Olaf Scholz
Das Begrüßungsgeschenk kam von der Post

Keine Blumen, keine rhetorischen Feuerwerke, keine Ovationen. Bei seinem ersten Auftritt im Bundestag zeigt sich Arbeitsminister Olaf Scholz von seiner spröden Seite. Im Kabinett wird er dennoch ein Schwergewicht sein.

BERLIN. Geschäftsmäßig arbeitet sich der Mann am Rednerpult durch sein Manuskript. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel ruft ein paar Mal dazwischen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sucht in ihrer großen Handtasche nach einem Papier. Auf der Pressetribüne macht eine Schülergruppe lustige Erinnerungsfotos.

"Business as usual" im Bundestag. Fast hätte man die Antrittsrede von Olaf Scholz als Arbeitsminister der Großen Koalition gestern verpassen können. Immerhin geht es in der Haushaltsdebatte um den mit 124 Milliarden Euro größten Einzeletat der Regierung. Zu Beginn dankt Scholz den Fachpolitikern: "Ich war, wie ja nicht verborgen bleiben konnte, nicht die meiste Zeit als Minister für Arbeit und Soziales dabei."

Die mitreißende öffentliche Rede und die große Inszenierung sind erkennbar nicht die Sache des Hanseaten. Doch wäre es ein Fehler, den Juristen deshalb unter dem Klischee des "Scholzomaten" abzubuchen, das ihm seit seinem Intermezzo als SPD-Generalsekretär anhaftet. Der 49-Jährige ist ein Meister der rhetorischen und politischen Kleinkunst. Im Merkel-Kabinett wird er nicht zu den Leichtgewichten zählen.

Wer Scholz dieser Tage über die Verästelungen des Mindestarbeitsbedingungsgesetzes, des Erwerbstätigenzuschusses oder der Frühverrentung referieren hört, könnte den Eindruck gewinnen, der Neu-Minister habe nie etwas anderes gemacht.

Und irgendwie stimmt das auch. Schon in seiner aktiven Zeit als Fachanwalt für Arbeitsrecht entwickelte Scholz Sozialpläne für große Unternehmen. Unter Ex-Kanzler Gerhard Schröder verteidigte er als Generalsekretär die in seiner SPD ungeliebten Hartz-Reformen. Er gehörte auch zu den Unterhändlern des schwarz-roten Koalitionsvertrages und zog seit 2005 als Parlamentarischer Geschäftsführer viele Strippen.

Obwohl Olaf Scholz in der Vergangenheit auch Ambitionen auf den SPD-Fraktionsvorsitz nachgesagt worden sind, beteuert er heute, die Leitung des Arbeitsministeriums sei sein Traumjob. "Arbeit und Soziales ist entscheidend für den Erfolg der Bundesregierung", sagt er im Bundestag selbstbewusst. In seinem Ressort gehe es "nicht um Luftschlösser", sondern um konkrete Veränderungen "auf dem harten Boden der Realität".

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