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Offensive gegen Terrorismus an vielen Fronten

Drei Wochen nach den Anschlägen von New York und Washington hat US-Präsident George W. Bush noch immer nicht militärisch zugeschlagen und damit viele Amerikaner verblüfft, die mit einer schnellen Reaktionen gerechnet hatten. Doch das Ausbleiben eines sichtbaren konventionellen Militäreinsatzes sollte nicht mit Passivität verwechselt werden, sagen Politiker und Experten.

rtr WASHINGTON. In dem, was die US-Regierung eine neue Form des Krieges gegen den Terrorismus nennt, ist sie an verschiedenen Fronten in die Offensive gegangen, seit die Attentäter am 11. September fast 6000 Menschen in den Tod geschickt haben. Die ersten Ergebnisse werden inzwischen sichtbar und auch ein Militärschlag scheint bevorzustehen.

Langfristig dürfte jedoch die geheimdienstliche Aufklärung ein viel wichtigeres Instrument gegen militante Moslems werden, die von den USA für den schwersten Anschlag auf ihrem Staatsgebiet verantwortlich gemacht werden.

Bushs Vorgänger Bill Clinton hatte nach Anschlägen auf US- Einrichtungen noch mit sofortigen Vergeltungsschlägen reagiert und Marschflugkörper auf vermutete Lager moslemischer Extremisten abschießen lassen. Opfer unter Unbeteiligten und die Zerstörung ziviler Einrichtungen hatten jedoch dazu geführt, dass die Regierung in Erklärungsnot geriet und sich plötzlich in der Täter-Position wiederfand. Diese Fehler sollten nicht wiederholt werden, hieß es in Kreisen der Bush-Regierung. Und obgleich keine Details bekannt sind, scheint das Schwergewicht diesmal auf verdeckten Operationen zu liegen. Zudem zielt die überlegte und maßvolle Herangehensweise der USA darauf ab, die internationale Gemeinschaft von der Notwendigkeit des Kampfes gegen den Terrorismus zu überzeugen und sie einzubinden.

Die für Geduld nicht gerade bekannten Amerikaner folgen ihrem Präsidenten auf diesem Weg, zumal eine Welle des Patriotismus für Kritik an Bush kaum Raum lässt. "Ich denke, es ist beeindruckend, dass die Amerikaner in Umfragen klar gezeigt haben - sie wollen eine entschlossene Aktion, aber keine sofortige Aktion um ihrer selbst Willen, und sie wollen nicht, dass Unbeteiligte dabei getötet werden", sagte der Militärexperte Anthony Cordesman vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien.

Doch Bush weiss auch, dass er Fortschritte präsentieren muss. Rund sechs Mill. Dollar an Bankguthaben seien eingefroren worden, weil sie mit terroristischer Aktivität verbunden seien, sagte er am Montag. Darunter seien 30 Konten in den USA und 20 im Ausland, die zum Netz der El-Kaida - Organisation von Osama bin Laden gehören sollen. Ihn machen die USA für die Anschläge vom 11. September verantwortlich.

Die in manchen Medien geäußerte Vermutung, es würde nichts getan, zeuge nur vom mangelnden Verständnis für die neuen Formen, in denen der Kampf gegen den Terrorismus ausgefochten werde, sagte Cordesman. "In all den Gebieten - Diplomatie, Finanzwelt, Information, Polizei und Justiz - sind wir seit dem zweiten Tag nach den Anschlägen aktiv."

Auch die Ermittlungen in zahlreichen anderen Ländern wie Großbritannien, Italien, Deutschland, Spanien und Frankreich hätten schon "große Erfolge" gezeitigt, sagte Cordesman. Bin Ladens El Kaida habe in mehr als 36 Ländern Stützpunkte. Die Bundespolizei FBI hat im Zuge der Ermittlungen nach den Anschlägen mehr als 400 Personen festgenommen. 150 Verdächtige wurden in 25 anderen Ländern inhaftiert.

Die USA haben zudem den Druck auf die Taliban in Afghanistan stetig erhöht, die Bin Laden schützen und verstecken. Sie haben die meisten Länder der Region überzeugt, sich der Anti- Terrorismus-Koalition anzuschließen und den USA zu helfen. Großbritannien sperrte Guthaben der Taliban bei einer Londoner Bank in Höhe von fast 90 Mill. Dollar. Hinzu kommt die Unterstützung der afghanischen Anti-Taliban-Allianz im Norden des Landes. Im Gebiet um Afghanistan hat die USA zudem 29 000 Soldaten stationiert, verteilt auf zwei Flugzeugträger- Kampfgruppen, eine seegestützte Landetruppe und Hunderte Flugzeuge.

Afghanistan sei zudem mit einem dichten Netz der Aufklärung überzogen worden, sagte Cordesman. Eine unbemerkte Kommunikation und Bewegung im Land werde immer schwieriger. Die USA hätten die Fähigkeit, jederzeit, wenn es politisch wünschenswert erscheine, mit militärischen Mitteln die wenigen militärischen Einrichtungen der Taliban zu zerstören. Komplizierter sei es allerdings, Bin Laden sowie die Führer der Taliban und der El Kaida zu fassen.

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