Olympia IOC
Chinas Regierung sorgte sich um Stimmung im Land

Die chinesische Regierung fürchtete angesichts der internationalen Proteste beim olympischen Fackellauf und des geschädigten Ansehens um die Stimmung im Land während der Spiele.

Die chinesische Regierung hatte angesichts der internationalen Protestaktionen beim olympischen Fackellauf und des geschädigten Ansehens große Befürchtungen um die Stimmung im Land während der Wettkämpfe bei den Sommerspielen in Peking. "Die Regierung hat sich sogar Sorgen gemacht, dass die Stimmung in allzu großen Nationalismus umschlagen könnte", sagte Hein Verbruggen, Chefkoordinatior des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in einem Gesprach mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Mittwochsausgabe).

Verbruggen habe die Verantwortlichen im Organisationskomitee (Bocog) darauf hingewiesen, dass es ein "Risiko" sei, mit der Fackel ins Ausland zu gehen. "Aber sie haben das nicht glauben können. Sie haben gesagt, wir werden der Welt etwas Großes, etwas Besonderes bieten. Dann waren sie unheimlich enttäuscht", erklärte Verbruggen und fügte hinzu, dass es die Bevölkerung nicht verstanden habe, dass sich die Proteste ausschließlich gegen die Führung gerichtet hätten. Verbruggen: "Das chinesische Volk ist beleidigt." Die Regierung habe nun "Appelle an die Bevölkerung gerichtet, sie soll sich sportlich verhalten", damit die Athleten nicht darunter zu leiden haben.

Streitapfel Internetzensur

Auf den Einwand, das die Internet-Zensur auch nicht gerade zu einem "positiven Darstellung des chinesischen Systems" beigetragen habe, verwies Verbruggen darauf, dass im Ausrichtervertrag festgeschrieben sei, dass die Presse "frei und ohne Einschränkungen" berichten könne. Man sei überrascht gewesen, als dies nicht gegeben war. "Die Leute von Bocog haben argumentiert, dass das Internet so weit frei wäre, dass die Journalisten über die Spiele berichten könnten. Nach vielen Diskussionen haben sie einige weitere Websites geöffnet. Aber sie haben eine Grenze, die sie nicht überschreiten", erklärte Verbruggen.

In der Menschenrechtsfrage seien dem IOC ebenfalls die Hände gebunden, weil man schließlich keine politische Organisation sei und auch keine "politischen Forderungen erfüllen" könne. Auf die Frage, ob man die Menschenrechtsfrage nicht in die Vergabekriterien aufnehmen müsste, sagte Verbruggen: "150 Länder stehen auf der Liste von Amnesty International. Dann müsste man also abwägen, welches Land akzeptabel ist und welches nicht. Das ist nicht möglich."

© SID

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