Ole von Beust
Liebling von Hamburg

Lächelt er, oder lächelt er nicht? Ole von Beusts rätselhaftes Lächeln, es ist auf den Plakaten allgegenwärtig dieser Tage in Hamburg, fast könnte man sagen, seine Partei habe die Stadt damit zugekleistert: "Michel, Alster, Ole". Die Marke Ole, man darf ihn ruhig beim Vornamen nennen, auch an dieser Stelle. Könnten sich die Hamburger ihren Bürgermeister malen, er würde wohl so wie Ole ausschauen.

HAMBURG. Das Haar blond wie aus der Tube, die Augen blau wie der Himmel über Sylt, kernig das Kinn, das sphinxige Lächeln. Dieser Mann ist nicht schön, aber er sieht zweifelsohne gut aus. Vor allem aber macht er eine gute Figur, und wohl auch deshalb sind die Hamburger bereit, ihm viel zu verzeihen. Er ist 48 Jahre alt, und wenn die Umfragen nicht lügen, wird seine Partei, die CDU, die stärkste werden. Und er, wenn er ein wenig Glück hat, wieder Erster Bürgermeister.

Ole hat Husten und lässt es sich nicht anmerken. Oben im Decken-Fresko schwingt Germania in den Meeren die scharz-weiß-rote Fahne, Fürst Bismarck steht in Carrara-Marmor an der Wand. Man ist also im Kaisersaal des Hamburger Rathauses, Kaiser Wilhelm II. hat hier 1895 die Eröffnung des Nord-Ostseekanals gefeiert. Jetzt ist Nachmittag, Zeit für hanseatisches Staatstheater. Der Senat gibt einen Empfang, das Generalsekretariat des Weltzukunftsrats soll in Hamburg seinen Sitz bekommen. Zwar gibt es den Rat noch gar nicht, und sein Mitinitiator, der Forscher Jakob von Uexküll, hat noch längst nicht alles Geld beieinander; doch was heißt das schon kurz vor einem Tag, an dem jede Stimme zählt?

Ole rackert. "Ich will kämpfen und beweisen, dass ich hier aus eigener Kraft siegen kann", sagt der Bürgermeister am Rande des Empfangs. Wäre nicht Wahlkampf, vielleicht hätte von Beust diesen Termin ja wirklich geschlabbert wie so manchen anderen, wie man ihm nachsagt. Jetzt aber geht er mit seinem wiegenden Schritt zum Rednerpult.

Was dann kommt, ist, rhetorisch betrachtet, Labskaus. Hausmannskost. Er spricht von den "Unternehmen der Wirtschaft", die sich für den Rat engagieren sollten, und sagt, dass in Fragen der Globalisierung doch eher die Herren vom Zukunftsrat die Experten seien.

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