Olympia-Bewerbung
Kommentar: Nach dem Bellen ist vor dem Bellen

Sie reden in Rätseln. Und bevorzugt um den heißen Brei herum. Dabei wissen einige der Damen und Herren, die morgen in München über die deutsche Bewerberstadt für die Olympischen Sommerspiele 2012 bestimmen, viel mehr.

Sie reden in Rätseln. Und bevorzugt um den heißen Brei herum. Dabei wissen einige der Damen und Herren, die morgen in München über die deutsche Bewerberstadt für die Olympischen Sommerspiele 2012 bestimmen, viel mehr. Zwar betonen alle pflichtbewusst, dass die Wahl völlig offen sei. Doch nach Auswertung aller Indizien und Aussagen - vor allem jener, die nicht in der Öffentlichkeit gemacht werden - gibt es sehr wohl eine Tendenz.

Auffällig oft heißt es, dass man nur eines ausschließe: dass Düsseldorf früh ausscheidet. Und zwar nicht, weil die Bewerbung alle anderen in den Schatten stelle. Sondern schlicht, weil der größte Teil der Stimmberechtigten aus Nordrhein-Westfalen kommt. Und weil die dadurch bedingten intensiven persönlichen Beziehungen, ganz wie im richtigen Leben, von großer Bedeutung seien. Vorteil durch Vitamin B, Vorteil Düsseldorf.

Abwarten, ob dieser womöglich schon im ersten Wahlgang den Ausschlag geben wird. Wenn es so wäre, würde es wohl nicht einmal die Konkurrenz überraschen. Allen empörten Reaktionen, die folgen werden, zum Trotz. Manche haben sich ihre Argumentation für den wahrscheinlichen Fall der Niederlage längst zurechtgelegt.

An Stuttgart zum Beispiel glauben nur noch wenige - trotz des Riesen Daimler. Auch Frankfurt gilt als unwahrscheinlich - trotz des üppigen Flughafens. Und Leipzig scheint irgendwie nur zum moralischen Sieger zu taugen - trotz oder gerade wegen des opulenten Ost-Bonus.

Bleiben Hamburg und Düsseldorf. Die Norddeutschen aber erweckten zuletzt einen beleidigten und deprimierten Eindruck. Motto: Gegen die bösen Rheinländer und Westfalen haben wir Zwerge aus dem Elbe-Stadtstaat eh keine Chance. Moin, Moin, liebe Hanse-Knirpse, aber ob das taktisch klug war, darf lebhaft bezweifelt werden.

Derweil hatten auch die Düsseldorfer Karnevalisten, erst recht nach der ungehörigen Einstufung als Vorletzte im NOK-Bericht, ihren Humor an der Garderobe abgegeben und polterten ob der medialen Unterstützung des Bewerbers von der Waterkant. Tja, liebe Teilzeit-Frohnaturen, aber das wirkte eher wie rheinisch-naives Konterverhalten, zu dem man besser schon vor dem Aussprechen "tschööö" gesagt hätte. Das Piesacken dürfte damit kaum beendet sein, nach dem Bellen ist vor dem Bellen.

Wie auch immer: Wenn es Düsseldorf tatsächlich schaffen sollte, wird man den IOC-Mitgliedern flugs den Stadtnamen in Lautschrift zukommen lassen. Dürfte das geringste Problem sein. Und Hamburg? Nun, wer in Sydney "Aussi, Aussi, Aussi, oi, oi, oi" rief, wird sich auch an "Hummel, Hummel, Mors, Mors" gewöhnen.

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