Offene Immobilienfonds werden noch interessanter
Auslandsengagement spart Steuern

Das 4.Finanzmarktförderungsgesetz (FMFG) eröffnet den Offenen Immobilienfonds neue Anlagemöglichkeiten im Ausland und senkt damit deren Liquiditätsquoten. Für Anleger dürfte dies zusätzliche Steuervorteile haben: Sie profitieren von den im Ausland zumeist niedrigeren Steuersätzen.

HB FRANKFURT/M. Renten-, Geldmarkt- und Offene Immobilienfonds sind in unsicheren Börsenzeiten die Renner. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben die Produkte, die den Investoren sichere Erträge bei geringem Risiko bieten, laut dem Fondsverband BVI 18,1 Mrd. Euro an Nettomitteln eingesammelt - während Aktienfonds nur auf 4,2 Mrd. Euro kamen.

Beim Kauf eines solchen "sicheren" Produkts sollten Anleger darauf achten, dass nach Steuern noch etwas von den Erträgen übrig bleibt. So sind beispielsweise die Erträge von Rentenfonds voll steuerpflichtig. Besser bedient sind langfristig orientierte Investoren mit Offenen Immobilienfonds: Diese haben zwar meist Ausgabeaufschläge von 5 % und mehr - in der Regel sind ihre Ausschüttungen aber zu 40 bis 50 % steuerfrei, es gibt sogar Fonds mit fast 80 %. Und in Zukunft könnten diese Anteile aufgrund des am 1. Juli in Kraft getretenen 4.FMFG noch steigen.

"Dies wird wohl so sein, da viele Fonds ihre Gelder in Zukunft stärker im Ausland anlegen", sagt Gernot Archner, Experte für Recht und Steuern beim Fondsverband BVI. Der Kauf von Immobilien außerhalb Deutschlands hat einen großen Vorteil: "Die ausländischen Steuersätze sind in der Regel niedriger als in Deutschland. Und je höher der Anteil ausländischer Immobilien, die in Ländern mit niedrigeren Steuersätzen als in Deutschland liegen, desto höher auch der steuerliche Vorteil für den Anleger", sagt Helmut Ullrich, Managing Director bei Deutsche Bank Real Estate. Wenn die Erträge bereits im Ausland versteuert wurden, sind sie in Deutschland steuerfrei - sofern mit dem jeweiligen Land ein Doppelbesteuerungsabkommen besteht.

Schon bisher nutzten die Fonds diese Möglichkeiten, und nun erweitert sie das 4. FMFG deutlich. Seine wohl wichtigste Neuregelung ist, dass die Offenen Immobilienfonds ihre Gelder nun unbegrenzt außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) anlegen dürfen. Seither war dies nur für 20 % der Mittel erlaubt. Zum EWR zählen neben den 15 Ländern der Europäischen Union die Staaten Norwegen, Island und Liechtenstein. Durch die liberalere Gesetzgebung dürften die teilweise hohen Liquiditätsquoten der Offenen Immobilienfonds sinken - die Fondsgesellschaften haben es nun leichter, Immobilien zu finden und können ihre hohen Barbestände abbauen. Letztere hatten die steuerfreie Quote vieler Fonds geschmälert: Denn Erträge aus liquiden Mitteln sind steuerpflichtig.

Am 1. Juli ist das 4. FMFG in Kraft getreten, momentan verständigt sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) mit dem BVI über die Mustervertragsbedingungen für die Fonds. "Die Gespräche sind auf einem guten Weg", sagt Archner. Derweil stehen viele Investmentgesellschaften mit neuen Offenen Immobilienfonds in den Startlöchern - diese sollen die gewonnenen Anlagefreiheiten in steuerfreie Rendite umwandeln. Die zur Sparkassenorganisation gehörende Deka-Immobilien will bereits zum 1. Oktober mit einem neuen Fonds auf den Markt kommen. Unter anderem planen auch die Deutsche Grundbesitz, Commerz Grundbesitz sowie die zum genossenschaftlichen Banksektor gehörende Difa neue Produkte.

Die Ausschüttungen der bei der Wertentwicklung vorne liegenden Offenen Immobilienfonds (s. Tabelle) waren nach Angaben der Fondsgesellschaften schon vor dem 4. FMFG zu großen Teilen für Privatanleger steuerfrei: Beim WestInvest InterSelect waren es zum 31. März dieses Jahres 72 %, beim WestInvest 1 45 %. Der Haus-Invest von Commerz Grundbesitz kam auf 77,8 %.

Quelle: Handelsblatt

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