Offizieller Protest der USA
Moskau dementiert Waffenlieferungen an den Irak

Russland dementiert US-Berichte, nachdem Moskau dem Irak bis zuletzt modernste Waffen geliefert und damit gegen die Uno-Sanktionen verstoßen habe. Die USA hatten am Sonnabend offiziell Protest gegen diese angebliche Lieferungen beim russischen Außenministerium eingelegt. Laut dem State Department sollen drei russische Firmen Anti-Panzer-Raketen, Nachtsichtgeräte und Waffen, die die elektronische Zielsteuerung amerikanischer Raketen und Bomben elektronisch stören, an den Irak verkauft haben. Das hatte die "Washington Post" unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus berichtet: "Die Irakis haben diese Waffen und werden sie gegen uns einsetzen. Das ist eine Mißachtung von Menschenleben", wurde der hochrangige Offizielle zitiert.

MOSKAU. Der Generaldirektor der durch den US-Bericht angegriffenen Rüstungsfabrik Awiakonwersija, Oleg Antonow, dementierte heftig: "Wir haben nie etwas in den Irak geliefert und tun dies auch heute nicht, obwohl wir aus aller Welt Bestellungen haben. Vor allem die Amerikaner haben bei uns gekauft, um die Effizienz ihrer Waffen zu überprüfen, wenn unsere Abwehrsysteme gegen sie gerichtet sind." Bereits im September habe das amerikanische Außenministerium "hysterisch verbal um sich geschlagen, wir hätten den Irak beliefert", sagte Antonow. Dokumente hätten sie aber nie vorlegen können.

Antonow begründete die US-Kritik damit, dass die elektronischen amerikanischen Waffensysteme vollständig versagt hätten beim exakten Zielen auf ausgewählte Objekte, wenn die russische Abwehranlage eingeschaltet wurde: "Sie waren geschockt, als sie merkten, dass ihre nicht-atomaren strategischen Waffen vollkommen untauglich sind." Die russischen Systeme bauen elektronische Felder auf, die Tomahawk- und andere Lenkwaffen in die Irre führen und vom eigentlichen Ziel ablenken. Auch der staatliche russische Rüstungshändler Rosoboronexport dementierte die amerikanischen Vorwürfe: "Wir haben damit 100%ig nichts zu tun."

Russische Geheimdienste hatten bereits vorvergangenen Freitag intern bekannt gegeben, dass sie einen scharfen Angriff erwarteten: "Man muss sich nicht wundern, wenn ausgerechnet jetzt kompromittierendes Material der russischen Beziehungen zum Irak von den USA präsentiert wird", hatte am 14.März ein hochrangiger russischer Geheimdienst-Offizier dem dem Kreml nahe stehenden Internet-Portal Strana.ru gesagt.

Am Sonntag war es dann offensichtlich soweit mit der "Post"-Veröffentlichung. Demnach hätten die USA hochrangigen russischen Beamten Namen, Telefonnummern, Lieferadressen und Häfen genannt, wer wann und wie welche russische Waffen in den Irak geliefert hätten. Die russische Seite sei nicht bereit gewesen, einzuschreiten und die Exporte zu stoppen. In den Irak seien so "militärisch signifikante Mengen" an Nachtsichtgeräten gelangt und über das benachbarte Syrien zudem in den letzten zwei Monaten Anti-Panzer-Raketen des russischen Konstruktionsbüros KBP aus dem zentralrussischen Tula.

Awiakonwersija hätte sogar jetzt noch Personal im Irak, das Saddams Militärs den Einsatz der von der Moskauer Firma hergestellten "Kornett"-Systeme erkläre. Mit diesen Raketen, die laut der Amerikaner offiziell an den Jemen gehen sollten, aber in den Irak geliefert worden seien, werden die modernsten amerikanischen, so genannten "intelligenten" Waffen getäuscht und auf andere Ziele umgelenkt. Die russische Führung habe die Existenz dieser Moskauer Waffenfabrik gegenüber den USA immer bestritten.

Stichwort: Aviakonversija, angeblicher Ausrüster der irakischen Armee

Der Aviakonversija-Konzern, der von den USA beschuldigt wird, illegal Abwehrsysteme in den Irak geliefert zu haben, besteht seit zehn Jahren. Er stellt nach eigenen Angaben Anlagen her, die elektronisch von Satelliten gesteuerte Waffensysteme aktiv stören und das Zielen unmöglich machen. Die Anlagen dublieren immer wieder die von Waffensystemen des Gegners geortete Signale und machen so ein exaktes Peilen auf Ziele unmöglich. Es werden aber auch Systeme zum Stören ziviler Funktechnik und medizinisches Gerät produziert. Die Firma sitzt offiziell im Zentrum Moskaus, wenige Minuten vom Kreml entfernt. mbr

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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