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Olympia-Power für griechische Steuerfahnder

Die Olympischen Spiele 2004 dauerten nur zwei Wochen, aber für die Rechnung werden die griechischen Steuerzahler noch auf Generationen hinaus bluten müssen. Rund 13 Mrd. Euro kosteten die Spiele, mehr als doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt.

Die Olympischen Spiele 2004 dauerten nur zwei Wochen, aber für die Rechnung werden die griechischen Steuerzahler noch auf Generationen hinaus bluten müssen. Rund 13 Mrd. Euro kosteten die Spiele, mehr als doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Im Olympia-Jahr erreichte das griechische Haushaltsdefizit die Rekordhöhe von 6,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Und immer noch flattern Wirtschafts- und Finanzminister Jorgos Alogoskoufis Rechnungen auf den Tisch: für den Unterhalt der Stadien und Sporthallen muss er pro Jahr etwa 125 Mill. Euro locker machen.

Da klingt es vernünftig, wenn sich der Minister jetzt wenigstens einen Teil des Olympia-Erbes sichert: rund 8 600 Server und Computerterminals, die für die Spiele angeschafft wurden und seither ungenutzt herumstehen, gehen in den Besitz des Finanzministeriums über. Nicht alle Steuerzahler wird freuen zu hören, wofür die Hardware bestimmt ist: sie soll veraltete Rechner der Steuerfahndung ersetzen. "Wir werden den Steuerhinterziehern das Leben schwer machen", kündigt Minister Alogoskoufis an: "Sie können sich noch gar nicht vorstellen, wie schwer wir es ihnen machen werden..."

Alogoskoufis ist finster entschlossen, den Steuersündern das Handwerk zu legen. Denn er braucht jedes "Lepto", wie der Cent in Griechenland in Anlehnung an das Hunderste der im Euro aufgegangenen Drachme genannt wird. Bei der EU steht er im Wort, die Defizitquote 2006 auf drei Prozent zu drücken. Verfehlt er das Ziel, drohen Strafgelder in Milliardenhöhe. Bisher sieht es allerdings nicht besonders gut aus. Die Steuereinnahmen lagen im ersten Halbjahr unter den Erwartungen. Vor allem das Mehrwertsteueraufkommen lässt zu wünschen übrig, obwohl die griechische Wirtschaft stark wächst - ein untrügliches Indiz für Steuerhinterziehung im großen Stil. Das Ausmaß der Schattenwirtschaft wird in Griechenland auf etwa 30 Prozent des offiziell ermittelten BIP geschätzt.

Dass der Computer eine wirksame Waffe im Kampf gegen die Steuerhinterziehung ist, hat der griechische Fiskus erst kürzlich demonstriert: ein Abgleich von 471 299 Unternehmens-Steuererklärungen des vergangenen Jahres ergab erhebliche Diskrepanzen. Die Angaben von Lieferanten und Empfängern klaffen um rund sieben Mrd. Euro auseinander. Die hinterzogenen Steuern dürften sich auf etwa zwei Mrd. Euro belaufen. Bei ihren Abgleichen stießen die Steuerfahnder außerdem auf 15 365 Belege, die gefälschte Steuernummern enthalten.

Mit den 8 600 Olympia-Computern dürfte sich die Schlagkraft des Fiskus deutlich erhöhen. Das dürfte die ehrlichen griechischen Steuerzahler freuen. Für die gibt es eine weitere gute Nachricht: Minister Alogoskoufis will das Einkommensteuerrecht radikal vereinfachen. Noch haben die Experten seines Ministeriums nicht alle möglichen Varianten und deren Gegenfinanzierung durchgerechnet, aber zu den jetzt diskutierten Modellen gehört, die drei bisher gültigen Einkommensteuersätze von 15, 30 und 40 Prozent durch eine einzige Flatrate zu ersetzen. Sie könnte zwischen 25 und 30 Prozent liegen, meinen Fachleute im Athener Finanzministerium. Damit könnte nicht nur die Abgabe und Überprüfung der Steuererklärungen vereinfacht werden. Mit einem niedrigen Einheits-Steuersatz würde auch der Anreiz geringer, Steuern zu hinterziehen - hofft der Finanzminister jedenfalls.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa
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