Offerte von 12 Euro pro Aktie treibt Kurs in die Höhe
Barilla kocht Kamps weich

Für rund eine Milliarde Euro will der italienische Nudelhersteller Barilla den Backkonzern Kamps AG übernehmen. Analysten sehen dies positiv, weil die Unternehmen sich gut ergänzen.

mab/dih/hz FRANKFURT/MAILAND. Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Kamps durch Barilla gibt es bereits seit Monaten. Doch die offizielle Nachricht, dass Barilla den Kamps-Aktionären ein Barangebot von 12 Euro pro Aktie macht, kam trotzdem überraschend. Der Kurs der Kamps-Papiere schoss gestern in die Höhe.

Während Barilla auf Zustimmung des Vorstandes um Firmengründer Heiner Kamps hofft, äußerte sich ein Kamps-Sprecher kurz nach dem Bekanntwerden der Offerte skeptisch: "Wir sind der Einschätzung, das Unternehmen ist wesentlich mehr Wert".

Barilla bietet über die zur Firmengruppe zählende ffynnon Vierundzwanzigste Vermögensverwaltung AG insgesamt 992,4 Mill. Euro für den Düsseldorfer Backwarenhersteller. "Wir halten dies für ein großzügiges Angebot", sagte Firmenchef Guido Barilla gestern in Frankfurt. Eine weitere Aufstockung der Offerte, im Falle einer Ablehnung durch Kamps, zieht Barilla vorerst nicht in Erwägung. Die Angebotsfrist soll voraussichtlich in der zweiten Maiwoche offiziell beginnen.

Die Börse spekuliert jedoch darauf, dass das Angebot noch nicht das letzte Wort war. Nach Bekanntgabe der Offerte sprang der Kurs der Kamps-Aktie zeitweise über die Höhe der gebotenen 12 Euro. Barilla will mindestens 50 % der Anteile an Kamps übernehmen. Die Italiener halten bereits nach eigenen Angaben 2,07 % an den Düsseldorfern. Auch die Hausbank der Italiener, die Banco Populari di Lodi, soll Anteile besitzen. Unternehmensgründer Heiner Kamps hält ebenso wie der Chef des Tiefkühlheimdietes Bofrost, Josef Boquoi, mehr als 5 % des Kapitals, in den Händen des Kamps-Mangagements befinden sich etwa 5 % der Anteile, die restlichen mehr als 80 % sind breit gestreut.

Die Kamps AG steigerte im Jahr 2001 ihren Umsatz auf 1,7 (1,5) Mrd. Euro, brach aber beim Betriebsergebnis auf 86,7 Mill. (103,4) Euro und durch Zinsbelastungen beim Jahresüberschuss gar auf 5,5 (47,3) Mill. Euro ein.

Nach den Plänen der Italiener soll Kamps als dritter Geschäftsbereich neben Barilla sowie dem Eiskrem- und Tiefkühlbackwarenhersteller Gran Milano in die Barilla-Holding eingegliedert werden. Kamps solle auch in Zukunft seine eigene Identität behalten und weiter unabhängig geführt werden, versicherte Vorstandschef Guido Barilla in Frankfurt.

Jadwiga Bobrowska, Analystin bei der WestLB Panmure, hält eine Übernahme des Backwarenspezialisten durch Barilla für sinnvoll: "Beide Unternehmen passen gut zueinander und haben kaum Überschneidungen", kommentierte Bobrowska gestern die Übernahmepläne. Für die Italiener sei Kamps "eine schöne Ergänzung". Bisher war Barilla auf diesem Markt nur mit dem Knäckebrothersteller Wasa vertreten, den die Italiener bereits vor drei Jahren übernommen hatten. Der Konzern aus der norditalienischen Stadt Parma könnte dann seinen Umsatz, der im letzten Jahr bei 2,45 Mrd. Euro lag, nahezu verdoppeln.

Barilla hatte schon seit dem vergangenen Herbst mit Kamps über eine Zusammenarbeit gesprochen. Doch als Barilla vorgeschlagen habe, ein Übernahmeangebot zu machen, habe Kamps dies abgelehnt, sagt Michael Hinderer, Managing Partner der Investmentbank Altium Capital, die Barilla berät. "Aus heutiger Sicht ist es ein Fehler, die Übernahmeofferte nicht schon damals gemacht zu haben", sagt Hinderer. Dann hätte Kamps Ende 2001 nicht 770 Mill. Euro Schulden zu einem Zinssatz von 8,75 % refinanzieren müssen.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%