Offensive neben Airbus und Boeing
Mittelstand legt in Le Bourget zu

Ob Triebwerk, Toilette, Landeklappe oder Klimasystem - ohne hoch spezialisierte Zulieferer kommt kein Großraumflugzeug in die Luft. Auf dem Aérosalon in Le Bourget treten die Unternehmen immer selbstbewusster aus dem Schatten von Giganten wie Airbus und Boeing und präsentieren sich mit eigenen großen Ständen.

HB/dpa PARIS. Die Firma Diehl VA Systeme aus Überlingen zum Beispiel entwickelt Kabinenbeleuchtungen. "Wir sind sowohl bei Airbus, als auch bei Boeing an Bord", beschreibt Unternehmenssprecher Paul Sonnenschein einen Wettbewerbsvorteil des süddeutschen Unternehmens. Blendendes Neonlicht, das Passagiere nach langen Nachtflügen unsanft weckt, gehört bald der Vergangenheit an. Diehl hat ein System entwickelt, das farbige Lichtstimmungen in der Kabine schafft. "So können wir den langsamen Sonnenaufgang imitieren", beschreibt der Sprecher die Funktionsweise.

Nicht sichtbar für Passagiere - aber dafür spürbar - sind die Klimasysteme von Liebherr-Aerospace. Der Anlagenbauer aus Lindenberg produziert außerdem Geräte für alles, was sich am Flugzeug bewegt: Landeklappen, aber auch komplette Fahrgestelle. So rollt beispielsweise der neue Regionaljet Embraer 170 auf einem Bugfahrwerk von Liebherr. "Wir sind seit der A300 bei Airbus mit dabei", beschreibt Geschäftsführer Frieder Beyer einen Schwerpunkt des Unternehmens. Die Firma liefert auch Teile für Hubschrauber von Eurocopter oder Regionaljets.

Große Flugzeugbauer wie Airbus oder Boeing profitieren auf mehreren Ebenen von der Arbeitsteilung. Einerseits sind die Zulieferer Spezialisten für ein bestimmtes Produkt. Sie betrieben Forschungs- und Entwicklungsaufwand, übernehmen außerdem teilweise auch das finanzielle Risiko. Hier zeigt sich die Kehrseite der Medaille: Die Großkonzerne versuchen natürlich, Anbieter im Preis zu drücken. Das hat aber nur bis zu einem gewissen Punkt Erfolg. Für viele Systeme gibt es weltweit nur zwei oder drei Anbieter. Von den Firmen wird nicht nur pünktliche Lieferung erwartet. Sie müssen auch über Jahrzehnte Wartung und Ersatzteilversorgung sicherstellen.

Nach Einschätzung von Hans-Joachim Gante, Geschäftsführer des Bundesverbandes der deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), haben die kleinen und mittelgroßen Unternehmen vor allem ein Vorteil bei der Entwicklung neuer Technik. "Die Innovationsfreude ist beispielhaft", schätzt er das Engagement ein.

Auf der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget präsentieren sich 55 deutsche Mittelständler an einem Gemeinschaftsstand. "Das sind zehn Prozent mehr, als vor zwei Jahren", beschreibt ein BDLI-Sprecher das wachsende Interesse der Firmen. In Deutschland sind rund 85 % aller Betriebe in der Luft- und Raumfahrtindustrie mittelständisch. Insgesamt arbeiten in der Branche rund 70 000 Beschäftigte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%