Offenlegung für Rating
Gretchenfrage Unternehmensnachfolge

Wenn es ums Geld geht, sind auch Eigentümerunternehmer kritische Fragen der Kreditinstitute gewohnt. Dennoch macht sie das Rating unsicher, das künftig jeder Kreditvergabe vorangehen soll.

HB DÜSSELDORF. Folgende Fragen bewegen derzeit viele Unternehmer: Was wird beim Rating auf mich zukommen? In welche Bewertungsklasse werde ich eingeordnet? Wie sehen künftig meine Kreditlinien und Kreditkonditionen aus?

Angesichts der hinter den Fragen steckenden Sorgen vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen versuchen private Banken, Sparkassen, Volksbanken sowie spezialisierte Ratingagenturen mit beredten Worten, dem Mittelstand das Rating als "Chance" darzustellen. "Risiken erkennen - Potenziale nutzen", werben die Volksbanken. Stärken und Schwächen zu ermitteln, schafft nach Ansicht der Sparkassen die Möglichkeit, "die finanzielle Situation eines Unternehmens gezielt zu verbessern".

Auch für den DIHK, die Spitzenorganisation der Industrie- und Handelskammern, stellt "ein Rating ein interessantes Instrument für mittelständische Unternehmen dar; denn es kann helfen, die Finanzierungskosten zu senken und neue Finanzierungsquellen zu erschließen". Darüber hinaus könne ein Rating helfen, das Unternehmensimage gegenüber Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern zu verbessern.

Ratingagenturen versuchen, den Unternehmen ihr externes Rating - im Gegensatz zum internen Rating der Kreditinstitute - schmackhaft zu machen. Sie werben mit ihrer Unabhängigkeit sowie damit, dass externe Ratings möglicherweise die Fremdmittelbeschaffung erleichtern: Ein Wechsel der Bank sei einfacher, zudem könnten Fremdmittel über den Kapitalmarkt, so über Anleihen, beschafft werden.

Da Anleihevolumina in der Regel bei etwa 5 Mill. Euro beginnen, ist diese Finanzierungsform aber allenfalls für große Unternehmen interessant. Sie profitieren im Zweifel auch von der besseren internationalen Vergleichbarkeit eines externen Ratings. Zudem verkraften sie leichter die Kosten. Diese liegen, je nach Größe des zu beurteilenden Unternehmens, zwischen etwa 10 000 und 50 000 Euro. Für kleinere Firmen sind solche dann jährlich anfallende Belastungen schwer zu tragen. Hinzu kommt, dass das Kredit gebende Institut im Zweifelsfalle trotz des externen Ratings nicht auf ein eigenes verzichten wird.

Ratingmodelle unterscheiden sich nur wenig


Gleichgültig aber, ob extern oder intern, ob private Bank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank: Im Prinzip unterscheiden sich die vorliegenden Ratingmodelle wenig. Unterschiede gibt es eher bei Gewichtungen und Bewertungen. Die Spitzenorganisationen des Kreditgewerbes sind sich aber einig, dass sich die Ratingverfahren in den nächsten Jahren durch die in der Praxis gewonnenen Erkenntnisse weiterentwickeln werden. Deshalb haben die Verbände mit den zu ihnen gehörenden Instituten einen Erfahrungsaustausch in Sachen Rating vereinbart.

Alle Ratingmodelle untersuchen quantitative und qualitative Faktoren. Erstere sind vor allem Kennzahlen, die aus den Jahresabschlüssen der letzten drei Jahre entnommen werden: Beispielsweise Kapitalstruktur, Liquidität, Vermögensstruktur, Ertragslage/Rentabilität, Produktivität sowie die dynamischen Kennzahlen des Unternehmens. Unter Umständen werden ins Rating auch die privaten Vermögensverhältnisse des Eigentümerunternehmers einbezogen.

Die qualitativen Komponenten umfassen Fragen zum Jahresabschluss, zur betriebswirtschaftlichen Auswertung, zur Unternehmensführung und-strategie, zum Management einschließlich der Personalführung, Markt, Produktion und die Wertschöpfungskette, zu Planung, Controlling und Rechnungswesen. Aber auch die Kontoführung und das Informationsverhalten, sprich die Offenheit des Managements gegenüber dem Kreditinstitut, interessieren.

Die Gretchenfrage für Unternehmer, die das 50. Lebensjahr überschritten haben, lautet: Ist die Unternehmensnachfolge geregelt? Bei diesem Thema sind die Banken knallhart mit dem Argument: "Eine verspätete und damit überstürzte Nachfolgeregelung gefährdet den Bestand jeder Firma."

Insgesamt etwa ein halbes Hundert Fragen umfasst der Katalog, den die Kreditsachbearbeiter beim Rating künftig beantworten müssen, einen Großteil aus eigener Kenntnis, andere im Gespräch mit dem Management oder auch durch Auskünfte bei der Schufa, die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung.

Plausibilität der Unternehmensstrategie


Selbst beurteilen müssen die Mitarbeiter der Kreditinstitute - teilweise auf einer Notenskala von eins bis sechs - die Plausibilität der Unternehmensstrategie, das Unternehmenssteuerungskonzept, das Produktsortiment, den Auftragsbestand, die Kapazitätsauslastung, die Markt- und Konkurrenzsituation. Eine Frage lautet: Sind die wesentlichen Umsatzträger auf einem wachsenden oder schrumpfenden Markt?

Zu beurteilen ist außerdem die fachliche Qualifikation des Managements, die Organisation und das Qualitätsmanagement, die Personalzufriedenheit und das Risiko-Früherkennungskonzept. Doch auch Fragen nach den Einkaufskonditionen, die Qualität der Lieferanten, die Innovationsgeschwindigkeit, die Effektivität von Forschung und Entwicklung oder nach den politisch-rechtlichen Risiken und die Abhängigkeit von gesellschaftlichen Trends sind zu beantworten.

Im Rahmen des Ratings sollen die jeweiligen betrieblichen Besonderheiten berücksichtigt werden. Dazu gehören Unternehmensgröße, Branchenzugehörigkeit und Angebotsstruktur. Ein Billiganbieter benötigt keine Forschung und Entwicklung. Für ein Technologieunternehmen sind solche Aktivitäten dagegen unverzichtbar.

In den Spitzenverbänden des Kreditgewerbes ist man sich darüber im Klaren, dass der Fragenkatalog viele Kreditsachbearbeiter überfordern könnte. Deshalb sollen vor allem die sachkundigen bisherigen Betreuer der jeweiligen Kreditnehmer das Rating übernehmen. Zusätzlich will man die Mitarbeiter intensiv schulen.

Alle Bewertungen werden vollständig dokumentiert und intern überprüft. Dabei sollen Widersprüche und zu wohlwollende oder auch zu kritische Urteile erkannt werden. Außerdem soll sichergestellt sein, dass die Auswirkung der besonders weichen Faktoren nicht größer als eine Bewertungsklasse nach unten oder oben ist.

Das Ergebnis des Ratings, für das in der Regel keine gesonderten Gebühren erhoben werden, erfährt der Kunde in einem Gespräch, in dem "auf Schwachstellen und Stärken auch im Vergleich zu anderen Kunden" hingewiesen werden soll. Wie sich einzelne Faktoren auf die Bewertung auswirken, werden die Kreditinstitute vermutlich nicht offen legen.

Das Kreditgewerbe geht davon aus, dass spätestens nach zwölf Monaten wieder ein Rating erfolgt. Bei einer "signifikanten Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation des Kunden", erkennbar durch Kreditüberziehung oder "kritische Meldungen in der Presse", kann sich der Zeitraum auf drei Monate verkürzen.

Ein schlechteres Folgerating bedeutet aber nicht unbedingt, dass sich die Konditionen eines laufenden Kredits verschlechtern, da in jeder Bewertungsgruppe eine bestimmte Ausfallrate kalkuliert ist. Bei neuen Krediten allerdings wirkt sich die Neubewertung aus.

Quelle: Handelsblatt

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