"Ohne Scheuklappen denken"
LBBW-Chef geht unkonventionelle Wege

Dietmar Sauer, Chef der Landesbank Baden-Württemberg, hat mit dem Einstieg bei der BW-Bank die Grenzen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Banken aufgerissen. Mit der Privatbank will er das Geschäft der LBBW auf eine breitere Basis stellen. Aber der staatliche Minderheitsaktionär mauert.

STUTTGART. Dietmar Sauer, Chef der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist ein Freigeist. "Ohne Scheuklappen alles andenken", heißt sein Motto, das auch seine Manager beherzigen müssen. Dieses Leitmotiv steht über seinen Planungen für den Wegfall der staatlichen Gewährträgerhaftung, die wie ein Damoklesschwert über allen deutschen Landesbanken schwebt. Ohne Staatsgarantie verliert auch die LBBW ab Juli 2005 ihre Bestnote bei den Ratingagenturen mit weitreichenden Folgen.

Sauer weiß, dass auch der LBBW ab 2005 bestimmte Geschäfte wegbrechen werden und sich die Geschäftsausrichtung deshalb ändern muss. Die LBBW, die achtgrößte deutsche Bank, hat dabei gegenüber anderen Landesbanken einen Vorteil: Sie ist 1999 aus der Fusion der SüdwestLB mit der L-Bank und der Landesgirokasse, einer Großsparkasse mit 200 Filialen, entstanden. Mit dem Sparkassengeschäft im Portfolio ist die LBBW diversifizierter als ihre Landesbanken-Konkurrenz.

Der 61-jährige Sauer kam über die L-Bank, die er lange Jahre führte, in den LBBW-Vorstand. Seit zwei Jahren leitet er die Bank. Den Vorteil einer eigenen Sparkasse im Haus hat er im vergangenen Jahr noch ausgebaut und gut 60% an der privaten BW-Bank erworben. Die börsennotierte Bank mit ihren 60 Filialen liegt in der Rangliste der größten deutschen Banken auf Platz 44 und hat den gehobenen baden-württembergischen Mittelstand als Klientel.

Der Coup mit der BW-Bank, an der auch andere Großbanken, zum Beispiel die Hypovereinsbank, interessiert waren, hat Sauer Bewunderung eingebracht. "Nur Sauer konnte dies gelingen", sagen Mitarbeiter der LBBW stolz und verweisen auf die politische Erfahrung ihres Chefs. In den 70er Jahren war Sauer Regierungsdirektor im Stuttgarter Finanzministerium.

Auch wenn es Sauer mit dem Erwerb der BW-Bank gelungen ist, die Grenze zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Banken zu öffnen, hat er die politischen Widerstände unterschätzt. Weil Baden-Württembergs Regierungschef Erwin Teufel nach Protesten der Wirtschaft der BW-Bank die Selbständigkeit versprochen hat, kann die LBBW bislang von der Beteiligung nicht profitieren. Das Land Baden-Württemberg ist nämlich wichtigster BW-Minderheitsaktionär.

Sauer würde gern die BW-Bank mit der LBBW fusionieren. "Bei einer Vollfusion würde die LBBW 150 Mill. Euro Gewinn mehr in der Kasse haben", hat er ausgerechnet. Jetzt versucht er auszuloten, was den Widerstand des Minderheitsaktionärs überwinden würde.

Die LBBW überlegt derzeit, Teile des Privat- und Firmenkundengeschäfts auf die BW-Bank zu übertragen, um Doppelarbeit und Konkurrenz zu vermeiden. Denkbar ist auch eine Filialzusammenlegung in einigen Städten, um so die Kosten zu senken. Bis Ende 2003 will Sauer die neue Arbeitsteilung geregelt haben.

Für Danielle Hruby, Analystin von Fitch, wird sich die BW-Bank erst mittelfristig für die LBBW auszahlen. Entscheidender für die Ratingagenturen bei der künftigen Benotung wird sein, wie Sauer die Zusammenarbeit mit den 61 baden-württembergischen Sparkassen verbessert. Sauer arbeitet mit dem baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Heinrich Haasis an einer "verbindlichen" Übereinkunft. Jede Sparkasse soll sich vertraglich verpflichten, bestimmte Geschäfte, die sie aus einem Baukastensystem auswählen kann, mit der LBBW abzuwickeln.

Schwabe Sauer, der seinen Mitarbeitern keine Geschäfte erlaubt, die nichts bringen, hätte gern einen noch engeren Verbund mit den Sparkassen gehabt. Er hat Modelle in der Schublade, die der LBBW und den Sparkassen mehr Effizienz bringen würden. Zum Beispiel, wenn die Sparkassen im Großraum Stuttgart fusionieren würden. Die LBBW könnte dann gegen eine Beteiligung an der neuen Großsparkasse ihr Sparkassengeschäft dort einbringen.

Die Sparkassen wollen nicht. Ihr Misstrauen gegenüber der LBBW, an der sie mit knapp 40 % beteiligt sind, ist groß. Da die LBBW mit ihrem Sparkassengeschäft auch immer Konkurrent ist. Sauer, von den Verhandlungen mit den Sparkassen ernüchtert, stellt fest: "Wir sind jeden Tag froh, dass wir unser Privat- und Firmenkundengeschäft haben und werden weiterhin heftigst daran arbeiten, diese Kundenbeziehungen weiter auszubauen."

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