Oldenburger Fotodienstleister profitiert vom Durchbruch der Digitalfotografie
Cewe Color gibt ein gutes Bild ab

Der Bekanntheitsgrad der Cewe Color AG lässt zu wünschen übrig, obwohl es sich um den größten konzernunabhängigen Fotodienstleister Europas handelt. Und Abzüge von Cewe Color dürften in einem Großteil der deutschen Haushalte vorhanden sein.

FRANKFURT/M. Denn zu den 38 000 Vertriebspartnern der Oldenburger Gesellschaft zählen die Metro-Märkte sowie die Ketten des Handelsriesen Saturn Hansa und Real und ferner die Drogeriemarktketten Schlecker und dm.

Auch ohne großen Markennamen und trotz anhaltender Konsumflaute gibt Cewe Color ein gutes Bild ab. Die Aktie legte in den vergangenen zwölf Monaten 44 % zu und kostet derzeit 21,70 Euro. Der Vergleichsindex S-Dax hingegen gab im gleichen Zeitraum rund 16 % nach. Daneben lockt eine Dividende von einem Euro.

Die überdurchschnittliche Entwicklung der Laborkette führt Klaus Linde, Analyst bei SES Research, vor allem auf den Durchbruch der Digitalfotografie zurück. Cewe habe sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt. "Es bestand die Gefahr, dass Online-Fotodienstleister, wie zum Beispiel die Pixelnet AG, Cewe Color Marktanteile wegnehmen", sagt Linde. Cewe Color sei es jedoch gelungen, Standards zu setzen. Dazu zähle das Digi-Film-Konzept. Cewe Color hat mit diesem Patent ein System für den Bilder-Massenmarkt entwickelt. Mehr als 3 000 Geräte zur Übertragung der Bilddaten von der Speicherkarte der Digitalkamera auf eine CD-ROM sind bereits im Handel installiert. Kunden können außerdem Digitalfotos über das Internet oder mit selbst gebrannten CD in Auftrag geben. Insgesamt entwickelte Cewe Color im ersten Quartal 2003 knapp 19 Mill. Digitalfotos und damit etwa fünf Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Karsten Rahlf, Analyst bei der Vereins und Westbank, - rechnet mit weiteren Patenten: "Cewe Color ist schneller und innovativer als konzernabhängige Labors, wie Kodak oder Fuji." Rahlf erwartet positive Impulse durch die neuen Kamera-Handys: "Das Foto vom MMS-Handy scheint sich zum nächsten Massenmarkt zu entwickeln", sagt der Analyst. Technisch und marktseitig sei Cewe Color bereits in der Lage, Fotos von Kamera-Handys 40 % günstiger als Ausdrucke vomeigenen PC anzubieten. "Diese Perspektive macht die Aktie zu einem äußerst interessanten Wert", sagt der Analyst und empfiehlt den Wert weiterhin zum Kauf.

Der Erfolg der Aktie sei außerdem operativ begründet. "Der Ergebnisanstieg spiegelt die früh eingeleiteten Restrukturierungsmaßnahmen wider", sagt Rahlf. "Im Gegensatz zu vielen anderen Gesellschaften hat Cewe Color schon in den Jahren 2000 und 2001 auf die Bremse getreten und einige kostenintensive Produktionsstätten in Deutschland und Westeuropa geschlossen", erklärt SES-Analyst Linde. Im vergangenen Jahr habe Cewe Color daher entgegen dem allgemeinen Markttrend bereits erste Anzeichen der Erholung gezeigt. Für dieses Jahr erwartet der Analyst, dass die Erholungsphase, verbunden mit einem positiven Nachrichtenfluss und weiterem Wachstumspotenzial im Digitalbereich, anhält. Linde stuft Cewe daher als "Outperformer" ein. Er meint aber, dass das Kurspotenzial bald ausgeschöpft sei: "Die Aktie kommt langsam an ihre Grenzen."

Analyst Rahlf ist der Auffassung, dass die solide Finanzierung und die hohe Eigenkapitalquote von 40,2 % Luft für weiteres Wachstum geben. Die im Mai vorgelegten Ergebnisse für das erste Quartal 2003 hätten gezeigt, dass sich der Fotodienstleister auch in konjunkturell schwierigen Zeiten gut halte. Cewe Color konnte seinen Umsatz um 2,4 % auf 85,4 Mill. Euro erhöhen. Das Betriebsergebnis (EBT) fiel mit einem Minus von 6,9 Mill. Euro 11,2 % besser aus als im Vorjahreszeitraum.

Das Ergebnis ist bei Cewe Color saisonal sehr unterschiedlich. Das erste Quartal zählt zur Nebensaison und ist jedes Jahr defizitär. Zur Reisesaison im zweiten und dritten Quartal verbucht der Fotokonzern Gewinne. 2002 erwirtschaftete Cewe Color ein EBT von 26,1 Mill. Euro. Im laufenden Geschäftsjahr will die Holding dieses Ergebnis um 5 % steigern.

Cewe Color hat nach eigenen Angaben in Kontinentaleuropa einen Marktanteil von rund 25 %. Das mittelständische Unternehmen kaufe sein Fotopapier bei Kodak, Fuji und Agfa und sei damit zwar von diesen Gesellschaften abhängig, sagt Linde. Cewe nehme aber so große Mengen ab, dass sich kein Anbieterer das Geschäft verderben lassen wolle. "Normal wäre Cewe Color ein klassischer Übernahmekandidat," sagt Linde. Auf Grund einer besonderen Gesellschaftsstruktur sei eine Übernahme jedoch schwer möglich.

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