Offerte am 28. Februar
Deutsche Börse übernimmt Clearstream komplett

Die Deutsche Börse verleibt sich den Wertpapierabwickler ein. Für Börsenchef Seifert die erste richtig gelungene Übernahme seit dem Börsengang. Nicht alle Kunden sind begeistert.

Reuters FRANKFURT. Die Deutsche Börse AG (DBAG) steht vor der vollständigen Übernahme des Wertpapierabwicklers Clearstream International. Es sei eine Einigung mit dem Board von Cedel über ein Angebot zum Kauf der noch nicht in DBAG-Besitz befindlichen 50 Prozent an Clearstream erzielt worden, teilte die Börse am Freitag in Frankfurt mit.

Weitere Zukäufe geplant

Die Offerte an die Anteilseigner bewerte Clearstream mit insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Die Vollübernahme von Clearstream ist die zweite Akquisition der DBAG seit ihrem Börsengang vor einem Jahr. Es seien weitere Partnerschaften oder Zukäufe geplant, teilte die Börse weiter mit.

Mit dem Angebot werde die DBAG rund das Zwanzigfache des für 2002 erwarteten Jahresüberschusses von Clearstream vor Synergien und Restrukturierungsaufwendungen bieten, hieß es. Die Offerte bedürfe noch der Zustimmung von zwei Dritteln der Cedel-Aktionäre. Diese würden aus der Transaktion 1,6 Milliarden Euro erlösen. Jeder der Aktionäre könne wählen zwischen einer Barzahlung oder Aktien der Deutschen Börse. Für den Baranteil der Gesamtsumme stünden bis zu eine Milliarde Euro zur Verfügung. Dies entspricht ungefähr dem Erlös der DBAG aus ihrem Börsengang vor einem Jahr. Den möglicherweise über eine Milliarde hinausgehenden Baranteil an der Gesamtsumme will die Börse den Angaben zufolge fremdfinanzieren. Aus Kreisen im Cedel-Umfeld hieß es, es sei damit zu rechnen, dass die meisten Anteilseigner Barmittel bevorzugen würden.

UBS wechselt zur Konkurrenz

Unterdessen hat die Schweizer Investmentbank UBS angekündigt, Teile ihrer Kundenbeziehungen von Clearstream weg auf den Konkurrenten Euroclear zu übertragen. Wie schon das Investmenthaus JP Morgan, das bereits sogar den kompletten Wechsel zu Euroclear angekündigt hatte, kritisiert UBS, dass die Wertpapierabwicklung bei Clearstream durch die Übernahme ganz unter die Kontrolle einer Börse gerät. Clearstream teilte dazu mit, wichtige Kunden wie Barclays, Citigroup und ING unterstützten die nunmehr eingeleitete weitere Entwicklung von Clearstream.

Angemessener Preis

Joanna Nader, Analystin bei Lehman Brothers, hält den ausgehandelten Preis für angemessen. "Ich denke, wenn sie Kosteneinsparungen in Höhe von rund 80 Millionen Euro erzielen und und rund zehn Prozent ihres Geschäfts auf Grund abwandernder Kunden verlieren, ist das zu rechtfertigen", sagte sie. Die Börse hat zum möglichen Einsparpotenzial durch die Transaktion bislang keine Aussagen gemacht.

Zur Frage der Kundenbindung bei Clearstream sagte Nader, sie erwarte keine Abwanderungswelle. Es sei damit zu rechnen, dass vor allem Eurobonds von Clearstream abgezogen würden, da dies vergleichweise einfach sei. UBS und JP Morgan sind in diesem Geschäft wichtige Marktteilnehmer. Für weitere Übernahmen oder Börsenfusionen könne sich die Börse jeder Zeit weitere Mittel beschaffen, sagte Nader mit Blick auf die durch die Clearstream-Übernahme weitgehend aufgebrauchten Erlöse aus dem Börsengang.

Offerte am 28. Februar

Die Offerte der Börse an die Clearstream-Eigner soll den Angaben zufolge spätestens am 28. Februar unterbreitet werden und sechs Wochen lang gelten. Dann werde es auch eine formelle Empfehlung des Boards von Cedel an die Aktionäre geben. Clearstream war vor rund zwei Jahren aus der Fusion der Wertpapierabwicklungsgesellschaft der DBAG Deutsche Börse Clearing und der Luxemburger Cedel International entstanden.

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