"Old Albion" dank Eriksson wieder beliebt
England ist in den Wettbüros Mitfavorit

Ein Vermögen ist mit einer Wette auf England als Fußball-Weltmeister 2002 bei Londons Buchmachern nicht mehr zu machen. Gerade einmal das Zehnfache gibt es bei Branchenführer William Hill für den Tipp auf "Old Albion".

sid LONDON. Das Fußball-Mutterland ist längst wieder in den Kreis der Titelkandidaten für das WM-Turnier in Japan und Südkorea aufgerückt, obwohl England in der "Todesgruppe F" mit Topfavorit Argentinien, Atlanta-Olympiasieger Nigeria und Schweden spielt und der letzte internationale Titel bereits 36 Jahre (Weltmeister 1966 im eigenen Land) zurückliegt.

Das interessiert die Buchmacher aber herzlich wenig. Seit der Schwede Sven-Göran Eriksson auf Englands Trainerbank sitzt, ist der Erfolg zurückgekehrt. Nur eines der elf Länderspiele unter dem früheren Erfolgscoach von Lazio Rom ging verloren. Viel wichtiger war allerdings in der WM-Qualifikation der 5:1-Triumph beim Erzrivalen Deutschland in München und der spätere Gruppensieg.

Der Sieg gegen die "Krauts aus Germany" war für die Engländer auch ein großes Stück Vergangenheitsbewältigung. Die soll gegen Argentinien fortgesetzt werden. Schließlich ist der Achtelfinal-K. o. bei der WM 1998 gegen die "Gauchos" noch bestens in Erinnerung, und die 1:2-Niederlage bei der WM 1986 mit der legendären "Hand Gottes" von Diego Maradona haben die Briten ebenfalls noch nicht vergessen. Auch im pikanten Duell mit Erikssons Heimatland Schweden soll nach über 33 Jahren endlich wieder ein Sieg herausspringen.

Englands Anhänger haben jedenfalls wieder Gefallen an ihrer Mannschaft gefunden. So pilgerten zuletzt nicht weniger als 10 000 Fans zum Test gegen die Niederlande (1:1) nach Amsterdam. Unter Eriksson scheint England sein Selbstwertgefühl wiedergewonnen zu haben. "Überall, wo wir auf der Welt hinkommen, soll jeder wissen, hier kommt England und nicht die zweite Klasse", lautet das Credo des Coaches.

Neuer Geist ist auch auf dem Platz zu erkennen. Die Zeiten des "Kick 'n' rush" sind längst vorbei. Gepflegtes Kurzpass-Spiel auf höchstem Niveau und überfallartige Konter prägen das Spiel des Ex-Weltmeisters. "Eine andere Chance haben wir gegen Top-Teams wie Frankreich, Argentinien oder Italien auch gar nicht", erklärt Eriksson.

Im bevorzugten 4-4-2-System von Englands erstem ausländischen Nationaltrainer spielt Superstar David Beckham von Meister Manchester United eine tragende Rolle. Seit er zum Kapitän bestimmt wurde, übernimmt der "Spice Boy" auch auf dem Platz die Führungsrolle. Erstklassig besetzt ist auch der Angriff mit "Europas Fußballer des Jahres" Michael Owen vom FC Liverpool, dessen Mitspieler Emile Heskey, Robbie Fowler (Leeds United) und Andy Cole (Blackburn Rovers). Sogar die Routiniers Teddy Sheringham (Tottenham Hotspurs) und Alan Shearer (Newcastle United) wollen noch auf den WM-Zug aufspringen.

Ohnehin hat Eriksson die Qual der Wahl. Denn viele junge Spieler wie Owen Hargreaves von Weltpokalsieger Bayern München stehen auf dem Sprung. "Die Nominierung wird ein Problem, aber ein sehr schönes", kommentiert Eriksson das Überangebot und denkt bereits an die kommenden Jahre: "England steht gerade in Hinsicht auf die WM 2006 vor einer großen Zukunft. Sogar Beckham und Scholes, die bereits seit Jahren Top-Leistungen bringen, können sich noch steigern."

Bereits vor dem Abflug am 11. Mai ins erste Trainingslager nach Dubai soll der WM-Kader stehen, damit sich ein "Fall Paul Gascoigne" wie 1998 nicht wiederholt. Die Aussortierung des "Enfant terribles" hatte vor vier Jahren kurz vor WM-Beginn für großen Wirbel gesorgt.

Apropos Gascoigne: Englands WM-Held von 1990 hätte es heutzutage unter Eriksson sowieso schwer. Trinkgelage soll es nicht mehr geben, wie der Schwede klarstellt: "Ein Glas Wein oder Bier zur Mahlzeit ist in Ordnung, aber Saufen bis zum Exzess ist untersagt. Wir müssen uns wie Profis verhalten, auf und neben dem Platz."

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