Offensiv und ausgeglichen wie nie
Die WM als große Wundertüte

Die Stars sind müde, die Favoriten schon zu Hause: Die erste Weltmeisterschaft in Asien bietet in allen Belangen ein Kontrastprogramm zu früheren Fußball-Großereignissen. Doch der Unterhaltungswert hat unter dem Aufstand der Underdogs nicht gelitten. Ganz im Gegenteil.

dpa YOKOHAMA/JAPAN. Die Vorrunde in Südkorea und Japan bot in den meisten Fällen erfrischenden Offensivfußball mit beachtlich hohem Tempo und in einem - nach anfänglichen Ticketproblemen - würdigen Ambiente.

Vor allem aber waren die ersten 48 von 64 Begegnungen ein Plädoyer für das Kollektiv: Der Star ist die Mannschaft. Erfolgreich waren nicht die Teams mit klangvollen Namen wie Zidane, Veron und Figo, sondern die mit der besten Organisation. Und mit Ausnahme von Saudi- Arabien und China, die ohne Punkt und Torerfolg nach Hause reisen mussten, präsentierten sich in dieser Hinsicht alle Teams konkurrenzfähig.

"Ich hoffe, dass jetzt auch der Letzte verstanden hat, dass es die kleinen Länder nicht mehr gibt. Die Zeiten sind vorbei, dass man sagen konnte, die WM beginnt erst nach der Vorrunde", zog DFB - Teamchef Rudi Völler am Freitag eine Zwischenbilanz. "Jeder kann jeden schlagen", pflichtete ihm Franz Beckenbauer bei und zog nach dem frühen Aus seiner Endspiel-Favoriten Frankreich und Argentinien die Konsequenz: "Nachdem ich mit meinen Tipps völlig falsch gelegen habe, gebe ich keine mehr ab."

WM-Debütant Senegal schaffte es auf Anhieb ins Achtelfinale, mit den Gastgeberländern stehen erstmals zwei asiatische Teams in der zweiten Runde: Das größte Sportereignis der Welt präsentierte sich bislang als schöne Wundertüte, die Hackordnung aber bleibt bestehen. "Europa hat seine Vormachtstellung behauptet", urteilte Beckenbauer. Allerdings schafften nur neun Teams aus dem alten Kontinent den Sprung ins Achtelfinale, eines weniger als bei den drei voran gegangenen Weltmeisterschaften.

Der groß angekündigte Angriff des schwarzen Kontinents blieb aus, von fünf Hoffnungsträgern aus Afrika überstand nur Senegal die Vorrunde. Und auch Südamerika, vor vier Jahren in Frankreich mit vier Teams in der zweiten Runde, verlor an Boden. Lediglich Paraguay und der neue Turnierfavorit Brasilien setzten sich durch. Mit dem viermaligen WM-Rekordgewinner sowie Deutschland, Italien und England schafften nur vier von sieben Weltmeistern den Sprung unter die letzten 16.

Mit 130 Toren oder durchschnittlich 2,70 Treffern pro Spiel übertrafen die Stürmer die Quote von Frankreich (126/2,62) minimal. Nur zwei Spiele endeten torlos. "Ich bin sehr glücklich über das, was ich bisher gesehen habe. Die ersten Spiele haben Fußball auf dem besten und höchsten Niveau gebracht", lautete das Zwischenfazit von FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Doch nicht nur aus sportlicher Sicht ist man beim Internationalen Fußball-Verband hochzufrieden, auch organisatorisch läuft die erste Weltmeisterschaft in zwei Ländern besser als befürchtet. "Wir hatten einige Sorgen und mit mehr Problemen gerechnet. Dank Gott, es funktioniert viel besser als erwartet", sagte FIFA-Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen. Das Ticketproblem ist inzwischen gelöst, die Stadien sind voll, die Spielflächen in exzellentem Zustand. Beste Voraussetzungen also für die am Samstag beginnende K.o.-Runde.

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