Offensive dauert an
El-Kaida-Kämpfer flüchten aus den Bunkern

Mit einer großangelegten Offensive und unterstützt von massiven Luftangriffen der USA ist es den Taliban-Gegnern in Afghanistan am Montag offenbar gelungen, die Kämpfer des Radikalislamisten Osama bin Laden weiter in die Enge zu treiben. US-Vizepräsident Richard Cheney zufolge wird der Krieg gegen bin Lades El-Kaida-Gruppe aber auch dann weiter geführt, wenn bin Laden gefangen ist.

Reuters KABUL. Die US-Marines setzten am Montag Meldungen der Agentur AIP zufolge eine Militärkolonne in Richtung Kandahar in Marsch. Der künftige Chef der Übergangsregierung Afghanistans, Hamid Karsai, kündigte die Entwaffnung der verschiedenen Stammesfraktionen in der Stadt an.

Hasrat Ali, Kommandeur im Kampfgebiet, berichtete am Montag über Satelliten-Telefon, ganz Tora Bora sei unter Kontrolle der Angreifer. Die Kämpfer der El-Kaida-Organisation hätten sich aus ihren Bunkern zurückgezogen und leisteten auf den Berggipfeln zwischen Bora Bora und der Wasiri-Schlucht erbitterten Widerstand. Nach US-Darstelllung sitzt bin Laden, der von den USA für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht wird, militärisch in der Falle. NBC berichtete, rund 80 Kampfflugzeuge seien im pausenlosen Einsatz in der Region, um die Offensive der Mudschahedin zu unterstützen. Auf die vermuteten Anlagen bin Ladens sei auch eine der schwersten verfügbaren Bomben, die "Daisy Cutter" abgeworfen worden.

Auch wenn bin Laden gefangen oder tot wäre, gehe der Kampf gegen den internationalen Terrorismus weiter, kündigte US-Vizepräsident Cheney an. Zugleich bekräftigte er, er halte ein Videoband mit Aufnahmen von bin Laden für einen Beweis dafür, dass bin Laden für die Anschläge vom 11. September verantwortlich sei. Auf dem Band soll bin Laden zu sehen sein, wie er sich darüber vor dem Fernseher amüsiert, dass die Flugzeug-Entführer, die die Anschläge verübten, nicht einmal gewusst hätten, dass sie gleich sterben würden.

Eine kritische Note fügte der saudische Innenminister Prinz Najef der Bin-Laden-Diskussion hinzu, indem er erklärte, er halte Bin Laden nicht für die Spitze der El-Kaida-Organisation, und sollte er gefasst werden, werde er wohl rasch ersetzt. Nach US-Informationen ist die El Kaida in 60 Ländern aktiv. Augenzeugen wollen bin Laden noch vor wenigen Tagen in der Gegend von Tora Bora gesehen haben. Die USA wollen Bin Laden, sollte er lebend gefasst werden, vor ein Militärgericht bringen.

Suche nach Mohammed Omar geht weiter

Auch die Suche nach der Nummer Zwei im Fahndungskatalog der USA, dem geistlichen Führer der radikalislamischen Taliban, Mullah Mohammad Omar, ging weiter. Über seinen Aufenthalt gibt es widersprüchliche Aussagen. Einer Darstellung zufolge floh er vor dem Fall der letzten Hochburg, Kandahar. Andere vermuten ihn weiter in der Stadt. Mit dem Verlust der Provinz Zabul dürften die Taliban nach Einschätzung von Beobachtern ihre militärische Niederlage endgültig besiegelt haben.

En Sprecher der US-Marines bestätigte Meldungen über einen leichtgepanzerten Militärkonvoi in Richtung Kandahar, der von Hubschraubern gesichert wurde. Es gehe um die Blockade von Fluchtwegen von Taliban- und El-Kaida-Kämpfern. Ein Vorstoß in die Stadt selbst sei nicht geplant. Nach Streitigkeiten der verschiedenen paschtunischen Stammesfürsten in der Stadt kündigte der voraussichtlich ab dem 22. Dezember amtierende Interims-Regierungschef Hamid Karsai an, er plane eine umfassende Entwaffnung aller Fraktionen in Kandahar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%