Olympia Dosb
Vesper: "Ziele erreicht, Abwärtstrend gestoppt"

Dosb-Generaldirektor Michael Vesper hat nach dem Ende der olympischen Wettkämpfe in Peking ein positives Fazit gezogen: "Wir sind mit dem sportlichen Ergebnis mehr als zufrieden."

Die deutsche Mannschaft hat bei den Olympischen Spielen in Peking 16 Gold-, zehn Silber und 15 Bronzemedaillen erkämpft. Im Interview äußert sich Michael Vesper, Dosb-Generaldirektor und Chef de Mission, zum Abschneiden in China, den Aussichten für London und der Zukunft in Sachen Sportförderung.

Frage: "Herr Vesper, wie beurteilen Sie das Abschneiden der deutschen Olympiamannschaft?"

Vesper: "Wir sind mit dem Auftreten unser Mannschaft und dem sportlichen Ergebnis mehr als zufrieden. Unsere Ziele sind erreicht und der Abwärtstrend gestoppt. Deutschland ist im Medaillenspiegel eins hochgerutscht auf Rang fünf. Diese Position streben wir auch 2012 in London an. Bis dahin sollen Anstrengungen, die für Peking zu spät kamen, stärker durchschlagen. Aber ich gebe keine Medaillenprognose ab."

Frage: "Warum gewann die deutsche Mannschaft mehr Gold als zuletzt in Athen?"

Vesper: "Wir hatten mehr Siegertypen, Athleten mit dem unbedingten Willen zum Erfolg."

Frage: "Was waren für Sie die Enttäuschungen innerhalb der Mannschaft?"

Vesper: "Das war die geringe Medaillenausbeute in einigen Sportarten. In der Leichtathletik gab es 47 Goldmedaillen, aber für uns nur einmal Bronze. Wenig erfolgreich waren wir auch im Rudern, Schwimmen, Straßenradsport und Boxen. Hier müssen wir unsere Anstrengungen verstärken. Durch das neue Förderkonzept ist es auch nicht mehr so, dass es nach Misserfolgen weniger Mittel gibt. Das ist ganz sicher ein Fortschritt gegenüber dem alten System."

Frage: "Die Gastgeber in Peking und die Gastgeber der nächsten Spiele waren gemessen an bisherigen Erfolgen die Sieger der Spiele. Was können wir von ihnen lernen?"

Vesper: "China hat natürlich ungeheure Anstrengungen unternommen. Aber von diesem System können wir weniger lernen als vom britischen. Die Engländer haben im Vergleich zu uns aber ganz andere finanzielle Bedingungen. Das Beispiel zeigt, dass man sehr erfolgreich sein kann, wenn man viel Geld hat und es richtig einsetzt."

Frage: "Haben Sie Hoffnung, dass auch in Deutschland künftig mehr Mittel fließen?"

Frage: "Wir brauchen jetzt eine Diskussion, was der Spitzensport der Gesellschaft wirklich wert ist. Wir müssen dies mit dem Bundestag und der Bundesregierung bereden. Zuletzt hatten wir pro Jahr 70 Mill. Euro für die Fachverbände und die Olympiastützpunkte. Bis 2012 werden es jedes Jahr zwölf Mill. mehr sein, also jeweils 82. Aber das reicht nicht. Wir benötigen sicher das Doppelte an Zuwachsrate. Es gibt Verhandlungen mit dem Bundesinnenministerium über höhere Mittel und positive Signale aus dem Sportausschuss."

Frage: "Im Deutschen Leichtathletik-Verband wird kritisiert, angesichts der enormen internationalen Konkurrenz-Situation sei man im Vergleich zu anderen Sportarten durch BMI und Dosb zu schwach gefördert. Wir sehen Sie das?"

Vesper: "Wir werden bei Olympia auf Dauer nur erfolgreich sein, wenn wir auch in den großen Sportarten wie der Leichtathletik mit ihren 47 Entscheidungen präsent sind. Die Leichtathleten sind sicher in einer besonderen Situation. Sie erhalten auch deutlich mehr Geld als in den letzten Jahren. Es wird in Kürze interne Gespräche geben, wie die Situation im Verband weiter zu verbessern ist."

Frage: "Ein Problem, das immer deutlicher wird, ist das der Trainer. Wie sehen Sie die Situation?"

Vesper: "Hier muss sich unbedingt was tun. Das Ausland kauft uns die guten Trainer weg. Bei uns verdienen viele nur 3 000 Euro - und das brutto."

Frage: "Es gab bei Olympia zwei überragende Athleten, denen viele mit Skepsis begegnen. Hätten sie den achtmaligen Schwimm-Olympiasieger Michael Phelps und Jamaikas Sprintstar Usain Bolt gern in der Mannschaft gehabt?"

Vesper: "Wir dürfen und wollen keinen Generalverdacht aussprechen gegen alle, die vorne sind. Das würde sich auch gegen unsere Sieger richten. Aber natürlich sind wir an erfolgreichen Athleten interessiert. Skepsis habe ich jedoch bei diesen beiden Namen."

© SID

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