Offizielle Protestnote übergeben
Schlägerei in Rom überschattet Königsklasse

Das "gewalttätigste Europacupspiel seit Jahren" hat die Champions League in Verruf gebracht, den Fußball in den Hintergrund gedrängt und für ein Politikum auf höchster Ebene gesorgt. Die türkische Regierung übte nach den Ausschreitungen im Anschluss an das 1:1 am Mittwochabend in der Zwischenrunde der "Königsklasse" zwischen dem AS Rom und Galatasaray Istanbul heftige Kritik an der italienischen Polizei und übergab dem italienischen Botschafter in Ankara, Vittorio Surdo, eine offizielle Protestnote.

sid MÜNCHEN/ROM/ANKARA. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) leitete nach der wilden Schlägerei auf dem Spielfeld, in die Spieler, Offizielle und die Polizei verwickelt waren, eine Untersuchung ein. Beiden Klubs und einigen Akteuren wie beispielsweise Roms Torjäger Gabriel Batistuta drohen drakonische Strafen. Die Uefa-Disziplinarkommission wird sich am 28. März mit dem skandalösen Vorfall, bei dem angeblich drei türkische Spieler und 13 Polizisten verletzt wurden, befassen. Galatasaray erwägt ebenso wie die italienische Polizei rechtliche Schritte. Das Bildmaterial wurde bereits beschlagnahmt.

"Eine Polizei, die so gnadenlos vorgeht und die Spieler sogar im Umkleideraum attackiert, kann nur die Polizei von Mussolini sein. Als ich die Vorfälle im Fernsehen sah, dachte ich, ich würde Szenen aus der Zeit des Faschisten Mussolini und seiner Polizei sehen und nicht Bilder aus Europa im Jahr 2002", erhob der türkische Außenminister Ismail Cem schwere Vorwürfe gegen die italienischen Sicherheitskräfte und sorgte damit drei Jahre nach dem Streit um die Auslieferung des kurdischen Rebellenführers Abdullah Ocalan erneut für diplomatische Verstimmungen zwischen beiden Ländern.

Der türkische Premierminister Bülent Ecevit sagte nach dem Skandalspiel: "Ich bin tief erschüttert über die Angriffe gegen Spieler und Verantwortliche von Galatasaray. Ich hoffe, dass sie sich davon schnell erholen." Die türkischen Zeitungen gingen derweil mit den "Carabinieri" hart ins Gericht. `Mussolinis Enkel", titelte die Tageszeitung Aksam. "Hässliche Italiener", schrieb Sabah. Galatasaray-Profi Ümit Karan erklärte der Zeitung Milliyet: "Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich mit einem Stock geschlagen wurde. Meine Augen sind geschwollen und meine Beine sind mit blauen Flecken übersät."

Nach Aussage von Cem wollte die italienische Polizei sogar die Pässe der Galatasaray-Spieler, die erst umn 2 Uhr das Olympiastadion in Rom verlassen konnten, beschlagnahmen. Doch erst nach einem Anruf von Cem beim italienischen Botschafter wurde davon Abstand genommen.

Dagegen kritisierte die italienische Polizei, die vor einigen Monaten beim Weltwirtschaftsgipfel in Genua bereits in die negativen Schlagzeilen geraten war, die Spieler von Galatasaray Istanbul und leitete ihrerseits gerichtliche Schritte wegen gewalttätiger Angriffe auf Beamte ein. "Ich habe so etwas in 20 Jahren im Olympiastadion noch nicht erlebt, dass ein Spieler einen Polizisten anspuckt und angreift", wird ein Sicherheitsbeamter in den italienischen Medien zitiert. Der Übeltäter soll angeblich Ümit Karan sein, was TV-Bilder belegen sollen.

Die TV-Aufnahmen sollen außerdem zeigen, dass Roms Superstar Gabriel Batistuta Galatasaray-Akteur Asik Emre mit der Faust ins Gesicht schlägt. "Ich habe einen Fehler gemacht. Aber ich bin bis aufs Äußerste provoziert worden", erklärte der Argentinier gegenüber italienischen Medien.

Auslöser des "gewalttätigsten Europacupspiels seit Jahren" (Gazzetta dello Sport) soll jedoch Roms Mittelfeldspieler Francisco Lima gewesen sein. Der Brasilianer, der einige Jahre in der Türkei gespielt hatte, griff angeblich Akman Ayhan an und löste damit die Massenschlägerei aus. "Ich habe den Kopf verloren, weil ich beleidigt worden bin", wird Lima zitiert.

Wie auch immer. Fabio Capello, Trainer des italienischen Meisters, war auf seine Mannschaft stocksauer. "Ich bin erschüttert. Das war nicht meine Mannschaft. Ich habe noch nie so viele Aggressionen gesehen", kommentierte Capello die Vorkommnisse.

Sein Kollege Mircea Lucescu, jahrelang in Italien bei Brescia tätig, klagte indes Polizei und Medien an. "Ich habe vor dem Spiel in der Gazzetta dello Sport gelesen, dass meine Spieler Metzger ohne Talent sind. Mit so etwas muss man vorsichtig sein, denn solche Sachen führen auch zu Gewalt", meinte Lucescu.

Dass im Olympiastadion auch Fußball gespielt wurde, interessierte angesichts der skandalösen Begleitumstände eigentlich keinen mehr so richtig. Dabei stellt sich die Lage in der Zwischenrundengruppe B vor dem letzten Spieltag äußerst interessant dar. Alle vier Teams haben noch die Chance auf den Einzug ins Viertelfinale.

Galatasaray trifft am kommenden Dienstag auf den FC Barcelona, das gegen den FC Liverpool im heimischen Stadion Nou Camp nicht über ein 0:0 hinaus gekommen war. Liverpool empfängt ohne den gesperrten deutschen Nationalspieler Dietmar Hamann den AS Rom.

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