Olympia
Jubelt! Tanzt! Lächelt!

Nichts wird dem Zufall überlassen, bei der für Chinas Image so wichtigen Olympiade. Cheerleader trainieren seit Monaten das Anheizen, Schulklassen üben sich im Anfeuern.

PEKING. Die Bässe stampfen, und das Schlagzeug lässt den Boden zittern. Aus den Lautsprechern dröhnt „Simply The Best“, der Hit der amerikanischen Rockröhre Tina Turner. Es könnte ein Fitness-Studio in Los Angeles sein. Oder eine Beach-Party auf Mallorca. Doch die jungen Frauen, die in der Halle synchron zu Discoklängen hopsen, trainieren im „Hotspring Ressort“ von Jingdong – nur eine Stunde Fahrt von der chinesischen Hauptstadt Peking entfernt.

„Yi, er, san“ – „Eins, zwei, drei“, ruft die Trainerin und klatscht im Rhythmus in die Hände. Die Luft riecht nach Schweiß und Parfum. Und schon springen, stampfen und wirbeln sie wieder durch die Halle. Manche werfen ihre Arme in die Höhe, schwenken Büschel voller Silberstreifen, sogenannte Pompoms. Es gibt viel Bauch zu sehen. Und es gibt heiße Popmusik statt heißer Quelle.

Schließlich lautet das Motto dieser Veranstaltung: Einheizen für Olympia.

Rund 600 chinesische Cheerleader sind in dem alten Kaderhotel von Jingdong seit Juni auf ihren Einsatz bei den Olympischen Spielen vorbereitet worden. Sie sollen ab dem kommenden Wochenende, wenn die Wettkämpfe starten, für Stimmung in den Stadien sorgen. Denn China will bei Olympia nichts dem Zufall überlassen – auch nicht das Jubeln auf den Rängen.

„Es gab mehr als 300 000 Kandidaten, und nur 30 Teams wurden ausgewählt“, sagt die schlanke und hoch gewachsene Ma Qing. Die 23-jährige Brünette aus Qingdao ist mächtig stolz, dass sie bei Olympia mitsteppen kann. „Ich habe eine Vorliebe fürs Tanzen, aber Cheerleading ist besser. Es ist einfach cool – voller Popmusik, Energie und Leidenschaft.“

Rund sechs Stunden am Tag schwitzt Ma Qing mit den anderen Frauen für Olympia im Takt. Die Schweißperlen glitzern noch in der Pause in ihrem Gesicht, denn sie wischt sie nicht ab. Wimperntusche und Lidschatten sollen schließlich nicht verschmieren. Beim Cheerleading ist Schönsein wichtig.

Und damit Chinas neue Jubelwaffen bei Olympia nicht patzen, wurden aus Amerika eigens Trainerinnen der „New England Patriots“ eingeflogen. Stacey Mcintyre ist eine von ihnen, sie bringt den Chinesinnen nun den richtigen Hüftschwung und die flottesten Tanzschritte bei. „Sie sind so begierig zu trainieren und zu lernen“, ist die Farbige aus Florida über ihre Schülerinnen begeistert. Nur beim Dauerlächeln – dem Markenzeichen der Cheerleader – brauchen die Chinesinnen keine Nachhilfe, sagt sie lachend: „Das haben sie im Blut.“

Die Cheerleader von Jingdong sind nur ein Teil der vielen Jubeltruppen, die China für die Olympiade aufgestellt hat. Insgesamt hat Peking im ganzen Land 200 000 Tänzer und Tänzerinnen für die Spiele trainiert. So viele Einheizer hat es bei Olympia noch nie gegeben.

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