Olympia Peking
Trainer Mallow wehrt Kritik an Leichtathleten ab

Cheftrainer Jürgen Mallow hat hitzig auf die Kritik an den Leistungen der Leichtathleten reagiert und zum Rundumschlag gegen den Dosb und das Innenministerium ausgeholt.

Deutschlands Leichtathleten waren "zahnlose Tiger" mangels ausreichender Unterstützung: Nach der Minusbilanz des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) bei den Sommerspielen in Peking haben Cheftrainer Jürgen Mallow und Vizepräsident Eike Emrich zum Rundumschlag gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb), das Bundesinnenministerium (BMI) sowie DLV-Ehrenpräsident Digel ausgeholt. Mallow nannte Verhaltensweisen von BMI und Dosb "arrogant, entwürdigend, hochnäsig und verantwortungslos". Digel bezeichnete er wegen falscher Kritik als "Dummschwätzer".

Mallow: Dosb arrogant und hochnäsig

Mallow nannte es ein "entwürdigendes Spiel", dass der DLV an das BMI Anträge schreiben müsse und dann ewig keine Antwort erhalte. Selbst jetzt sei noch keine Zusage über den Etat für das laufende Jahr da. Entwürdigend sei auch, dass es da einen ganzen Tag lang Gespräche über Haushaltsmittel gebe, und am Ende erfahre man dann, dass alles schon festgelegt gewesen sei. Mallow: "Der Dosb geht arrogant und hochnäsig mit uns um. Die wollen Medaillen und tun dafür nichts."

Obwohl die Mittel für den DLV im Jahr 2009 auf fünf Mill. Euro steigen sollen (Mallow: "Zuvor war es deutlich drunter"), sei dies zu wenig. Mindestens das Doppelte wäre notwendig, um international konkurrenzfähig zu sein, erklärte Mallow: "Wir brauchen vernünftige Bedingungen. Wenn BMI und Dosb uns weiter im Regen stehen lassen, wird die Diskussion um die Anerkennung der Leistung ewig weitergeführt." Dann gewinne man künftig mit viel Energie und Glück mal eine Medaille.

Weniger Geld als die Konkurrenz

Bei Olympia 2004 waren es zwei Silbermedaillen. Die Förderung wurde bis inklusive 2007 um jährlich etwas 600 000 Euro reduziert. "Schwach abschneiden und deshalb schlechter gefördert werden, das war die innere Logik dieses Systems", so Mallow, der glaubt, Ideen zu haben, wie man zurück in die Erfolgsspur kommen könne - nur zu wenig Geld. Was möglich sei mit entsprechenden Mitteln zeigten die Briten oder die Russen mit ihren vielen hauptamtlichen Trainern.

Der DLV habe deshalb zu wenig Erfolg gehabt, weil im Vorfeld Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch und andere Leistungsträger ausgefallen seien, und in Peking vor allem Hammerwurf-Weltmeisterin Betty Heidler ("zu wenig wettkampfstabil") versagt habe. Die Athen-Zweite Nadine Kleinert habe im Kugelstoßen den schlechtesten Wettkampf der Saison geliefert.

Digels Kritik an zu wenig Leistungsdiagnostik und seinen Vorwurf, der DLV habe keine guten Trainer, wies Mallow zurück: "Michael Deyhle hat Betty Heidler schließlich zur Weltmeisterin gemacht. Er (Digel, d.Red.) hat keine Ahnung, wie viel Diagnostik wir da machen."

Auch Emrich kritisiert Ministerialbürokratie

Hinsichtlich der neu abzuschließenden Trainerverträge - alle alten laufen aus - kritisierte Emrich: "Irgendwie werden wir zwischen dem 15. November und 15. Dezember erfahren, welche Mittel wir zum 1. Januar 2009 haben werden." Aber die künftigen Mitarbeiter müsse man Monate vorher verpflichten: "Das bringt uns in Abhängigkeiten. Es ist verantwortungslos, und wir müssen die Konsequenzen tragen."

Emrich, der von Zumutungen der Ministerialbürokratie sprach und Mallows Position auch "als die meine" bezeichnete, verglich das Verhältnis zwischen Bundesverwaltungsamt, Bundesinnenministerium und dem Bereich Leistungsssport im Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) deshalb mit einem "Bermudadreieck", in dem vieles auf der Strecke bleibe.

DLV-Präsident Clemens Prokop bestätigte, er habe am Samstag in Peking Gespräche mit BMI-Vertretern über das Abschneiden des DLV bei Olympia, die Probleme der Leichtathletik und eine optimale Vorbereitung auf die WM 2009 in Berlin geführt. Aber über Inhalte könne er nichts sagen.

© SID

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