Olympia-Qualifikation
Deutsches Team ist nahezu komplett

Mit voraussichtlich 436 Athleten und der Hoffnung auf einen Stopp des seit 1992 währenden Abwärtstrends startet der deutsche Sport in das Unternehmen Peking.

24 Tage vor dem Auftakt der Olympischen Sommerspiele (8. bis 24. August) vergab der Deutsche Olympische Sportbund (Dosb) am Dienstag im Bundesleistungszentrum Kienbaum östlich von Berlin die letzten 236 Tickets. Am Start werden 242 Männer und 194 Frauen sein.

"Das ist eine schlagkräftige Mannschaft", sagte Dosb-Präsident Thomas Bach. Ziel sei es, erfolgreich zu sein und damit den Beweis zu erbringen, dass Leistung und Moral miteinander vereinbar sind. Außerdem wolle man als guter Botschafter Deutschlands auftreten. "Ich wäre zufrieden, wenn wir das Athen-Ergebnis mit 49 Medaillen wiederholen könnten", erklärte Eberhard Gienger, Dosb-Vize Leistungssport. Ab 27. Juli beginnt die Anreise nach Peking.

Allerdings könnte sich das deutsche Team noch um zwölf Athleten verkleinern, falls die von Dirk Nowitzki angeführten Basketballer in dieser Woche beim Olympia-Qualifikationsturnier in Athen scheitern. Im Erfolgsfall wäre der deutsche Sport bei den 302 Entscheidungen in 26 der 28 Sportarten vertreten. Nur Baseball und Softball blieben unbesetzt. Letzter Meldetermin beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) ist der 21. Juli.

Wirbel um Bernhardt

Bis dahin könnten auch noch rund ein halbes Dutzend Athleten nachrücken wie Wimbledon-Halbfinalist Rainer Schüttler (Korbach) und Schwimmerin Vipa Bernhardt (Frankfurt/M.), die per Einstweiliger Verfügung erreicht hat, dass sie der Deutsche Schwimmverband für die Nominierung nachträglich vorschlug. Bernhardts Vorgehen empörte Thomas Bach: "Ich habe noch nie erlebt, dass eine Athletin versucht, unter Hinweis auf Formfehler eine Kollegin aus der Mannschaft zu boxen." Ansonsten wollte der Dosb das schwebende Verfahren nicht kommentieren.

Über die Nachrücker, zu denen auch 3000m-Hindernisläufer Filmon Ghirmai (Tübingen) bei Normerfüllung am Sonntag gehören könnte, wird eine dreiköpfige Präsidialkommission entscheiden. `Ich sehe bei vielen Athleten das Feuer in den Augen. Sie stehen wie ein Pferd in der Box und wollen endlich losgelassen werden', sagte Aktivensprecher Christian Breuer, der die Interessen der Sportler in den drei Nominierungsrunden seit Ende Mai vertrat. Insgesamt gab es dabei sieben Einzelfallentscheidungen (5 Radsportler/2 Leichtathleten), darunter die der verletzten Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch (Neubrandenburg), die ungeachtet einer fehlenden Qualifikationsweite berufen wurde. Auch Mountainbiker Manuel Fumic gehörte dazu. Er hatte sich geweigert, seiner Meldepflicht bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) nachzukommen. Eine dreimonatige Sperre und eine Verwarnung waren vom Bund Deutscher Radfahrer aber wegen Formfehlern jüngst aufgehoben worden.

Über Nada-Stellungnahmen wurde sichergestellt, dass sich alle nominierten Sportler seit Olympia 2004 keine Dopingvergehen zu Schulden kommen ließen. Außerdem mussten Athletenvereinbarungen unterschrieben werden.

Neben den Sportlern wurden für das rund fünf Mill. Euro teure Unternehmen Olympia, das zu rund 70 Prozent durch das Bundesinnenministerium finanziert wird, auch 317 Offizielle berufen. Bei ihrer Überprüfung auf eine Dopingvergangenheit und eine frühere Stasi-Tätigkeit gab es 19 Befunde durch die Birthler-Behörde. In drei Fällen lud die Gauck-Kommission des Dosb zu Anhörungen ein, woraufhin in einem Fall keine Nominierung erfolgte. Der Name wurde nicht bekannt.

Weil der Start von Franka Dietzsch noch unklar ist, war ihr wegen seiner DDR-Vergangenheit umstrittener Coach Dieter Kollark vom Deutschen Leichtathletik-Verband in Absprache mit der dreimaligen Weltmeisterin gar nicht erst zur Nominierung vorgeschlagen worden.

Zu den am Dienstag nominierten Athleten gehörten auch Goldhoffnungen wie die deutschen Handballer, die Fußball-Frauen und die Reiter mit Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen), Ludger Beerbaum (Riesenbeck) und Isabell Werth (Rheinberg).

Vor vier Jahren in Athen umfasste das deutsche Team 452 Athleten und gewann als Sechster des Medaillenspiegels 49-mal Edelmetall (13 Gold/16 Silber/20 Bronze). Das erfolgreichste Team seit der Wiedervereinigung gab es 1992 mit 82 Medaillen (33/21/28), das größte vier Jahre später in Atlanta mit 469 Sportlern.

© SID

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