Olympia kommt Griechenland teuer
Stadien zu verkaufen

Viele Athener fürchten angesichts der zuletzt fast im Wochentakt nach oben korrigiert Kosten für die Spiele, dass auf sie bald eine Olympia-Steuer zukommen könnte. Die jüngsten Rauchzeichen der Athener Regierung stützen diese These.

Das Spiel mit dem olympischen Feuer ist gefährlich. Es gibt Städte, die sind durch die Ausrichtung Olympischer Spiele bekannt, beliebt und deshalb touristisch attraktiv geworden. In Barcelona etwa hat sich das jährliche Gästeaufkommen seit Olympia 1992 annähernd verdoppelt. "Wenn die Spiele zur Stadt passen und gut organisiert sind, werden sie zum wirtschaftlichen Segen für die Region", sagt Holger Preuß, Olympia-Experte und Professor für Sportökonomie an der Universität Mainz.

Es gibt aber auch Städte, die sich mit der Organisation des weltgrößten Sportfests finanziell überfordert haben. So zahlen die Bürger von Montreal über zusätzliche Steuern noch heute einen Schuldenberg ab, der in erster Linie von Investitionen in die Sommerspiele 1976 stammt. Viele Athener fürchten, dass auch auf sie bald eine Olympia-Steuer zukommen könnte: "Es gibt vielleicht 1 000 griechische Familien, die bei Olympia gewinnen werden. Aber zehn Millionen Griechen werden verlieren", davon ist Taxifahrer Vassilis Laros überzeugt.

Die jüngsten Rauchzeichen der Athener Regierung stützen diese These. Statt der ursprünglich geplanten 4,6 Mrd. Euro schätzen Politiker die Kosten der Spiele inzwischen auf 7 Mrd. Euro. Die Summe wurde zuletzt fast im Wochentakt nach oben korrigiert.

Offenbar weiß man in Athen längst, dass die Zahlen aus dem Ruder laufen. Finanz-Staatssekretär Petros Doukas hat gerade erst betont, dass die Regierung nach dem Ende der Olympischen Spiele zahlreiche neue Wettkampfanlagen verkaufen will. Dabei blieb unklar, wer die potenziellen Käufer sein sollen. Gesucht werden potente Investoren, die gerne die hohen Aufwendungen zur Instandhaltung der Stadien übernehmen. Wie es aus zuverlässigen Kreisen heißt, sollen Interessenten derzeit noch keine Warteschlangen vor dem Regierungssitz gebildet haben.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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