Brüssel, nach derzeitigem Ermittlungsstand handele es sich um einen Unfall. Endgültige Sicherheit gebe es aber noch nicht. Der Rundfunksender France-Info berichtete von einem Bedienungsfehler, der eine erste Explosion und dann eine Art Kettenreaktion ausgelöst habe. Ein Augenzeuge sagte, es habe zunächst eine kleine und anschließend eine große Explosion gegeben.

Die ganze Fabrik flog regelrecht in die Luft. Der Fernsehsender France-2 berichtete, die Detonation habe einen fünf Meter tiefen und 50 Meter breiten Krater gerissen. Das Geophysikalische Institut Straßburg teilte mit, die Explosion habe einem Beben der Stärke 3,2 auf der Richterskala entsprochen.

Die Chemieanlage, wo nach Unternehmensangaben 460 Menschen arbeiten, ist von den französischen Behörden in die "Seveso-2"-Kategorie eingestuft. Anwohner und Umweltschützer wehren sich nach Medienberichten seit Jahren gegen die Chemiefabrik mitten in einem Ballungszentrum. Präsident Chirac erklärte, aus diesem Drama müssten Konsequenzen gezogen werden. Vor Chirac hatte sich bereits Premierminister Lionel Jospin vor Ort ein Bild von der Lage gemacht.

Ausnahmezustand: "Wir haben alle an eine Bombe geglaubt"

In Toulouse, Sitz der französischen Luft- und Raumfahrtindustrie, herrschte der Ausnahmezustand. Die U-Bahn und zahlreiche Gebäude wurden evakuiert, der Flughafen und einige Zufahrtsstraßen geschlossen. Auf den Ausfallstraßen bildeten sich lange Staus.

Unmittelbar nach dem Unfall herrschte große Konfusion in der Stadt, der Fernsehsender France-2 sprach von Panik. Zunächst war von mehreren Explosionen die Rede gewesen. "Wir haben alle an eine Bombe geglaubt", sagte der Fernfahrer Guy Physsens, der die Explosion in rund 300 Meter Entfernung erlebte. "Wir haben alle geglaubt, dass es bei uns passiert ist", erzählte Bürgermeister Philippe Douste-Blazy von den Folgen der enormen Schockwelle im Zentrum. "Wir dachten, ein Flugzeug sei explodiert", sagte Sandra Muller, die etwa 15 Kilometer von der Fabrik entfernt wohnt. "Alle Häuser haben gewackelt."

Die Stadtautobahn in der Nähe des Unglücksortes war von dichtem Staub und Betonteilen bedeckt. France-3 zeigte Bilder von mehreren zerstörten Autos, einige Fahrer hatten Schnittwunden im Gesicht. Die Düngemittelfabrik AZF, die zum Ölmulti TotalFinaElf gehört, liegt in der Nähe einer Anlage, in der Treibstoff für die europäische Rakete Ariane hergestellt wird.

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