Offenmarktausschuss der Fed tritt Ende Januar zusammen
US-Daten heizen Spekulationen über Zinssenkung an

Eine weiter niedrige Inflation und anhaltend schwache Produktion in den USA haben am Mittwoch Analysten zufolge den Spekulationen auf eine baldige weitere Leitzinssenkung neue Nahrung geliefert. Zudem berichtete die US-Notenbank (Fed) in ihrem Konjunkturbericht "Beige Book" von einer weiter schwachen Konjunkturentwicklung im Zeitraum von Ende November bis zum 9. Januar. Der Bericht dient der Fed bei ihrem Treffen Ende Januar als wichtige Grundlage für ihre Zinsentscheidung.

Reuters WASHINGTON. Zuvor hatte das US-Arbeitsministerium mitgeteilt, die US-Verbraucherpreise seien im Dezember wegen sinkender Energiekosten überraschend zum Vormonat um 0,2 % gefallen nach einem unveränderten Stand im November. Zugleich schrumpften Produktion und Kapazitätsauslastung der Industrie.

Nach dem von der Federal Reserve Bank in Dallas erstellten Beige Book über die wirtschaftliche Entwicklung in den USA sind zwar vereinzelte Signale einer Belebung sichtbar geworden, doch ist der Konjunkturverlauf insgesamt weiter schwach geblieben. "Während es noch Anzeichen für Vorsicht gibt, sind vereinzelte Signale einer konjunkturellen Belebung erkennbar", hieß es im Beige Book. Zahlreiche Wirtschaftskontakte der Fed rechneten ab Jahresmitte oder früher mit einer Erholung der Konjunktur. Auch zahlreiche Fed-Gouverneure äußerten sich am Mittwoch zuversichtlich über ein rasches Ende der Rezession. Der Arbeitsmarkt sei schwach geblieben, wobei oft über sinkende Löhne und Bonuszahlungen berichtet worden sei, hieß es im Beige Book weiter. Die meisten der zwölf Fed-Distrikte erwarteten zudem sinkende Preise für die Mehrzahl der Waren und Dienstleistungen.

Die anhaltend niedrige Teuerung bei schwacher Produktion hat Analysten zufolge die Spekulation der Finanzmärkte über weitere Zinssenkungen der US-Notenbank Fed angeheizt. "Ich bin fest davon überzeugt, dass die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird", sagte Kurt Karl, Volkswirt beim Versicherungskonzern Swiss Re in New York. Der die Geldpolitik der Fed bestimmende Offenmarktausschuss (FOMC) kommt am 29. und 30. Januar zu seinem nächsten Zinstreffen zusammen. Die meisten Experten rechnen damit, dass die Fed dann die Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte senken wird. Im vergangenen Jahr hat die US-Notenbank ihren maßgeblichen Zielsatz für Tagesgeld in elf Schritten um insgesamt 4,75 %punkte auf 1,75 % reduziert, um der größten Volkswirtschaft der Welt wieder einen Schub zu verleihen.



Nach Angaben des Handelsministeriums stiegen die US-Verbraucherpreise im Dezember in der Kernrate - ohne die schwankungsanfälligen Preise für Nahrungsmittel und Energie - wie von Analysten erwartet um 0,1 (Vormonat 0,4) Prozent. Im Gesamtjahr 2001 seien die Preise damit um 1,6 % gestiegen. Dies sei die niedrigste Teuerung seit 1998, als die Inflation ebenfalls 1,6 % betragen hatte. In der Kernrate seien die Preise im vergangenen Jahr um 2,7 % gestiegen.

Volkswirte hatten die Verbraucherpreise im Dezember zum November unverändert erwartet. Analyst Karl sagte dazu: "Es gibt keine Inflationsängste, das wurde heute bestätigt". Sein Kollege beim Haus Ecobest, Robert Brusca, fügte hinzu: "Die Inflation ist unter Kontrolle, das entspricht weitgehend unseren Erwartungen".

Nach Berechnungen der Fed ist die Produktion der US-Industrie im Dezember überraschend im fünften Monat hintereinander rückläufig gewesen und zwar um 0,1 % nach einem Minus um 0,4 % im November. Auch die Auslastung der Kapazitäten der Fabriken, Versorgungs- und Bergbauunternehmen habe weiter auf 74,4 von 74,5 % im Vormonat abgenommen. Im Gesamtjahr 2001 sei die Erzeugung um 3,9 % gesunken nach einer Steigerung um 4,5 % im Vorjahr. Dies sei der stärkste Rückgang seit 1982 mit einem Minus von damals 5,4 %. Die Kapazitätsauslastung sei 2001 mit 76,8 (81,8) Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1983 mit damals 75,7 % gesunken.

Volkswirte hatten die Industrieproduktion im Dezember unverändert und eine Kapazitätsauslastung von 74,6 % erwartet. Analysten wiesen jedoch darauf hin, dass die Produktionsstatistik der Fed auch Signale für wirtschaftliche Stärke enthalte. So sei die Autoproduktion im zweiten Monat in Folge auf eine Jahresrate von 12,33 Mill. Fahrzeuge gestiegen. Auch die Erzeugung der Hochtechnologieunternehmen - Computer, Telekommunikationsausrüstungen und Halbleiter - sei um 0,3 % gewachsen. "Im zweiten Monat hintereinander ist die Produktion durch eine steigende Produktion der Autoindustrie unterstützt worden, weil die Hersteller versuchen, ihre Lager wieder aufzufüllen", sagte Ian Shepherdson, Volkswirt beim Haus High Frequency Economics.

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